Orthopädische Gelenk-Klinik

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Klinische Untersuchung von Fußschmerzen

Die Fuß-Schmerzen der kleinen Meerjungfrau: Was wird dem Frauen-Fuß alles zugemutet?

Jahrelange, erzwungene Fehlstellung der Fußknochen bei hochhackigen Schuhen stresst die Füße. © Ada S. Balin, Science to Dress

Füße sind eigentlich geduldig und bescheiden. Füße benötigen nicht viel, um gesund zu sein und zu bleiben. Zuallererst benötigen Füße einen naturgemäßen Gebrauch, ausreichend Auslauf und gelegentlich etwas Platz, um sich auszubreiten.

Was macht unseren Füßen zu schaffen?

Fast alle Begleiterscheinungen unseres zivilisierten Lebens sind hier zu nennen. Übergewicht und Bewegungsarmut zunächst. Aber auch Medikamentennebenwirkungen, Genussgifte wie Nikotin und Alkohol wirken auf die Gewebe und Bänder des Fußes. Stoffwechselstörungen wie Diabetes bedrohen auch die Fußgesundheit.

Wenn Sie Ihre Füße zu lange vernachlässigen oder gar quälen, nehmen diese Ihnen das irgendwann übel. Auch wenn Sie das nicht gleich bemerken, eines Tages ist es so weit. Die Füße versagen unter Krämpfen, Schmerzen und Sehnen- und Nervenentzündungen ihren Dienst.

Warum spricht der Orthopäde vom Fußverfall?

Immer mehr Patienten klagen über Fußschmerzen. Diese Fußschmerzen betreffen die Füße, das Sprunggelenk, und benachbarte Bereiche wie Unterschenkel. Bevor es zu Schmerzen und Strukturschäden kommt, wird der Fuß durch jahrelangen Nichtgebrauch, zu starke Abschirmung oder Fehlbelastung - etwa durch kompromisslos modisches Schuhwerk ohne Bewegungs-Ausgleich - geschwächt.

In 5% aller Fälle vom Fußschmerzen lässt sich derzeit lediglich durch eine Operation die natürliche Gehfähigkeit des Patienten wiederherstellen. Die Tendenz ist stark ansteigend. Zwar entstehen überall Zentren zur spezialisierten Fußchirurgie. Eine ähnlich starke Entwicklung im Bereich der Vorsorge für die Fußgesundheit wäre sicher ebenso sinnvoll und würde viel Leid ersparen.

Wenn unsere Füße rebellieren

Folgen des Fußverfalls

Nach Rückenschmerzen sind Fußschmerzen die zweithäufigste und die an Bedeutung am stärksten zunehmende Schmerzursache im Bewegungsapparat.

Wie wir gesehen haben, ist das menschliche Fußgewölbe nicht statisch, aus unbeweglichen Teilen zusammengesetzt. Es wird durch Muskelaktivität aufrechterhalten: kleinste trainierbare Muskeln und Sehnen verbinden die einzelnen Knochen des Fußes miteinander. Die elegante Form des gesunden Fußgewölbes ist also eine "Tätigkeit" der Fußmuskulatur. Dieses aktive Fußgewölbe wird erzeugt aus der gesunden, also auch im Alltag trainierten Muskel- und Sehnenspannung an Fuß und Unterschenkel.

Damit die Muskeln des Fußes angemessen auf Ihre Umgebung reagieren können, ist auch die Sensibilität, die Fähigkeit des Fußes als Sinnesorgan wichtig.

Den gesunden Fuß muss man trainieren

Durch Unebenheiten, Außenreize, schräge Oberflächen, verschiedene Untergründe "lernt" der Fuß erst seine bestimmte Form. Die anatomisch korrekte Ausbildung des Fußgewölbes ist zwar angeboren. Doch benötigt jeder Fuß für seine Reifung und Aufrechterhaltung des Längsgewölbes auch zeitlebens diese wichtigen Außenreize.

Welche Folgen hat es nun, wenn über 30% aller Kinder nach eigenen Angaben noch nie barfuß gelaufen sind? Die meisten Kinder nur noch selten barfuß draußen spielen?

Der gesunde Fuß entsteht durch "learning by doing"

Weiche sensible Kinderfüsse Weiche sensible Kinderfüße spüren Boden und Gleichgewicht. Diese motorische Erfahrung lässt den Kinderfuß reifen. © Istockphoto.com

Die wichtigste Empfehlung der Orthopäden bei Kindern mit Knick-Senkfüßen: Weiche, aber nicht gedämpfte, wahrnehmungsfördernde Schuhe zum Laufen lernen: oder den Nachwuchs, so oft es geht, ganz barfuss umherspringen lassen.

Werden die Füße der Kinder zu früh und zu gründlich von Außenreizen abgeschirmt, entwickeln sie nicht ihre bestimmungsgemäße Form. Der kindliche Plattfuß richtet sich dann nur schwer auf, der Zehenspitzengang des Kleinkindes entwickelt sich dann nicht weiter zum Fersengang des Erwachsenen. Zum Glück ist der kindliche Knick-Senkfuß recht einfach zu behandeln. Man muss den Füßchen nur geben, was sie benötigen: Auslauf und Barfußreize.

Aber auch wenn die Füße eine Kindheit überstanden haben, die stets ärmer an Außenreizen und Bewegungserfahrungen wird, nehmen die Gefahren für die Fußgesundheit kein Ende.

Der Huf als bedenkliches Mode-Ideal: Modehufe und Stöckelschuhe

Füsse mit Spreizfuss (von oben) Füsse mit Spreizfuss (von oben) . Deutlich sichtbar sind die aufgefächerten Zehenstrahlen. Die Bindegewebe und Muskeln, die das Fußgewölbe intakt halten, sind hier bereits verkümmert. Fußverfall hat eingesetzt. ©Wikipedia

Orientiert sich doch die Schuhmode, gerade für Frauen, in vielen Ländern doch am Ideal des statischen, unsensiblen Hufs.

So werden die Füße eingezwängt, die Zehen können sich beim Abrollvorgang nicht mehr natürlich ausbreiten, die Gewichtsverteilung beim Gehen wird behindert.

Der nicht "artgerecht" geforderte Fuß vekümmert.

Die resultierende Verkümmerung der Muskeln und Bindegwebe des Fußes führt folgerichtig auch zu vielen Fehlstellungen. Der Fußspezialist bekommt sie in seiner Praxis täglich zu sehen. Dazu gehört der Fußverfall.

Der Fußverfall wird durch ein nicht fußgerechtes Leben herbeigeführt. Wenn die Muskeln und Sehnen des Fußes nicht angemessen gefordert werden, wird die Struktur und Form des Fußgewölbes nicht mehr aufrechterhalten.

Fußverfall ist also eines der Haltungsprobleme, die man zum Beispiel von der Wirbelsäule her kennt, nur bezogen auf das Fußgewölbe. Fußverfall führt beispielsweise zu dem erworbenen Knick-Senkfuß - dem Zusammenbruch des Fußlängsgewölbes, das bei vielen Erwachsenen in der Lebensmitte plötzlich auftreten kann.

Der durchgetretene Spreizfuß hat viele schmerzhafte Folgen

Eine weitere Erkrankung des Fußes, die vor allem in Verbindung mit hohen Absätzen auftritt und zu den unangenehmsten Konsequenzen des Spreizfußes gehört: das schmerzhafte Morton Neurom. Das Morton Neurom ist wohl von Hans Christian Andersen in der Geschichte der kleinen Meerjungfrau verarbeitet worden: "Jeder Schritt, den sie tat, war, als ob sie auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte, und alle verwunderten sich über ihren anmutig dahinschwebenden Gang." Der Dichter erzählt uns nun nichts Bestimmtes über die Schuhvorlieben der kleinen Meerjungfrau. Aber als Fußspezialist hat man seine Ideen.

Bei dem ebenfalls weit verbreiteten und schmerzhaften Hallux valgus verliert die Großzehe ihre natürliche Ausbreitungsrichtung. Der Großzeh knickt nach aussen, legt sich über die kleineren Zehen. Der am Großzehengelenk hervortretende Knick reibt oft jahrelang schmerzhaft am Innenschuh. Durch die Reibung entzündet er sich und schwillt zusätzlich noch an.

Sowohl bei Morton Neurom als auch bei Hallux valgus lassen die meist weiblichen Patienten Ihre im Zehenbereich zu schmalen, oft hochhackigen Mode-Schuhe auf einmal gerne im Schrank stehen. Klobige Gummitreter, bei Hallux valgus gerne auch mal 2 Größen zu groß, werden plötzlich bevorzugt.

Doch diese scheinbaren Wohltaten kommt dann für die meisten Füße oft schon zu spät. In vielen Fällen können nur Einlagen, ärztliche Behandlung oder, bei schweren Strukturschäden, sogar Operationen helfen, die natürliche Form des Fußes und ein gesundes Gangbild wiederherzustellen.

Ein weiteres Problem des schmerzhaften Fußverfalls ist der Fersensporn. Wenn die Plantarsehne an der Fußsohle, sei es durch Übergewicht, sei es durch ein geschwächtes Fußgewölbe, das bereits abflacht, ständig überlastet ist, entzündet Sie sich und verdickt sich. Zu guter letzt kann sogar eine Verkalkungsreaktion des Plantarsehnenansatzes einsetzen. Dieser Kalksporn ist zwar namensgebend, aber nicht die Ursache der Beschwerden. Vielmehr ist auch Fersensporn in der Regel eine Folge eines geschwächten Fußgewölbes nach Fußverfall.

Auch der obere Fersensporn, eine Verkalkung des Achillessehnenansatzes, gehört zu diesem Problemkreis. Oft liegt dem eine Fehlbelastung der Achillessehne mit nachfolgender, oft langwieriger Achillessehnenentzündung zu Grunde. Wenn die Ferse nach Fußverfall schief steht sind die Belastungslinien des Sehnenansatzes nicht mehr natürlich. So mancher Wochenend-Tarzan mittleren Alters überfordert seine Achillessehne auch durch ungleichmäßige und schlecht vorbereitete Sportbelastungen. Auch bei Sportlern im Lauftraining benötigen Sehnen und Knorpel mehr Zeit, um sich an die Belastung anzupassen, als Muskelkraft und Ausdauerleistung.

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