Orthopädische Gelenk-Klinik

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Klinische Untersuchung von Fußschmerzen

Hallux rigidus: Beweglichkeit bei Arthrose des Großzehengelenks erhalten

  1. Was ist ein Hallux rigidus?
  2. Symptome des Hallux rigidus
  3. Wann zum Arzt mit Hallux rigidus?
  4. Ursachen des Hallux rigidus
  5. Diagnose und Untersuchung des Hallux rigidus
  6. Konservative Therapie bei Hallux rigidus
  7. Operation bei Hallux rigidus: Cheilektomie, Prothese, Knorpelersatz oder Versteifung?
  8. Hallux rigidus mit Oberflächenersatz beweglich versorgen: CARTIVA®-Implantat als Knorpelersatz
Literatur zu Hallux rigidus Die operative Versorgung des endgradigen Hallux rigidus war bisher nicht ohne Bewegungseinschränkungen möglich: Die Versteifung des Großzehengrundgelenks (MTP-Gelenk) reduziert dauerhaft die Beweglichkeit der Großzehe. Prothesen waren bisher nicht sehr haltbar. Mit Hilfe einer Hemiprothese in Form eines dauerhaft eingebrachten synthetischen Knorpelersatzes ist eine beweglichkeitserhaltende Versorgung bei Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) möglich. geworden. Die operative Versorgung des endgradigen Hallux rigidus war bisher nicht ohne Bewegungseinschränkungen möglich: Die als Standardbehandlung angesehene Versteifung des Großzehengrundgelenks (MTP-Gelenk) reduziert dauerhaft die Beweglichkeit der Großzehe. Prothesen waren bisher nicht sehr haltbar. Mit Hilfe einer Hemiprothese in Form eines dauerhaft eingebrachten synthetischen Knorpelersatzes ist nun eine beweglichkeitserhaltende Versorgung bei Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) möglich. © Cartiva Inc.

Was ist ein Hallux rigidus? Arthrose des Großzehengrundgelenks

Hallux rigidus ist eine degenerative Gelenkerkrankung (Arthrose) am Grundgelenk der großen Zehe. Der Knorpel in diesem Großzehengrundgelenk nutzt sich bei Hallux rigidus also zunehmend ab. Die arthrosetypischen Gelenkveränderungen treten auf: Gelenkspaltverengung, Osteophyten, Knorpelabrieb, Entzündung des Großzehengrundgelenks. Symptome sind Fußschmerzen bei der Abrollbewegung des Fußes und zunehmende Steifheit des Großzehengrundgelenks. Daher kommt auch der Name: Hallux rigidus (lat. rigidus = steif, unbeweglich). Die Behandlung des Hallux rigidus wird vorwiegend mit Hilfe von Schmerzmedikamenten und Fußgymnastik, aber auch mit Hilfe von Einlagen durchgeführt. In einem sehr späten Stadium des Hallux rigidus kann häufig nur noch eine Operation helfen. Häufig ist die operative Versteifung (Arthrodese) des Großzehengelenks das letzte Mittel bei Hallux rigidus. Die Versteifung therapiert den Arthroseschmerz zuverlässig, reduziert aber auch die Beweglichkeit der Großzehe. Das ist nicht für alle Patienten das richtige Beandlungsziel: Vor allem Frauen, die hohe Absätze tragen wollen, erreichen mit der Versteifung ihr Therapziel häufig nicht. Zunehmend können wir den Hallux rigidus auch nach vollständigem Knorpelverschleiß beweglich versorgen: Die Operation der elastischen Oberflächenersatzprothese. Mit Hilfe eines operativ befestigten synthetischen Knorpelersatzes aus einem haltbaren, körperverträglichen Biomaterial, kann das MTP Gelenk beweglich versorgt werden.

Anatomische Abbildung des Fußes mit dem Großzehengrundgelenk von oben. Deutlich sichtbar sind die ausgezogenen Ränder des Gelenks (Osteophyten oder Knochensporne), die aneinanderstossen und die freie Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks verhindern. Unter dem Großzehengrundgelenk sieht man angedeutet die für die Gelenkführung durch die Sehnen wichtigen Sesambeine rechts und links des 1. Zehenstrahls (OS metatarsale) © FH-Orthopaedics Anatomische Abbildung des Fußes mit dem Großzehengrundgelenk von oben. Deutlich sichtbar sind die ausgezogenen Ränder des Gelenks (Osteophyten oder Knochensporne), die im Gelenk aneinanderstossen und die freie Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks verhindern. Unter dem Großzehengrundgelenkl sieht man angedeutet die für die Gelenkführung durch die Sehnen wichtigen Sesambeine rechts und links des 1. Zehenstrahls (OS metatarsale) © FH-Orthopaedics
 
Wichtige Begriffe in diesem Artikel kurz erklärt:

"Hallux": Zehe
"rigidus": steif, unbeweglich
"Metatarsophalangealgelenk" (Abkürzung: "MTP-Gelenk"): Gelenk zwischen dem Mittelfußknochen des 1. Zehenstrahls und der Großen Zehe
"Articulatio metatarsophalangeales": lat. für Großzehengrundgelenk
"MTP-Prothese": Prothese des Großzehengrundgelenks
"Cheilektomie": Gelenkerhaltende, arthroskopische Operation eines Großzehengrundgelenks mit beginnender Arthrose

Anatomie des Großzehengrundgelenks Das Großzehengrundgelenk ist ein Kugelgelenk, ähnlich wie das wesentlich größere Hüftgelenk. Es wird durch eine Reihe von Bändern (gelb eingezeichnet) sowie die Gelenkkapsel geführt und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Das Großzehengrundgelenk oder Metatarsophalangealgelenk (kurz: MTP-Gelenk) ist nach oben mit bis zu 50 ° und nach unten mit bis zu 40° sehr beweglich. Seitlich ist die Beweglichkeit durch Bänder und die Gelenkkapsel stark eingeschränkt. Bei Patienten mittleren Alters, häufiger bei Frauen, beobachtet man zunehmend eine schmerzhafte Arthrose des MTP-Gelenks (Hallux rigidus) © Dr. Thomas Schneider

Symptome des Hallux rigidus: Anzeichen für eine Arthrose im Großzehengrundgelenk

Leitsymptom des Hallux rigidus ist stechender Schmerz im Großzehengrundgelenk, vor allem beim Gehen. Dazu kommt die zunehmende Einsteifung, also der Verlust der Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks.

Eine Arthrose des Großzehengrundgelenks beginnt meist symptomlos. Der Hallux rigidus wird erst im späteren Verlauf schmerzhaft. Der Schmerz tritt vor allem bei und nach Belastung auf, und lässt in Ruhe wieder nach.

Der Hallux rigidus führt auch zu einer Störung des Gangbildes und der normalen Abrollbewegung beim Gehen. Das Großzehengrundgelenk wird besonders bei der Abrollbewegung über die Großzehe mit dem gesamten Körpergewicht belastet. Der Gangzyklus hat verschiedene Phasen: Hier ist besonders die letzte Phase, sog. "Push-off" Phase, schmerzhaft. Daher verändern sich bei Halux rigidus durch Gewichtsverlagerung Gangbild und Schrittlänge.

Je stärker die Belastung, um so größer die Schmerzen.

Daher verstärkt das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen die Zehenschmerzen deutlich.

Durch die schmerzhaften Einschränkungen beim Gehen oder Laufen geht die Sportfähigkeit der Patienten mit Hallux rigidus spürbar zurück.

Die Knochensporne (Osteophyten), die durch Hallux rigidus in der Umgebung des Gelenks entstehen, können auch zu Nerveneinklemmungen führen. Taubheit und Gefühlsstörungen der Großen Zehe, vor allem an der innenliegenden Seite, können die Folge sein.

Je nach betroffenem Gelenkabschnitt des Großzehengrundgelenkes sind unterschiedliche Schmerzlokalisationen möglich. Die Schmerzen können mehr an der Fußsohle, aber auch Schmerzen am oberen Teil des Gelenkes (fußrückenseitig) oder auch innen oder außen am Gelenk auslösen. Ausgelöst werden diese Schmerzen durch mechanisch störende Weichteile oder reibungsbedingte Knochenanbauten. Hier können auch freie Knochenanteile bzw. freie Gelenkkörper ("loose bodies") die Beschwerden beeinflussen.

Entzündlich aktivierte Arthrose bei Hallux rigidus

Auf Grund der aktivierten Arthrose kann das Großzehengrundgelenk auch schmerzhaft geschwollen und überwärmt sein. Dann ist es besonders empfindlich und hochgradig druckschmerzhaft. Diese Entzündung wird durch eine Immunreaktion auf den Abrieb im Milieu des Gelenks in der Gelenkkapsel ausgelöst. Es ist besonders wichtig, diese Entzündung schnell zu regulieren, weil das entzündete Milieu stark knorpelerweichend wirkt, und die Arthrose beschleunigt. Man muß die Schwellung des Großzehengelenks wegen aktivierter Arthrose unterscheiden von einer Schleimbeutelentzünung (Buristis) der Großzehe, Gicht oder Rheuma.

Wie ändert sich das Gangbild bei Hallux rigidus?

Um der Schmerzreaktion beim Auftreten auf dem Vorfuß und beim Abrollen des Fußes zu entgehen, versucht der Mensch unbewusst die Belastung auf diesem Gelenk zu reduzieren. Ein Abrollen beim Gehen über den Fußaußenrand ist die oft langjährige Folge der Erkrankung. Dies macht die Situation nicht besser. Durch diese Ausweichbewegung wird die Belastung der Beinachse und die sog. funktionelle Kette der Muskeln, Sehnen, Bänder und auch Faszien dauerhaft umtrainiert und dadurch verändert. Durch das veränderte Gangbild können langfristig weitere strukturelle Störungen an Fuß und Unterschenkel auftreten.

Wann zum Arzt mit Hallux rigidus?

Welche Symptome einer Arthrose des Großzehens sollte der Patient möglichst früh ärztlich abklären?

  • Stechende Beschwerden beim Abrollen, die der Patient immer wiederkehrend bekommt.
  • Beschwerden unter dem Ballen des Großzehs besonders beim Sportler oder bem Wandern nach langen Märschen.
  • Patienten mit einem deutlichen Knick-Senkfuß sollten die frühen Zeichen der Arthrose besonders ernst nehmen und sich ärztlich vorstellen.
  • Sind Einschränkungen beim Zehenstand vorhanden, ist eine Abklärung dringlich.
  • Die im Rahmen der Arthrose entstehende verminderte Beweglichkeit der Großzehe sollten Sie ebenfalls zeitnah abklären.

Was sind die Ursachen der Arthrose des Großzehengelenks?

Wie bei jeder anderen Arthrose auch, ist es häufig nicht einfach, die Ursache eines Hallux rigidus im Einzelfall eindeutig zu erklären.

Die Arthrose des Großzehengrundgelenks ist aber der Endpunkt eines jahrelangen Verschleißprozesses der Gelenkflächen, der typischerweise mit Überlastung oder einer Verletzung des MTP-Gelenks beginnt. Ein Anstossen des Großzehs, eine Fraktur oder jahrelange Überlastung, z.B. durch Sport, oder durch das Gehen in Schuhen mit hohen Absätzen, kann zu Verletzungen der Knorpelschicht im Großzehengelenk führen.

Die Arthrose als Verschleißerkrankung ist offenkundig altersabhängig: Jüngere Patienten können gelegentlich betroffen sein, die meisten Patienten mit Hallux rigidus sind aber schon über 50 Jahre alt. Bei manchen Patienten tritt der Hallux rigidus schon in jungen Jahren auf: Häufig ist eine anlagebedingte Knorpelschwäche die Ursache.

Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, Diabetes oder rheumatische Beschwerden können den Gelenkverschleiß im Großzehengelenk beschleunigen.

Ein weiterer Risikofaktor, der den Verschleiß des Großzehengelenks fördern kann, ist die Fehlbelastungen des Rückfußes durch Knickfußstellung.

Auch eine Fehlstellung der Fußknochen, z.B. eine Fehlstellung des Metatarsale 1 (sog. Elevation des 1. Zehenstrahls) kann zu einer Überlastung des Metarasalgelenks führen.

Eine anlagebedinge (erbliche) Überlänge des 1. Mittelfußknochens oder ein veränderte Form des Metatarsalköpfchens, kann ebenfalls zum frühen Verschleiß des Großzehengelenks führen.

Die klinische Untersuchung der Lokalisation des Fußschmerzes ist für die Diagnose des Hallux rigidus von entscheidender Bedeutung. Es gibt zahlreiche andere Ursachen für Vorfußschmerz, die Schleimbeutel, Nerven oder Stoffwechsel betreffen.  Die klinische Untersuchung der Lokalisation des Fußschmerzes durch den Fußspezialisten ist für die Diagnose des Hallux rigidus von entscheindender Bedeutung. Es gibt zahlreiche andere Ursachen für Vorfußschmerz, die Schleimbeutel, Nerven oder Stoffwechsel betreffen. © Gelenk-Klinik

Wie untersucht der Arzt den Hallux rigidus?

Die klinische Diagnostik ist der wesentliche Diagnoseschritt: Das beinhaltet das Patientengespräch und die manuelle Untersuchung von Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit der Großzehe. Die Angaben des Patienten sind in jedem Fall der Grundstein der Diagnostik. Häufig werden arthrosetypische Beschwerden von Betroffenen selbst sehr eindeutig geschildert: Anlaufschmerzen am Morgen und stechende Belastungsschmerzen im Großzehengrundgelenk vor allem bei längerem Gehen oder in bestimmten Schuhen.

Dabei ist es für den untersuchenden Arzt sehr wichtig, den genauen Schmerzort im Großzehengrundgelenk genau festzustellen. Wenn die Vorfußschmerzen sich über die gesamte Großzehe oder den Zehenballen ausbreiten, können andere Schmerzursachen vorliegen, z.B. Schleimbeutelentzündung, die nicht durch ein Therapie des Hallux rigidus therapierbar sind.

Stadien-Einteilung des Hallux rigidus

Der Grad der Arthrose im Großzehengrundgelenk wird in der klinischen Diagnostik vier Stufen eingeteilt:

Grad 0: Der Grad 0 bezeichnet ein gesundes MTP-Gelenk, das - ohne Bewegungseinschränkungen - ein Abknicken des Großzehens nach oben in einem Bewegungsradius von 40° bis 60° erlaubt. In diesem Stadium ist das Großzehengrundgelenk frei von Schmerzen. Es ist im Röntgenbild unauffällig. Der Gelenkspalt ist ausgeprägt sichtbar.

Grad 1: Bei eine Hallux rigidus Grad 1 beträgt die Beweglichkeit des MTP-Gelenks noch bis zu 30° nach oben. Der Gelenkspalt ist im Röntgenbild schon etwas verschmälert. Das Röntgenbild zeigt erste Knochenanbauten (Osteophyten) oben auf dem Gelenk. Das Gelenk ist empfindlich und weist wenigstens gelegentlich Belastungschmerzen und Einsteifung des Gelenks auf.

Grad 2: Bei Hallux rigidus Grad 2 ist das MTP Gelenk nur noch maximal 30° nach oben oder unten zu beugen. Osteophyten treten inzwischen nicht nur oben (dorsal) sondern auch innen und außen am MTP-Gelenk auf. Der Gelenkspalt ist im Röntgenbild schon deutlich verschmälert. Die Sesambeinchen (Sesamoid-Knochen) sind noch frei und unbeteiligt am Arthroseprozess. Der Kopf des Metatarsalknochens ist wegen der Knochenanbauten abgeflacht. In diesem Stadium kann der Hallux rugidus noch konservativ durch Entlastung des Vorfußes mit Hilfe von Schuhsohlenversteifungen behandelt werden. Es ist in diesem Stadium auch möglich, durch gelenkerhaltende Arthroskopie (Cheilektomie) den Arthroseprozess zu verlangsamen oder ganz zu stoppen.

Grad 3: Bei Hallux rigidus Grad 3 ist das MTP-Gelenk nur noch 10° nach oben oder unten beweglich. Der Knochen weist erste Veränderungen auf und bildet im Röntgen sichtbare Flüssigkeitseinschlüsse (Cysten) unter der Gelenkfläche. Der Gelenkspalt ist auf Grund des Knorpelabriebs stark verschmälert. Bei starker Beugung des Zehens treten stechende Schmerzen auf. Im mittleren Bereich ist das MTP-Gelenk noch schmerzfrei. Ab dem Stadium 3 des Hallux rigidus kann des Großzehengelenk nur noch durch Versteifung (Arthrodese) oder durch eine gangbilderhaltende Prothese operativ behandelt werden.

Grad 4: Bei Grad 4 sind die radiologischen Befunde ähnlich wie bei Grad 3, aber ausgeprägter. Lediglich die schmerzfreie Zone im mittleren Bewegungsbereich ist nicht mehr vorhanden. Das MTP-Gelenk ist daher immer schmerzhaft und gar nicht mehr belastbar. Die Sesamknochen sind stark verändert.

Bildgebende Untersuchung des Hallux rigidus

Röntgenaufnahme eines Hallux rigidus 3. Grades von oben. Deutlich sichtbar ist der schmale Gelenkspalt sowie die ausgezogenen Ränder des Gelenks (Osteophyten). Röntgenaufnahme eines Hallux rigidus 3. Grades von oben. Deutlich sichtbar ist der schmale Gelenkspalt sowie die ausgezogenen Ränder des Gelenks (Osteophyten). Im Unterschied zum Großzehen sieht man an den anderen Zehen einen deutlich ausgeprägten Gelenkspalt im Zehengrundgelenk. Dort ist die Knorpelschicht also noch intakt. Als weisse Schatten sieht man die Sesambeine rechts und links der Großzehe: Sie sind an der Führung der Sehnen beteiligt und müssen bei einer beweglichen Versorgung immer intakt sein. © Gelenk-Klinik

Da die Arthrose einen Verschleiß des Knorpelüberzugs der Gelenkflächen verursacht, kann mittels bildgebender Verfahren eine Verengung des Gelenkspaltes nachgewiesen werden. Hier ist ein Röntgenbild in zwei Ebenen meistens schon zielführend. In Ausnahmefällen kann auch eine CT-Untersuchung (Computertomographie) oder eine DVT-Aufnahme (digitale Volumentomographie) als hochauflösende Schnittbilduntersuchung durchgeführt werden.

Zur besseren Beurteilung der Weichteilsituation am Großzehengelenk kann auch ein MRT (Magnetresonanztomographie) empfohlen werden: Das MRT kann eine detaillierte Knorpelanalyse durchführen. Es zeigt auch die Veränderungen in den dem MTP-Gelenk benachbarter Knochen: Hier können schmerzhafte Wassereinlagerungen (Ödeme) infolge der Knorpelschäden entstehen.

Differentialdiagnosen des Hallux rigidus

Durch die Ultraschalluntersuchung können bereits bei der Erstvorstellung in der Sprechstunde entzündliche Prozesse an hautnahen Strukturen wie zum Beispiel Bursitis (Schleimbeutelentzündung) als Ursachen des Vorfußschmerzes ausgeschlossen werden.

Arthroskopie der Großzehe

Falls die Bildgebung in den Aussagen nicht eindeutig ist, kann zusätzlich eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) Sicherheit schaffen. Dabei werden die Gelenkflächen mit einer Winkeloptik direkt begutachtet. Die Belastungsverhältnisse unter Bewegung - also beim Gehen - können zudem dynamisch im Rahmen einer Podometrie dargestellt werden. Typische Ausweichbewegungen als Folge des Großzehenschmerzes werden mit Hilfe der Podometrie eindeutig sichtbar gemacht.

Labordiagnostik

Zu den wichtigsten Ursachen von Großzehenschmerzen gehören neben Trauma und Arthrose des Großzehengelenks entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht. Durch eine Blutuntersuchung im Labor können diese Ursachen abgeklärt werden.

Am Großzehengrundgelenk sind die Stoffwechselparameter für Harnsäure besonders wichtig. Denn durch die besondere Lage des Gelenkes sammeln sich entzündungsauslösende Harnsäurekristalle hier besonders häufig. Die durch Gicht oder Rheuma verursachten stechenden Schmerzen am Großzehengelenk könne leicht mit einem Halllux rigidus verwechselt werden.

Andererseits können Gicht und Rheuma auch den Knorpelverschleiß und damit die Entstehung der Großzehengrundgelenksarthrose beschleunigen.

Konservative Therapie des hallux rigidus

Wesentlich für den Umgang mit hallux rigidus ist eine Verhaltensanpassung: Belastungen, die harte Stöße auf das Gelenk bringen (Fußball spielen, Landungen nach Sprung auf dem Fußballen, starker Abdruck bei Sprüngen) sollten vermieden werden. Durch diese Einschränkungen wird natürlich die Sportfähigkeit der Patienten deutlich vermindert.

Auch das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen belastet den Vorfuß und das Großzehengrundgelenk ganz besonders, und sollte vermnieden werden.

Schmerztherapie

Als Schmerztherapie werden nichtsteoridale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac als Tabletten eingesetzt. Diese NSAR reduzieren nicht nur die Schmerzen, sondern auch die schmerzauslösenden Entzündungen auf Grund entzündlich aktivierter im Großzehengelenk.

Durch Spezialschuhe mit versteiften Sohlen am Vorfuß oder mit Hilfe von Schuheinlagen kann die Beugung des Großzehengundgelenks reduziert werden. Das Gehen wird durch die reduzierte Belastung der Großzehe schmerzfreier.

Injektionen und Infiltrationstherapie

Manchmal ist das Großzehengrundgelenk so schmerzhaft, dass eine physiotherapeutische Behandlung nicht eingeleitet wreden kann. In diesen Fällen kann eine Injektion mit Betäubungsmitteln und entzündungshemmendem Kortison helfen, die Großzehe wieder belastbarer und beweglicher zu machen, so dass Physiotherapie mit Hilfe von kräftigenden Übungen überhaupt eingeleitet werden kann.

Ausgleich von Fehlstellungen des Rückfußes mit Einlagen

Ein Knick-Senkfuß verstärkt die Belastung des Großzehengelenks. So müssen Fehlstellungen am Rückfuß durch das Fußlängsgewölbe unterstützende Einlagen korrigiert werden. Zusätzlich gibt es Übungen zur Korrektur der Fersenstellung bei Knick-Senkfuß.

Stoffwechsel

Wenn die Einlagerung von Harnsäurekristallen die Arthrose im Großzehengelenk auslöst, kann auch die Behandlung von Harnsäurewerten im Blut wichtiger Bestandteil der Hallux rigidus Therapie sein.

Operation des Hallux rigidus

Arthrose des Großzehengrundgelenks, ist, wie jede andere Form der Arthrose auch, nicht heilbar, sondern kann als chronische Erkrankung nur in ihrem Verlauf gemildert werden. Ab einem bestimmten Grad der Knorpelabnützung können konservative Therapien des Großzehengrundgelenks den Schmerz nicht mehr ausreichend beeinflussen. Dann kann häufig nur noch eine Operation die schmerzfreie Belastbarkeit des Großzehengelenks wiederherstellen. Häufig geht diese Stabilisierung des Gelenks auf Kosten der Beweglichkeit, weil es dabei versteift wird.

Wann ist die operative Versorgung des Hallux rigidus möglich?

Die erfolgreiche Versorgung - entweder gelenkerhaltend oder mit Implantat bzw. als Versteifung - hat einige Voraussetzungen, die bei der Planung einer Operation der Großzehe stets durch eine eingehende Untersuchung abgeklärt werden:

  • Der 1. Zehenstrahl, der das MTP-Gelenk bildet, sollte gerade ausgerichtet sein, also keine Fehlstellung aufweisen.
  • Die Haut über der Zehe sollte beweglich verschiebbar und gut durchblutet, sowie frei von Infektionen sein.
  • Der Knochen sollte stabil und von guter Knochendichte sein, um die Befestigung eines Implantates zu ermöglichen.
  • Das MTP-Gelenk sollte keine schwere Fehlstellung, etwa Hallux valgus aufweisen.
  • Die Sehnen sollten in der Lage sein, die Großzehe stabil zu führen.
  • Falls Diabetes vorliegt, sollte diese gut eingestellt sein, um Komplikationen der Wundheilung nach der Operation zu vermeiden.
  • Fußwurzelarthrose ( Arthrose der tarsometatarsalen Gelenke) darf nicht vorliegen.

Es gibt Umstände, die die operative Versorgung erschweren, aber nicht unter allen Umständen verhindern (relative Kontraindikationen):

  • Arthrose der Sesambeine
  • Fehlstellung durch Anhebung des 1. Zehenstrahls (Hallux elevatus)

Gelenkerhaltende Korrektur der Mittelfußknochen (Phalangeale Osteotomie)

In einem frühen Stadium des Hallux rigidus können wir durch eine Stellungskorrektur durch Osteotomie des Mittelfußknochens das Großzehengrundgelenk entlasten. Das Fortschreiten der Arthrose wird durch die operative Entlastung des MTP-Gelenks eingedämmt.

Gelenkerhaltende Operation des Großzehengrundgelenks: Cheilektomie

Die Cheilektomie ist eine manchmal minimalinvasiv, häufig aber wegen der besseren Übersicht über das Großzehengrundgelenk als offen durchgeführte Operation.

Ziel der Cheilektomie ist die Glättung der Gelenkflächen. Zusätzlich dient dei Chielektomie Beseitigung von Knochenspornen (Osteophyten). Das Großzehengrundgelenk soll wieder schmerzfrei und vor allem nach oben (Dorsalextension) beweglich gemacht werden, um eine normale Abrollbewegung des Fußes zu ermöglichen.

Um diese verbesserte Beweglichkeit zu erreichen, wird häufig das oben (dorsal) gelegene Drittel der Gelenkfläche ganz entfernt, um dem Großzehengrungelenk trotz Knorpelverlust wieder eine bessere Beugung zu ermöglichen.

Die Cheilektomie erfordert einen operativen Einschnitt über dem Großzehengrundgelenk, durch den die Operationsgeräte eingeführt werden.

Mit Hilfe einer Cheilektomie kann, wenn der Eingriff früh genug erfolgt, der Hallux rigidus, also die Einsteifung des Großzehengelenks, deutlich verbesert werden. Die Cheilektomie ist um so erfolgreicher, je früher sie zum Einsatz kommt, und je ausgeprägter die Knorpelreserven im Großzehengelenk noch sind.

Durch den zunehmenden Knorpelverschleiß ist der Abstand der Gelenkpartner im Großzehengrundgelenk deutlich reduziert. Bei der normalen Bewegung der Großzehe stoßen die Gelenkpartner direkt aneinander. Typischerweise bilden sich an den Gelenkrändern dadurch Osteophyten (Knochensporne), die den Knorpelabrieb beschleunigen und die arthrosetypische, zunehmende Abnützung des Gelenkknorpels beschleunigen.

Es gibt einen eindeutigen Nachteil der Entfernung des oberen Gelenkflächendrittels bei der Cheilektomie: Danach kann eine Vollprothese oder Teilprothese (Hemiprothese) des Großzehengrundgelenks nicht mehr verankert werden kann. Mit der Durchführung der Cheilektomie legt man sich also fest auf die Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks als einziger operativer Rückzugsmöglichkeit bei fortschreitender Arthrose. Eine beweglichkeitserhaltende Versorgung des Großzehengelenks mit einem Implantat ist nach einer Cheilektomie also ausgeschlossen. Angesichts der guten Ergebnisse der dadurch ausgeschlossenen Versorgung des Hallux rigidus vor allem mit einer elastischen Hemiprothese des Großzehengrundgelenks mit dem knorpelähnlichen PVA (Polyvinylakohol)-Implantat sollte dieser Schritt also gut überlegt werden.

Total-Endoprothese des Großzehengrundgelenks

Röntgenaufnahme eines ner MTP-TEP (Prothese des Großzehenrundgelenks) von oben. In Reihenuntersuchungen waren 35% der MTP-Prothesen schon nach 2 Jahren gelockert. Eine knochensparende Konversion der MTP-TEP zur einer Arthrodese ist nicht möglich, weil für die Verankerung der Prothese die Knochen des 1. Zehenstrahls und der Großzehe ausgehöhlt werden müssen. Röntgenaufnahme eines ner MTP-TEP (Prothese des Großzehenrundgelenks) von oben. In Reihenuntersuchungen waren 35% der MTP-Prothesen schon nach 2 Jahren gelockert. Eine knochensparende Konversion der MTP-TEP zur einer Arthrodese ist nicht möglich, weil für die Verankerung der Prothese die Knochen des 1. Zehenstrahls und der Großzehe ausgehöhlt werden müssen. Daher mepfeheln wir die Totalendoprothese nur Patienten, die bei guter Knochendichte einen geringen Bewegungsumfang und geringe Ansprüche an die Belastbarkeit der Endoprothese haben. © Gelenk-Klinik

Es gibt auch schon seit geraumer Zeit Vollprothesen des Großzehengrundgelenks. Sie sollen nach Arthrose des Großzehengrundgelenks die schmerzfreie Beweglichkeit der Gelenkpartner wieder herstellen. Sie funktionieren ähnlich wie Endoprothesen im Kniegelenk oder Hüftendoprothesen: Ein Gelenkpartner wird durch einen implantierten, in den Markraum des Röhrenknochens verankerten Metallkopf ersetzt, der andere wird durch einen Polyethylengleitpartner bedeckt.

Eine lebenslange Versorgung der Arthrose ist aber - anders als durch die Versteifung - durch die Prothese des Großzehengrundgelenks nicht zu erwarten. In kontrollierten Studien waren nach zwei Jahren schon 35% aller MTP-Prothesen (Gibson, Foot & Ankle International 2005). Beim operativen Auswechseln einer Endoprothese im MTP Gelenk muss zudem ein großer Teil des Knochens abgetragen oder ausgehölt werden, der für die Befestigung der MTP-Totalendoprothese verwendet wurde. Daher ist die Vollprothese auch keine knochensparende Versorgung. Wenn sich die Prothese löst, gibt es außer der durch Knochenverlust erschwerten Versteifung keine operative Rückzugsmöglichkeit. Daher hat sich die Versorgung des Hallux rigidus mit einer Endoprothese noch nicht durchgesetzt.

Neben der Vollprothese findet auch die Teilprothese (Hemiarthroplastie) des Großzehengrundgelenks zunehmend Verbreitung. Bei der Teilprothese des Großzehengrundgelenks ersetzen wir nur eine Gelenkfläche. Auch die Teilprothese des MTP-Gelenks hat sich nicht durchgesetzt. Verschiedene Materialien wurden ausprobiert, die an anderen Gelenken Teil einer erfolgreichen Endoprothesenversorgung gehören: Keramik, Cobalt-Chrom, Titan. Keines der Modelle konnte bisher zu einer dauerhaften Versorgung des Hallux rigidus beitragen.

Die Vollprothese des MTP-Gelenks hat sich als Versorgung daher bisher nicht durchgesetzt. Zu den den mit der Prothese des Zehengrundgelenks verbunden Problemen gehört:

  • Frühzeitige Lockerung des Implantates
  • Osteolyse (Auflösung des Knochens als Folge einer aseptischen Entzündungsreaktion auf den Plastikabrieb der PET-Komponente der Prothese (PET=Polyethylen)
  • Versteifung der Vollprothese und reduzierte Beweglichkeit
  • Überwachsen des Implantates mit Knochenspornen und dadurch erfolgende schmerzhafte Versteifung der MTP-TEP

Wir empfehlen die MTP-Prothese daher vor allem Patienten mit einem geringen Bewegungsumfang und geringen Ansprüchen an die Belastbarkeit.

Mit der im Folgenden dargestellten Teilprothese des Großzehengrundgelenks durch ein Oberflächenersatzimplantat aus elatischem, knorpelähnlichem Hydrogel-Material, sehen wir bessere Beweglichkeiten nach Implantatversorgung und eine deutlich bessere Haltbarkeit, als mit Metallprothesen.

Versteifung (Arthrodese) des Großzehengrundgelenks bei Hallux rigidus

Schematische Abbildung einer Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks nach Hallux rigidus mit Hilfe eines über dem Gelenk (dorsal) fest im Knochen verschraubten Implantat. Das Gelenk wird innerhalb der ersten 8-12 Wochen nach der Versteifung vollständig knöchern durchbaut und damit dauerhaft unbeweglich. Der Bewegungsspielraum des Großzehengrundgelenk ist damit für immer eingeschränkt. Schematische Abbildung einer Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks nach Hallux rigidus mit Hilfe eines über dem Gelenk (dorsal) fest im Knochen verschraubten Implantats. Das Gelenk wird innerhalb der ersten 8-12 Wochen nach der Versteifung vollständig knöchern durchbaut und damit dauerhaft unbeweglich. Der Bewegungsspielraum des Großzehengrundgelenk ist damit für immer eingeschränkt. © Cartiva Inc.

Bei stark ausgeprägtem Hallux rigidus ist bisher stets die Versteifung (Arthrodese) der Gelenkpartner im Großzehengrundgelenk das Mittel der Wahl, um Sportfähigkeit und Belastbarkeit dauerhaft wieder herzustellen. Dabei ist die nachhaltige Beseitigung der mit Halux rigidus verbunden Schmerzen eine der Stärken der Versteifung. Das danach stark reduzierte Bewegungsausmaß ist für viele akzeptabel, wird aber nicht allen Patienten gerecht.

Sportarten wie Laufsport, Joggen oder Fußball sind mit Versteifung des Hallux rigidus zwar problemlos möglich. Die in der Großzehe durch Versteifung verloren gegangene Beweglichkeit muss aber vom Fußwurzelgelenk des 1. Zehenstrahls ausgeglichen werden, was dort zu einer erhöhten Belastung mit dem Risiko der Begleitarthrose führt.

Bei der Arthrodese des Großzehengrundgelenks werden die beiden Gelenkpartner nach Reinigung der Gelenkflächen miteinander operativ durch Schrauben verbunden und verwachsen miteinander. Der postoperative Heilungsprozess, während der die knöcherne Durchbauung des Großzehengelenks statt findet, dauert bis zu drei Monate. Dieser Prozess muss engmaschig durch Röntgen oder DVT (Digitale Volumentomografie) überwacht werden.

Die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks wird durch die Arthrodese dauerhaft aufgehoben. Die Aussichten auf eine schmerzfreie, stabile und sportfähige Versorgung durch die Arthrodese sind sehr gut. Auch Aktivitäten wie Joggen, Fußballspielen oder Wandern sind nach der operativen Fusion der Knochen wieder schmerzfrei möglich.

Die Arthrodese des Großzehengelenks ist eine sehr zuverlässige Versorgung. Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann meist wegen einer unvollständigen Knochenheilung in der Fusionsstelle. Man nennt das Ausbleiben der knöchernen Durchbauung auch Pseudarthrose (Bildung eines "falschen" Gelenks). Die Pseudarthrose ist sehr schmerzhaft. Das Therapieziel eines schmerzfreien MTP-Gelenks wird miteiner Pseudarthrose also nicht erreicht. Die Versteifungsoperation muß dann wiederholt ("revidiert") werden.

Daher wird nach einer Arthrodese die Knochenfusion regelmässig mit Hilfe einer Röntgen oder DVT-Aufnahme des Fußes geprüft.

Die Pseudarthrose nach Arthrodese tritt glücklicherweise ziemlich selten, in etwa 5% aller Fälle, auf. In lang angelegten Studien berichteten alle Patienten, bei denen keine schmerzhafte Pseudarthrose auftrat, von einem guten oder sehr guten langfristigen Operationsergebnis. Die Zeit, die für eine vollständige Verknöcherung des MTP-Gelenks erforderlich war, lag zwischen 8 - 15 Wochen nach Arthrodese. So lange muss der Vorfuß mit einem speziellen Entlastungsschuh geschützt werden.

Eine starke Bewegung der Großzehe ist dann nicht mehr möglich.

Daher ist auch die Versorgung von Frauen, die gerne wieder Schuhe mit hohen Absätzen tragen würden, mittels der Arthrodese schwierig: Die für das Tragen hoher Schuhe erforderliche Beweglichkeit der Großzehe ist nicht mehr erreichbar. Wenn der Patient von den Möglichkeiten der Versteifung bei Hallux rigidus abweichende Ansprüche hat, sind beweglichkeitserhaltende Versorgungen durch Gelenkersatz (Prothese) oder Knorpelersatz des Hallux rigidus eher geeignet.

Hallux rigidus beweglich versorgen: CARTIVA®-Implantat als synthetischer Knorpelersatz

Röntgenaufnahme eines CARTIVA-Implantates in der Großzehe. das Implantat wird im 1. Zehenstrahl verankert. Die konvexe Oberfläche der aus Polivinylakohol bestehenden Überflächenersatzprothese des MTP-Gelenks steht 1-1,5 mm über den Knochen hinaus in den Gelenkspalt und sorgt als synthetischer Knorpelersatz für Pufferung und Gleitfähigkeit. In anderen Gelenken haben CARTIVA-Knorpelerstazimplantate schon Standzeiten von über 8 Jahren ohne Funktionsverlust gezeigt. Sollte doch eine Revision notwendig werden, ist aufgrund der knochensparenden Versorgung jederzeit eine Versteifung  als operativer Rückzug bei einem möglichen Versagen des Oberflächenersatzes möglich. © Gelenk-Klinik Röntgenaufnahme eines CARTIVA-Implantates in der Großzehe. Das Implantat wird im 1. Zehenstrahl verankert. Die konvexe Oberfläche der aus wasserbindendem Polyvinylakohol (PVA) bestehenden Überflächenersatzprothese des MTP-Gelenks steht 1-1,5 mm über den Knochen hinaus in den Gelenkspalt und sorgt als synthetischer Knorpelersatz für Pufferung und Gleitfähigkeit. In anderen Gelenken haben CARTIVA-Knorpelerstazimplantate schon Standzeiten von über 8 Jahren ohne Funktionsverlust gezeigt. Sollte doch eine Revision notwendig werden, ist aufgrund der knochensparenden Versorgung jederzeit eine Versteifung als operativer Rückzug bei einem möglichen Versagen des Oberflächenersatzes möglich. © Cartiva Inc.

Die Versteifung des Großzehengrundgelenks war lange Zeit der Goldstandard der Versorgung. Der Nachteil bei der Versteifung ist die unbewegliche Situation im Großzehen-Gelenk, die viele Patienten, vor allem Patientinnen nicht zufrieden stellt. Es gibt bezüglich der Beweglichkeitsanforderungen bestimmter Sportarten oder Schuhe mit hohen Absätzen keinerlei Flexibilität, nach dem das Gelenk in der fixierten Position versteift ist.

Auch Sportler aus Laufsportarten oder Ballsportarten befürchten langfristig eine Veränderung der Biomechanik des Gehens, wenn das Großzehengelenk versteift ist. Ein Teil der Beweglichkeit muss an dem Gelenk zwischen dem Mittelfußknochen I und der Fußwurzel aufgebracht werden, was dort die Gefahr von Gelenkverschleiß und Fußwurzelarthrose erhöhen kann (Begleitarthrose).

Inzwischen bietet das Knorpelimplantat CARTIVA® eine beweglichkeitserhaltende operative Versorgung bei Arthrose des Großzehengrundgelenks. Dabei wird das sehr knorpelähnliche Oberflächenersatzimplantat mit einem Durchmesser von 8-10 mm zwischen die Gelenkflächen gesetzt und im Knochen des 1. Zehenstrahls verankert. Das weiche, wasserbindende Material aus einem elastischem, bioverträglichen Kunststoff, wird in das zerstörte Großzehengrundgelenk eingesetzt, ohne dass eine Teilentfernung des gesunden Knochens erforderlich ist.

Während der Einsatz von Polyvinylalkohol-Implantaten im Großzehengrundgelenk erst seit etwa 5 Jahren klinisch erfolgreich durchgeführt wird, hat das Material im Bereich der Therapie von Knorpeldefekten im Kniegelenk in Studien auch nach bis zu 8 Jahren hohen Belastungen ohne Versagen standgehalten. Es stellt auch nach diesem Zeitraum noch eine wirksame Versorgung von Knorpelschäden im Kniegelenk oder im Sprunggelenk dar. Das spricht für die hohe Belastbarkeit und die Bioverträglichkeit der Versorgung mit synthetischem Knorpelersatz.

Interessant ist auch, dass der Einsatz von Polyvinylalkohol (CARTIVA®) stets ohne Entzündung des Gelenks durchgeführt werden konnte. Es hat also eine wesentlich geringere Entzündungsneigung, als andere synthetische Materialien, wie zum Beispiel Silikon.

Dabei wird das Oberflächenersatzimplantat, ähnlich wie bei der biologischen Knorpelersatztherapie, auf der beschädigten Gelenkfläche des Großzehengrundgelenks zwischen den beiden Gelenkpartnern befestigt. Dabei steht das gerundete Ende des Implantates 1-1,5 mm über die Gelenkfläche über, um als knorpelähnlicher, elastischer Platzhalter im Gelnek zu agieren.

Damit ist CARTIVA® eine Alternative zu Bioprothesen: Durch Verwendung des stabilen Kunststoffs muss anders, als bei der autologen Transplantation, im Körper des Patienten kein Transplantat gewonnen werden. Noch muss, wie bei der Verwendung von Fremdtransplantaten aus Spenderorganismen, das Risiko von Virenübertragungen oder Abstossungsreaktionen eingegangen werden.

Voraussetzungen für die Verwendung des CARTIVA®-Implantates

Wie bei einer Vollprothese benötigt auch die Hemiprothese des Großzehengrundgelenks eine hinreichende Menge an intakter Knochensubstanz für die Befestigung im 1. Zehenstrahl.

Nach der Entnahme eines keilförmigen Knochenabschnittes aus dem oberen Gelenkflächendrittel des GZG kann das CARTIVA®-Implantat nicht mehr angemessen befestigt werden. In diesem Fall bleibt nur noch die Arthrodese als operative Rückzugsmöglichkeit.

Wenn die Zerstörung der Gelenkfläche mit Zystenbildung und Verlust an Knochensubstanz zu weit fortgeschritten ist, kann das CARTIVA®-Implantat ebenfalls nicht mehr richtig befestigt werden.

Eine Fehlstellung im Großzehengrundgelenk (Hallux valgus) sollte zudem immer vor der Hemiprothesenversorgung beseitigt werden, um ein stabiles Implantat zu ermöglichen.

Schemaabbildung des CARTIVA-Oberflächenersatzimplantates. Der wasserbindende elastische Kunststoff aus PVA (Polyvinylalkohol) wird eine Vertiefung des 1. Zehenstrahls in die Gelenkfläche eingebracht. Das Implantat wird durch das press-fit Verfahren befestigt, also in die Verankerung eingeklemmt. Die gerundete Oberfläche steht 1-1,5 mm über die Gelenkfläche hinaus und bildet so einen elastischen Puffer, der den durch die Arthrose verloren gegangenen Gelenkknorpel ersetzt.  © Cartiva Inc. Schemaabbildung des CARTIVA-Oberflächenersatzimplantates. Der wasserbindende elastische Kunststoff aus PVA (Polyvinylalkohol) wird eine Vertiefung des 1. Zehenstrahls in die Gelenkfläche eingebracht. Das Implantat wird durch das press-fit Verfahren befestigt, also in die Verankerung eingeklemmt. Die gerundete Oberfläche steht 1-1,5 mm über die Gelenkfläche hinaus und bildet so einen elastischen Puffer, der den durch die Arthrose verloren gegangenen Gelenkknorpel ersetzt. © Cartiva Inc.

Operation des synthetischen Knorpelimplantates (Cartiva) bei Hallux rigidus

Abbildung des CARTIVA-Oberflächenersatzes aus wasserbindendem Polyvinylakohol. Das Implantat wird in zwei Größen (8 mm und 10 mm Durchmesser) gelenkseitig in den Knochen des 1. Zehenstrahls in das Metatarsophalangealgelenks (MTP-Gelenk) eingesetzt. Durch die Auslieferung in mehreren Größen kann es den individuellen Größenverhältnissen des Patienten angepasst werden. Neben dem MTP Gelenk wurde das CARTIVA-Implantat auch im Knie und im Sprunggelenk über Jahre erfolgreich als Knorpelersatz getestet. Das Material hat fast identische mechanische Eigenschaften zum natürlichen Gelenkknorpel. Wie der Gelenkknorpel ist es eine wasserbindende Substanz, also ein sogenanntes Hydrogel, das unter Druck Wasser abgibt und dadurch elastisch kompimierbar ist. © Cartiva Inc. Abbildung des CARTIVA-Oberflächenersatzes aus wasserbindendem Polyvinylakohol. Das Implantat wird in zwei Größen (8 mm und 10 mm Durchmesser) gelenkseitig in den Knochen des 1. Zehenstrahls in das Metatarsophalangealgelenks (MTP-Gelenk) eingesetzt. Durch die Auslieferung in mehreren Größen kann es den individuellen Größenverhältnissen des Patienten angepasst werden. Neben dem MTP Gelenk wurde das CARTIVA-Implantat auch im Knie und im Sprunggelenk über Jahre erfolgreich getestet. Das Material hat fast identische mechanische Eigenschaften zum natürlichen Gelenkknorpel. Wie der Gelenkknorpel ist es eine wasserbindende Substanz, also ein sogenanntes Hydrogel, das unter Druck Wasser abgibt und dadurch elastisch kompimierbar ist. © Cartiva Inc.

Die Operation des synthetischen Knorpelersatzes erfolgt in mehreren Schritten:

Die Anästhesie kann als lokale Narkose, als spinale Betäubung oder als Vollnarkose durchgeführt werden.

Der Blutfluß im Schienbein wird durch eine Blutsperre beendet.

Vor der Operation wird eine Antibiotikaprophylaxe durchgeführt, um Infektionen vorzubeugen.

Nach einem vertikalen Hautschnitt von oben wird die Gelenkkapsel geöffnet.

Der Kopf des Metatarsalknochens (Mittelfußknochen) wird freigelegt.

Dann wird die Gelenkfläche oben, unten und auf den Seiten von den häufig den Gelenkspalt einengenden Knochenspornen (Osteophyten) durch eine kleine Fräse befreit.

Nach Inspektion der Gelenkflächen zur Darstellung von Knorpel- und Knochendefekten (Osteochondralen Läsionen), kann der synthetische Knorpel symmetrisch platziert werden, das Gelenk entweder vollständig bedecken; oder bei noch intaktem Knorpel, die Gelenkfläche auch nur teilweise bedecken. Diese Positionierung wird mit Hilfe eines Platzhalters wöhrend der Operation getestet. Die Beweglichkeit des MTP-Gelenks nach oben muss mindestens 40° betragen, bevor die Platzierung des Implantates erfolgreich ist.

Das CARTIVA®-Implantat sollte nach dem Einbau auf allen Seiten von einem Knochenrand umgeben sein, der nicht kleiner als 1-2 mm ist, um Ausdehnung unter Belastung zu erlauben.

Mit Hilfe eines Bohrers wird das Befestigungsgebiet durch eine etwa 1,5 cm tiefe Bohrung im Metatarsalknochen markiert. In diese Bohrung wird ein Stift eingebracht, der die korrekte Platzierung des Ersatzknorpels testet.

Dann wird das eigentliche CARTIVA® -Implantat in die Vertiefung ds Metatarsalknochens eingebracht. In Richtung Gelenk zeigt dann ein gerundetes (konvexes) Ende des Implantates, das die Gelenkoberfläche ergänzt. In Richtung Knochen zeigt eine flache Oberfläche des synthetischen Implantates, das dem Knochen eng anliegt.

Die Befestigung erfolgt über das sog. "press fit" Verfahren. Das CARTIVA® Implantat wird nach dem Einsetzen durch den Druck im Gelenk in seiner Position gehalten.

Nach dem Implantat wird nocheinmal die maximale Beweglichkeit des MTP-Gelenks getestet.

Mögliche Komplikationen nach Operation des Knorpelersatzimplantates (CARTIVA®)

Es gibt keine nur für das Knorpelersatzimplantat am Großzehengrundgelenk zutreffenden Komplikationen. Wir wollen daher hier die allgemeinen OP-Risiken einer Vorfußoperation darlegen, die ein erfahrener Fußspezialist auf Grund seiner Routine und mit Hilfe guter Voruntersuchungen weitgehend vermeiden kann:

  • Wundheilungsstörungen und Infektionen
  • Bruch des Kopfes des Metatarsalknochens nach dem Einbringen des Implantates, v.a. be schlechter Knochenqualität.
  • Taubheit des Großen Zehs, wenn Nerven verletzt wurden.
  • Entzündliche Reizung der Gelenkkapsel, die mit NSAR (z.B. Ibuprofen behandelt werden kann).

Wenn die Komplikationen zu einem Versagen des Implantates führen, kann in jedem Fall als operativer Rückzug eine Versteifung (Arthrodese) des Großzehengrundgelenks durchgeführt werden. Anders als bei der Totalendoprothese des Großzehengrundgelenks, ist der für eine Versteifung verfügbare Knochen durch die Befestigung des CARTIVA® - Oberflächenersatz-Implantates nicht vermindert.

Ergebnisse der CARTIVA®-Oberflächenersatzprothese

Die Versorgung mit Knorpelersatzimplantaten des Großzehengrundgelenks führte in den bisher verfügbaren Studien zu einer ebenso sicheren Schmerzreduktion, wie die Versorgung mit einer Arthrodese (Versteifung). Dabei war aber die Funktion, also die Beweglichkeit, gemessen an der schmerzfreien Beweglichkeit deutlich besser, als bei der Versteifung. (CARTIVA-MOTION-Studie)

Nachbehandung nach Implantation des synthetischen Knorpelersatzes

Nach der Operation des synthetischen Knorpelersatzes ist das Großzehengelenk sofort wieder belastbar und beweglich. Eine Ruhigstellung oder Entlastung ist nicht erforderlich. Lediglich die Wundheilung und das Ziehen der Fäden müssen abgewartet werden. Eine langwierige, mehrmonatige Nachbehandlung mit einem Vorfußentlastungsschuh ist beim Einsatz des CARTIVA® - Knorpelersatzes nicht erforderlich.

Physiotherapie und Training der Beweglichkeit der Großzehe kann bereits nach einer Woche nach Operation beginnen. Nach sechs Wochen wird eine Röntgenkontrolle durchgeführt, um den Sitz des Knorpelersatzimplantates zu prüfen. Ähnlich wie bei Metallendoprothesen, ist ein e sehr gute Zahnprophylaxe zur Vermeidungen von Entzündungen erforderlich, um Implantatenfektionen vorzubeugen.

 
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