Orthopädische Gelenk-Klinik

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Klinische Untersuchung von Fußschmerzen

Stressfraktur oder Marschfraktur: Ermüdungsbruch des Knochens durch Überlastung

  1. Was ist die Stressfraktur (Ermüdungsbruch)?
  2. Symptome einer Stressfraktur (Ermüdungsbruch)
  3. Ursachen für die Entstehung einer Stressfraktur
  4. Wie diagnostiziert der Arzt eine Stressfraktur?
  5. Konservative Behandlung der Stressfraktur
  6. Operation der Stressfraktur
Stressfraktur des Calcaneus (Fersenbein) Bildgebung einer Stressfraktur im MRT und Röntgen: MITTE: Das MRT-Bild (Magnetresonanztomografie) zeigt eine veränderte Knochenstruktur im Bereich des Fersenbeins. Die Pfeile oben markieren die Bildung eines leichten Knochenödems als Reaktion auf eine ältere Stressfraktur. RECHTS: Im entsprechenden Röntgen-Bild ist an der Stelle kaum eine Knochenaufhellung zu erkennen, die auf die Stressreaktion des Knochens hinweist. LINKS: Die oberen Pfeile zeigen eine deutliche Knochenreaktion oder Sklerosierung (Verdichtung des Knochengewebes). © Dr. Schneider
Die Stressfraktur ist eine Form des Knochenbruchs, der aufgrund von immer wiederkehrender Belastung auftritt. Man spricht auch von Ermüdungsbruch oder Marschfraktur. Die Überlastung führt zu einer Schädigung der Knochensubstanz, die körpereigene Reparaturvorgänge nicht mehr ausgleichen können. Treten beispielsweise bei einem Läufer, der seinen Trainingsumfang aufgrund eines bevorstehenden Marathons deutlich steigert, plötzlich ziehende Schmerzen im Mittelfuß auf, muss der Fußspezialist einen Ermüdungsbruch in Betracht ziehen. Obwohl Ausdauer, Muskulatur und Kreislauf des Athleten dem gesteigerten Training gewachsen sind, passen sich Sehnen und Knochen nur langsam an. Die Bildgebung zeigt die typischen Veränderungen am Mittelfuß: Zunächst sind Knochenödeme (Wassereinlagerungen) sichtbar, später lässt sich die Stressreaktion auch an der geschädigten Knochensubstanz erkennen. Obwohl der Fuß nicht durch Gewalteinwirkung von außen (z. B. Unfall, Verletzung) geschädigt wurde, kann ein teilweiser oder vollständiger Knochenbruch vorliegen. Die Behandlung eines Ermüdungsbruchs erfolgt in vielen Fällen konservativ durch Entlastung und Ruhigstellung. Nur in Ausnahmefällen ist eine Operation notwendig.

Was ist eine Stressfraktur und wie entsteht sie?

Eine Stressfraktur bzw. ein Ermüdungsbruch ist ein partieller oder vollständiger Bruch eines Knochens aufgrund von Überlastung. Meist ist eine Trainingssteigerung im Zusammenhang mit repetitiven Bewegungen (z. B. beim Laufen) ursächlich für die Stressreaktion des Knochens. 2 % aller Sportverletzungen gehen auf eine Stressfraktur zurück. Aber auch eine zu geringe Belastbarkeit des Knochens durch Stoffwechselschädigungen oder im Rahmen von Fehlstellungen und Schonhaltungen können Ermüdungsbrüche begünstigen.

Bei einer Stressfraktur wird der Knochen über einen längeren Zeitraum so geschwächt, dass Mikroreparaturen die Schädigung der Knochensubstanz nicht mehr ausgleichen können. Vor allem die unteren Extremitäten sind von solchen Mikroverletzungen betroffen, die der Körper zunächst repariert. Kommt es bei der nächsten Belastung wieder zu feinen Rissen, nimmt der Knochen erneut Schaden. Das Gleichgewicht von Knochenaufbau und -abbau ist gestört und irgendwann kommt das körpereigene Reparatursystem nicht mehr hinterher. Dann entwickeln sich zunächst Knochenmarködeme (Wassereinlagerungen im Knochenmark) als Stressreaktion, bevor die Knochensubstanz (Spongiosa) und später auch die schützende Knochenhülle (Kortikalis) Schaden nehmen. So entsteht aus Stressreaktionen des Knochens eine Stressfraktur.

Tritt die Fraktur im Bereich des Mittelfußes auf, spricht man auch von einer Marschfraktur. Der Begriff stammt aus dem Militär, wo das Beschwerdebild häufig bei Soldaten nach langen Fußmärschen beobachtet wurde.

Von den Stressfrakturen abzugrenzen sind Knochenbrüche, die im Rahmen einer anderen Grunderkrankung auftreten (z. B. Osteoporose oder Knochentumoren). In diesem Fall spricht man von einer Insuffizienzfraktur. Hierzu zählt auch die Fehlbelastung durch Fehlstellungen des Fußes oder Schienbeins. Vor allem ältere Menschen mit stärkeren Hohl- oder Knick-Senkfüßen bzw. Bandschäden sind betroffen, da die Knochen aufgrund der unphysiologischen Stellung über viele Jahre überlastet und geschädigt werden.

Prävalenz – wer erkrankt an einer Stressfraktur?

Die meisten Stressfrakturen treten bei sportlich aktiven Menschen zwischen 20 und 30 Jahren auf. Sportinduzierte Veränderungen der Knochenstruktur sind dabei stark vom Leistungsniveau abhängig. Vor allem Stressfrakturen im Bereich des Schienbeins (Tibia) bzw. Wadenbeins (Fibula) am Unterschenkel sowie an der Ferse treten häufig bei Lauf- und Sprungsportlern auf. Im hohen Leistungsniveau ist die Tendenz aufgrund der guten Trainerausbildung allerdings rückläufig. Belastungsspitzen werden häufiger bei Hobbysportlern oder im unteren Leistungsbereich beobachtet, wenn das Training zu schnell gesteigert wird. Dies ist oft der Fall, wenn ein Freizeitsportler sich auf einen Wettkampf, wie beispielsweise einen Marathon, vorbereitet. Aber auch bei richtigem Training können Ermüdungsbrüche entstehen. Insgesamt erkranken Frauen häufiger an einer Stressfraktur als Männer. Ein Grund für diese Prävalenz könnte der weibliche Hormonhaushalt sein, da Östrogenmangel im Klimakterium auf den Knochenstoffwechsel einwirkt und die Calciumeinlagerung reduziert.

Symptome des Ermüdungsbruchs

Zu Beginn der Knochenschädigung durch eine Stressfraktur treten häufig plötzlich einsetzende Schmerzen im Bereich der Belastung auf. In einigen Fällen fand vorher eine ungewohnte Belastung statt, die Auslöser für den Schmerz war.

Der Ermüdungsbruch kann prinzipiell in allen Knochen und Gelenken (z. B Knie) der unteren Extremität oder im Bereich der Hüfte und des ISG (Iliosakralgelenk) auftreten. Am häufigsten sind jedoch Schienbein (Tibia) und Fuß betroffen.

Die Schmerzen in der betroffenen Körperregion treten meist zusammen mit einer kompletten Belastungsunfähigkeit und teilweise deutlicher Schwellung auf. Belastet der Patient den Bereich der Knochenschädigung, kann es zu brennenden Schmerzen mit Ausstrahlung in die Nachbarregionen kommen. Der Patient nimmt daher oft eine Schonhaltung ein.

Ist der Ermüdungsbruch Resultat eines Übertrainings, können die Schmerzen auch schleichend beginnen und sich langsam steigern. Je mehr trainiert wird, desto stärker äußern sich die Beschwerden und der Betroffene wird zunehmend leistungsunfähig.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Je nach Lokalisation können verschiedene Symptome bereits früh auf die Entstehung einer Stressfraktur hindeuten. Bei drohenden Waden- oder Schienbeinfrakturen äußern sich ziehende Schmerzen innen oder außen am Unterschenkel in der Nähe des Sprunggelenks. Diese treten vor allem bei hochbeschleunigenden Bewegungen und unter Belastung auf. Bei derartigen Symptomen sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um einer fortschreitenden Knochenschädigung entgegenzuwirken.

Die unspezifischen Beschwerden sind zunächst nicht von Knochenhautreizungen oder überlasteten Sehnen zu unterscheiden. Ein Training ist in diesem Stadium meist noch möglich. Erst bei zunehmender Trainingsbelastung ohne Ruhigstellung der betroffenen Körperregion können Dauerschmerzen auftreten, die als dumpf oder nagend beschrieben werden. Eine Belastung ist dann nicht mehr möglich.

Stressfraktur der Tibia (Schienbein)

Ermüdungsbrüche am Schienbein (Tibia) äußern sich sehr unterschiedlich. So kann beispielsweise das Periost (Knochenhaut) oder das im Knochen liegende Knochenmark als Stressreaktion von einem Ödem (Wassereinlagerung) betroffen sein. Dann treten unspezifische Unterschenkelschmerzen auf. Nicht immer kommt es zu einer Verletzung der eigentlichen Knochensubstanz (Spongiosa) oder der härteren Außenschicht des Knochens (Kortikalis). Sind diese Strukturen betroffen, verläuft die Frakturlinie meist horizontal. Es können aber auch Längsrisse entlang des Schienbeinknochens auftreten. Die meisten Stressfrakturen treten im unteren (distalen) Bereich des Tibiaschaftes auf. Insgesamt betreffen etwa 50 % aller Stressfrakturen das Schienbein.

Der Ermüdungsbruch am Fuß

Im Bereich des Fußes treten Stressfrakturen am häufigsten am Mittelfuß und an der Fußwurzel auf. Vor allem die Ferse (Calcaneus) kann bei übermäßiger Belastung durch das Körpergewicht von einem Ermüdungsbruch betroffen sein. Dabei äußern sich die Stressreaktionen meist als Knochenmarködeme oder als sichtbare Frakturlinien. Die Ferse reagiert dann empfindlich auf Druck und schmerzt bei Bewegung des Fußes.

Stressfraktur im Knie

Knieschmerzen können neben degenerativen Veränderungen wie Arthrose (Gelenkverschleiß) auch durch Stressfrakturen verursacht werden. Meist treten durch die Überlastung zunächst Knochenmarködeme im Bereich des Knies auf. Insgesamt sind Stressfrakturen des Knies allerdings selten. Ein MRT kann zur Diagnosesicherung beitragen und eine Stressfraktur gegenüber anderen Erkrankungen des Kniegelenks abgrenzen. Häufiger sind sogenannte Insuffizienzfrakturen, die durch andere Grunderkrankungen wie Osteoporose verursacht werden, für Knochenschädigungen im Knie verantwortlich.

Stressfraktur – Ursachen und Risikofaktoren

Eine Stressfraktur entsteht im Gegensatz zur traumatisch bedingten Fraktur – beispielsweise durch einen Sturz – immer durch eigentlich gewohnte Belastungen. Verantwortlich für eine Substanzschädigung des Knochens sind meist repetitive Bewegungen, die den Knochen dauerhaft belasten. Dies stört den Knochenstoffwechsel im geschädigten Bereich, wodurch sich das Verhältnis von Knochenabbau und -aufbau ändert. Dieses sogenannte Remodeling ist im Normalfall dafür verantwortlich, dass Mikroverletzungen des Knochens sofort repariert werden. Die immer wiederkehrenden Bewegungen überlasten dieses System und es kann zu unvollständigen oder vollständigen Brüchen kommen.

Risikofaktoren für eine Stressfraktur

Nicht nur erkrankungsbedingte Veränderungen beeinflussen den Knochenstoffwechsel, sondern vor allem auch die Lebensweise des Patienten. Folgende Risikofaktoren können für Stressreaktionen des Knochens verantwortlich sein:

  • Trainingsfehler und Übertraining
  • abrupte Steigerung der Trainingsintensität oder des -umfangs
  • Fehlbelastung
  • falsches Schuhwerk
  • unebener Untergrund
  • falsche Lauftechnik (oder andere sportartspezifische Ursachen)
  • Fehlstellungen (z. B. Metatarsus adductus Deformität)

Die meisten Stressfrakturen gehen auf falsches oder übermäßiges Training mit zu hoher Intensität oder zu hohem Umfang zurück. Aber auch eine veränderte Lastverteilung, wie beispielsweise bei einer genetisch bedingten oder erworbenen Verlagerung des Körpergewichts auf die äußeren (lateralen) Mittelfußknochen (Metatarsus adductus Deformität), kann einen Ermüdungsbruch begünstigen. An dieser Stelle ist auch die Insuffizienz des ersten Zehenstrahls mit Lastverlagerung auf den zweiten Zehenstrahl zu nennen. Hierbei kommt es durch die Überlastung des zweiten Strahls häufig zu Stressfrakturen oder Arthrose (Gelenkverschleiß) in diesem Bereich.

Auch stoffwechselbedingte Veränderungen oder andere Grunderkrankungen können die Stabilität der Knochen beeinflussen. So beobachtet man Knochenschädigungen bei Athletinnen mit Menstruationsstörungen oder bei Menschen, die sich einseitig ernähren. Auch Elektrolytstörungen oder ein Vitamin D-Mangel können ausschlaggebend für eine verminderte Knochenqualität sein. Bei diesen Ursachen, die auf andere Grunderkrankungen oder Mangelerscheinungen zurückzuführen sind, spricht man von Insuffizienzfrakturen. Sie sind von den Stressfrakturen abzugrenzen.

Dem Ermüdungsbruch vorbeugen

Eine gesunde Lebensweise kann helfen, Stressfrakturen und Schädigungen der Knochensubstanz vorzubeugen. Wichtig sind vor allem eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalzium. Diese sind für die Knochengesundheit ebenso unentbehrlich wie Sonnenlicht, das den Körper bei der Bildung des für den Kalziumstoffwechsel der Knochen wichtigen Vitamin D unterstützt.

Zudem sollten Sportler darauf achten, ein gesundes Trainingspensum einzuhalten. Belastungsspitzen und abrupte Leistungssteigerungen können einen Ermüdungsbruch begünstigen. Das Training sollte stets auf ebenem Untergrund und mit geeignetem Schuhwerk erfolgen.

Diagnose: Woran erkennt der Fußspezialist eine Stressfraktur?

Bildgebung und klinische Untersuchung

Die Diagnosestellung einer Stressfraktur wird meist von einem erfahrenen Orthopäden oder Fußspezialisten durchgeführt. Vor allem die körperliche Untersuchung und eine ausführliche Anamnese helfen dem Arzt bei der Diagnosefindung. Dazu zählt neben dem Erfragen von Risikofaktoren und Grunderkrankungen eine lokale Tastuntersuchung, die wesentlicher Bestandteil der Verdachtsdiagnose ist. Der Orthopäde untersucht dafür den Zustand von Muskeln, Bändern und Sehnen, um Überlastungsbeschwerden und Schädigungen dieser Strukturen auszuschließen. Zudem achtet er auf Schwellungen, druckschmerzhafte Stellen oder tastbare Knochenverdickungen (Kallus), die durch Strukturveränderungen des Knochens entstehen können.

Nach dieser klinischen Untersuchung wird der Arzt ein bildgebendes Verfahren veranlassen, um die Situation der Knochen, Muskeln und Bänder beurteilen zu können. Die Diagnosesicherung ist dabei nicht immer leicht, da sich Knochenveränderungen durch Stressfrakturen im Anfangsstadium sehr variabel äußern. Röntgenbilder sind häufig nicht aussagekräftig. Meist sind erst zwei bis vier Wochen nach dem Auftreten erster Beschwerden feine Unterbrechungen der Knochenstruktur im Röntgen sichtbar. Erst später können Knochenverdichtungen, Bruchlinien oder Knochenhautreaktionen auftreten. Deshalb muss die Diskrepanz zwischen klinischen Beschwerden und der unauffällige Befund helfen, bereits im Anfangsstadium die richtige Diagnose zu stellen.

Eine Möglichkeit zur frühen Diagnosestellung mittels Bildgebung bietet die Skelettszintigrafie. Für die Untersuchung wird dem Patienten ein radioaktiver Stoff gespritzt, der sich in besonders stoffwechselaktiven Knochenarealen anreichert, wodurch Strukturstörungen sichtbar werden. Allerdings können andere Knochenveränderungen (z. B. Knochentumore) ein ähnliches Bild auslösen, wodurch die Diagnosestellung erschwert wird.

Daher werden zur Diagnose einer Stressfraktur häufig andere bildgebende Verfahren wie die digitale Volumentomografie (DVT), die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.

Stressfraktur (Marschfraktur) des Mittelfußes MRT-Bild des Vorfußes mit Stressfraktur des 2. Mittelfußknochens: In der Frontalansicht im rechten unteren Bild erkennt man anhand der anderen Darstellungsfarbe im Vergleich zu den Nachbarknochen ein deutliches Knochenödem des 2. Mittelfußknochens. Der geschädigte Knochen ist weiß, während die übrigen Knochen im Bild grau dargestellt werden. Auch die Weichteilreaktion um den Knochen ist deutlich sichtbar. Auf allen Bildern ist eine auffällige Bruchstelle in schwarz zu erkennen. © Dr. Schneider

Diagnose von Stressfrakturen des ISG (Iliosakralgelenk) und anderer Gelenke

Ermüdungsbrüche treten in den meisten Fällen im Bereich der unteren Extremitäten auf. Vor allem Schienbein und Ferse neigen bei falscher Belastung häufig zu Stressfrakturen. Aber auch im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG), welches sich zwischen Kreuzbein und Darmbein an der Hüfte befindet, kann es zu belastungsabhängigen Beschwerden kommen. Diese äußern sich allerdings sehr unspezifisch durch dumpfe Schmerzen bei Belastung, weshalb Stressfrakturen des ISG häufig erst spät erkannt oder fehldiagnostiziert werden.Da die digitale Volumentomografie (DVT) nur an den Extremitäten durchgeführt werden kann, sind Computertomografie (CT) und SPECT-CT (Single Photon Emission Computed Tomography) an dieser Stelle Mittel der Wahl.

Die vielversprechendste Möglichkeit zur Erkennung von Stressfrakturen im Bereich der Fußgelenke ist die digitale Volumentomografie (DVT). Das radiologische Verfahren macht Knochen- und Gelenkveränderungen durch die Erstellung von Schnittbildern bereits im Anfangsstadium sichtbar. Häufig entstehen Stressfrakturen am Fuß im Bereich des Innenknöchels mit Beteiligung des Sprunggelenks, wo sie durch die digitale Volumentomografie schon früh nach dem Auftreten erster Symptome erkannt werden können. Im Gegensatz zum MRT-Bild sind für die Diagnosestellung mittels DVT allerdings immer Veränderungen der Knochenstruktur notwendig, um Stressfrakturen sicher diagnostizieren zu können. Das bildgebende Verfahren wird neben der Diagnostik auch zur Operationsplanung eingesetzt.

Stressfraktur der Tibia Stressfraktur des Schienbeins bei einem Sportler (Seitenansicht): In beiden Bildern ist eine deutliche Bruchlinie zu erkennen, links im Röntgenbild, rechts im CT (Computertomografie). Die Stoffwechselstörung aufgrund einer Mangelernährung des Extremsportlers war ebenso ausschlaggebend für die verzögerte Knochenheilung wie die unzureichende Schonung. Das CT wurde erst Wochen nach Beginn der ersten Symptome angefertigt. Die mangelnde Einsicht des Sportlers führte später zu einer Operation und zur kompletten Aufgabe des Sports. © Dr. Thomas Schneider

MRT zur frühen Erkennung einer Stressfraktur

Patienten mit einer Stressfraktur erleben bereits im Anfangsstadium starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Diese Beschwerden stehen im Widerspruch zu den im Röntgen sichtbaren Veränderungen des Knochens. Feine Unterbrechungen der Knochenstruktur sind meist erst nach zwei bis vier Wochen auf dem Röntgenbild erkennbar. In dieser Zeit kann die Schädigung des Knochens aber bereits weiter voranschreiten und die Beschwerden den Patienten in seinem Alltag zunehmend einschränken.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ermöglicht bereits eine frühe und aussagekräftige Diagnose. Mit dem Schichtbild lassen sich Knochenhautreaktionen und Knochenmarködeme darstellen, die einen frühen Hinweis auf eine mögliche Stressfraktur liefern. So bietet das MRT auch einen Vorteil gegenüber der digitalen Volumentomografie, die zwar ebenfalls zur frühen Diagnosestellung eingesetzt wird, aber Veränderungen der Knochenstruktur benötigt, um einen Ermüdungsbruch erkennen zu können.

Differentialdiagnostik – welche Erkrankungen sind abzugrenzen?

Eine Schwächung des Knochens muss nicht immer auf eine Überlastung zurückzuführen sein. Bestimmte Erkrankungen führen ebenfalls zu einer Demineralisierung des Knochens und begünstigen damit Stressfrakturen. Hier sind an erster Stelle Osteoporose und Vitamin D-Stoffwechselstörungen zu nennen, die einen schrittweisen Abbau der Knochensubstanz mit sich bringen. Aber auch chronische Knochenentzündungen, Kompartmentsyndrome (Substanzschädigung durch erhöhten Gewebedruck) oder Arthrose (Gelenkverschleiß) sowie Knochentumoren und -metastasen schädigen den Knochen. Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, tragen ebenfalls ein erhöhtes Risiko einer Knochenschädigung. Eine Erkrankung, die vor allem ältere Menschen befällt, ist der Morbus Paget, der mit einem gesteigertem Knochenabbau verbunden ist. Im Kinder- und Jugendalter kann zudem eine fibröse Dysplasie Auslöser eines Knochenbruchs sein. Die Erkrankung führt – ähnlich wie Knochentumoren – zu einem Fehlwachstum des Knochengewebes, wodurch der Knochen eine faserige Substanz entwickelt und an Härte verliert.

Konservative Therapie der Stressfraktur

Eine konservative Therapie durch Schonung sollte immer die erste Wahl zur Behandlung eines Ermüdungsbruchs sein. Alle Belastungen, die Schmerzen auslösen, sind zu vermeiden. Die Ruhigstellung ist dabei abhängig von der Lokalisation und Ausprägung der Stressfraktur. Liegt eine Stressfraktur im Bereich einer Gelenkfläche vor oder ist ein Gelenk beteiligt, sollte die entsprechende Körperpartie immer entlastet und komplett ruhiggestellt werden, da ansonsten die Gefahr eines Abrutschens von Knochenfragmenten besteht. Die Entlastung kann durch Unterarmgehstützen oder – je nach Lokalisation der Stressfraktur – durch spezielle Entlastungsschuhe bzw. belastungsumverteilende Schuheinlagen mit Stützung des Fußgewölbes erfolgen. Eine komplette Ruhigstellung im Gipsverband ist nicht notwendig. In manchen Fällen können Teilbelastungen – z. B. im Wasser oder beim Radfahren – durchgeführt werden, um dem Patienten ein leichtes Training zu ermöglichen.

Stoffwechselwirksame Behandlungsmöglichkeiten beim Ermüdungsbruch

Um die Stoffwechseltätigkeit im geschädigten Knochen anzukurbeln, können Wärmebehandlungen helfen. Für die Anwendung ist allerdings die Schmerzsituation ausschlaggebend, da durch die Wärme auch die Durchblutung in der betroffenen Körperpartie gesteigert wird, wodurch Schmerzen ausgelöst werden können. Auf den Einsatz von nichtsteroidalen Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen) sollte der Patient nach Möglichkeit verzichten, da der Schmerz als Warnsignal bei Belastungen essentiell ist. In manchen Fällen können Ultraschall, Akupunktur oder Phonophorese (Anwendung von Schallwellen) bei der Behandlung von Stressfrakturen helfen, allerdings fehlt ein gesicherter Wirkungsnachweis.

Stressfraktur der Tibia Röntgenbild zu Beginn der Beschwerden (links) und nach drei Monaten (rechts): Wegen einer dauerhaften Überlastung des Schienbeins (Tibia) ist eine sichtbare Knochenreaktion entstanden. Im rechten Bild erkennt man deutlich die Kallusbildung, eine Verdickung des Knochens als Stressreaktion. Sie entsteht erst Wochen nach dem Auftreten erster Beschwerden, häufig als Zeichen der Heilung einer Substanzschädigung. In einigen Fällen kann eine solche Kallusbildung der einzige Hinweis auf eine Überlastungsreaktion sein. © Dr.Thomas Schneider

Operation einer Stressfraktur

Eine operative Therapie der Stressfraktur ist eine absolute Ausnahme. Meist reicht die konservative Behandlung und Ruhigstellung aus, um die Sportfähigkeit des Patienten wiederherzustellen. Nur in besonderen Fällen wird eine Operation notwendig.

Indikationen für eine Operation:

  • gestörte Knochenheilung (> 6 Monate)
  • Entstehung eines Kallus (Knochenverdickung)
  • Entwicklung von Knochenfragmenten
  • Knocheninstabilität bei vollständigen Brüchen

Operationen sind dann sinnvoll, wenn der Knochen nicht von alleine heilen kann und eine verzögerte Spontanheilung vorliegt. Dies kann beispielsweise bei einer Fraktur im mittleren Bereich des Schienbeins der Fall sein. Um den Knochen zur Heilung zu stimulieren, wird er in einem operativen Eingriff angebohrt.

Eine weitere Komplikation, die im Rahmen eines Ermüdungsbruchs auftreten kann, ist der sogenannte Kallus, eine Verdickung des Knochens als Reaktion auf die Substanzschädigung. Dieser muss in einer Operation entfernt werden. Auch vollständige Brüche, die eine Knocheninstabilität nach sich ziehen, oder Innenknöchelbrüche mit Beteiligung der Gelenkfläche müssen durch Stellungskorrekturen versorgt werden. Liegen Knochenfragmente vor, besteht die Gefahr des Abrutschens. In dem Fall ist eine Osteosynthese notwendig. Dabei setzt der Operateur die Knochenfragmente so zusammen, dass sie nach der Operation in korrigierter Stellung zusammenwachsen können.

Ziel der Operation einer Stressfraktur ist es immer, die Heilung des Knochens in physiologischer Stellung und damit die Belastungsfähigkeit des Knochens zu erreichen. Nach der Stabilisierung des Knochens kann der Patient angepasst frühzeitig mobilisiert werden.

Wie lange dauert die Heilung eines Ermüdungsbruchs?

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung einer Stressfraktur ist die Ruhigstellung der betroffenen Gliedma. Sowohl nach einer konservativen Behandlung als auch nach operativen Eingriffen dauert die Wiederherstellung der Sportfähigkeit etwa 6 Monate. Komplizierte Tibiafrakturen (Schienbeinbruch) benötigen eine etwas längere Heilungszeit von etwa 10 Monaten. Ist der Innenknöchel betroffen, kann die Heilung bereits innerhalb von 4 bis 6 Monaten abgeschlossen sein. Stressfrakturen des Vorfußes heilen meist sogar noch schneller, oftmals bereits innerhalb von 6 bis 8 Wochen. Die konsequente, frühzeitige Behandlung und Entlastung ist hier dringend notwendig. Wird die Belastung zu früh oder zu schnell wieder aufgenommen, sind Rezidive (erneute Frakturen) zu befürchten. Bevor der Patient wieder mit dem Sport anfängt, sollte ein bildgebendes Verfahren zur Sicherung der knöchernen Durchbauung erfolgen.

Komplikationen nach Stressfraktur

Komplizierte Verläufe einer Stressfraktur treten vor allem dann auf, wenn der Patient die notwendige Ruhigstellungszeit nicht einhält und zu früh belastet. Insbesondere im Bereich des Innenknöchels oder am vorderen Schienbein kommt es häufig zu Komplikationen. Liegt eine komplette Fraktur vor, kann es passieren, dass der Knochen nicht richtig ausheilt und eine Pseudarthrose entsteht. Dabei handelt es sich um ein Scheingelenk, das in einem Bereich des Knochens auftritt, in dem normalerweise keine gelenkige Verbindung besteht. Die Pseudarthrose ist meist mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen verbunden.

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