Orthopädische Gelenk-Klinik

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Für gesunde Füsse nur noch barfuss joggen?

Abebe Bikila, Olympiateilnehmer aus Äthiopien gewann 1960 barfuss eine Goldmedallie. Die gesündesten Laufsportler kommen aus Kulturen, die das Barfußlaufen ermöglichen. Erwachsene Laufsportler aus schuhtragenden Kulturen können diesen Lernprozess aber nicht einfach überspringen. Abebe Bikila, Olympiateilnehmer aus Äthiopien gewann 1960 barfuß eine Goldmedallie. Die gesündesten Laufsportler kommen aus Kulturen, die das Barfußlaufen ermöglichen. Erwachsene Laufsportler aus schuhtragenden Kulturen können diesen Lernprozess aber nicht einfach überspringen. © Wikimedia

Was kann man also tun, um die Füße aus dem zivilisierenden Gefängnis zu befreien? Sollen wir die Schuhe grundsätzlich in die Ecke werfen und unseren nächsten Halbmarathon einfach mal barfuß laufen?

Soweit muß man nicht gehen: aus Gründen, die wir gleich ausführen, wäre eine so drastische Umstellung zum Barfußlaufen auch ganz und gar ungesund.

Wichtig ist aber: Versetzen Sie sich so oft wie möglich in Ihre Füße hinein. Das ist gar nicht so schwer: Füße wollen gerne gelegentlich etwas von der Welt mitbekommen. Und Füße wollen am liebsten einfach nur "sie selbst" sein.

Füße brauchen Raum

Wenn Sie aus beruflichen Gründen oder aus Eitelkeit den ganzen Tag in engen Schuhen und hohen Absätzen dem Huf als Ihrer Idealform des Fußes nacheifern, so geben sie den Füßen dennoch so oft wie möglich "frei". Lassen sie sich ausbreiten in weichen, aber ungedämpften, bequemen Schuhen. Verwöhnen Sie sie mit unterschiedlichen Sinnesreizen und Untergründen. Denn nur so haben auch Ihre Füße etwas vom Leben und können die natürliche Fußform als Koordinationsleistung der Muskeln und Sehnen des Fußes regenerieren.

Füße wollen etwas "spüren" und "erleben"

Wenn sie die größten Strecken täglich in Ihrem Auto oder auf den Rollen ihres Schreibtischstuhls zurücklegen, können Sie ihre Füße durch einen normalen Gebrauch unterstützen. Gehen sie Strecken in gemütlichen Schuhen die ausreichend Zehenraum bieten. Lassen Sie sie die Füße aus den Schuhen heraus und wackeln Sie auch mal mit den Zehen. Stehen Sie auf die Fußballen.

Ohne Barfuß-Erfahrung entsteht bei Kindern nicht die normale Fußform

Weiche sensible Kinderfüsse Kinderfüße reifen, indem sie Boden und Gleichgewicht spüren. Auch für erwachsene Füßen ist das gut. © Istockphoto.com

Laufen Lernen ist zunächst eine motorische Erfahrung, Kontakt mit verschiedenen Untergründen, Unebenheiten sowie die Reakation von Muskeln, Sehnen und Nerven auf diese Geh-Erfahrung. Das Fußgewölbe des Menschen ist ein aktiver Prozess: Ein Erfahrungswert des Fußes. Das Längsgewölbe des Fußes eines Kindes reift daher nur durch hinreichende Bewegungserfahrung. der kindliche Knick-Senkfuß kann nur durch Bewegung zum gesunden Fuß reifen. In diesem Zusammenhang ist es besonders erschreckend für den Fußspezialisten, wenn Umfragen zeigen, daß über 30% der Kinder nach eigenen Aussagen noch nie barfuß gelaufen sind.

Füße wollen aktiv sein

Beginnen Sie rechtzeitig mit diesen einfachen Wohltaten, können Sie das Fußgewölbe wieder stärken. Sogar beginnende Fehlstellungen Ihrer Füße können so wieder verbessert werden. Treten echte Strukturschäden auf, können die Füße oft nur noch durch eine Operation wiederhergestellt werden.

Umstellung auf ungedämpftes Laufen benötigt Zeit

Aber nun zu unserem Halbmarathon: warum ist es dennoch ungesund, wenn ich auch als trainierter Läufer unvermittelt aus meinen gedämpften Laufschuhen aussteige und nun gleich barfuß läuferische Höchstleistungen vollbringe?

Wie wir uns erinnern, wird der Fuß durch viele Dutzend kleiner und kleinster Muskeln aufgebaut und geformt. Neben Beschleunigung und Vortrieb haben diese Muskeln auch die Funktion den Schritt im Gangzyklus zu dämpfen und zu federn. Hat der Läufer zuvor jahrelang in stark gedämpften Schuhen trainiert, sind auch diese "intrinsischen" Muskeln und Gelenke im Fuß an Dämpfung gewöhnt. Steigt der Läufer unvermittelt auf harten, ungedämpften Untergrund um, ist zwar sein Herz-Kreislaufsystem in der Lage, diese Strecke zu laufen. Die Belastung der Fußmuskulatur wird sich barfuß aber sehr unterscheiden: das aktive Dämpfungssystem des Fußes, bestehend aus den kleinen Fußmuskeln ist zurückgebildet und zunächst nicht mehr so leistungsfähig.

Auch das passive Dämpfungssystem des Fußes muß sich anpassen. Dazu gehören federne Sehnen und Knochen. Aber auch das ausgeklügelte Fettpolster-Dämpfungssystem der Ferse. Diese passiven Dämpfungssysteme sind sicher nicht für den Lauf auf harten Böden - Asphalt und Zement - ausgelegt.

Schäden und Verletzungen im Fuß sind daher beim unvermittelten Umstieg auf Barfußlaufen unvermeidlich. Stressbrüche, Schmerzen, Sehnenreizungen und Achillessehnenentzündung werden die Folge sein.

Der ungeplante Aufbruch in ein Leben mit einem befreiten Fuß wird in einem üblen Kater enden, wenn diese Umgewöhnung, vor allem bei Erwachsenen, nicht maßvoll und gut vorbereitet erfolgt.

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