Orthopädische Gelenk-Klinik

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Knick-Senkfuß: Diagnose, Physiotherapie, Schuheinlagen und Operation

Themen zu Knick-Senk-Fuß

  1. Knick-Senkfuß: Diagnose, Physiotherapie, Schuheinlagen und Operation
  2. Was versteht der Orthopäde unter einem Knick-Senkfuß?
  3. Symptome des Knick-Senkfuß
  4. Knick-Senkfuß des Kleinkindes: Barfußlaufen statt "führenden" und "stützenden" Kinderschuhen
  5. Ursache des erworbenen Knick-Senkfußes bei Erwachsenen
  6. Degeneration und Dysfunktion der Tibialis posterior Sehne
  7. Diagnose des Knick-Senkfuß
  8. Konservative Behandlung des Knick-Senkfuß
  9. Übungen bei Knick-Senkfuß
  10. Knick-Senkfuß Operation
  11. Literatur
Beim Knick-Senkfuss ist das Fußlängsgewölbe deutlich abgesenkt. Häufig geht der Senkfuß mit einer Fehlstellung des Fersenbeines einher. Beim Knick-Senkfuss ist das Fußlängsgewölbe deutlich abgesenkt. Häufig geht der Senkfuß mit einer Fehlstellung des Fersenbeines einher. Das Fußlängsgewölbe ist beim Knick-Senkfuß nicht mehr gewölbt. © Dr. med. Thomas Schneider Erworbener Knick-Senk-Fuß eines Erwachsenen Erworbener Knick-Senk-Fuß eines Erwachsenen. Charaktersitisch ist die Fehlstellung der Ferse nach außen. Das Fußgewölbe kommt daher auf dem Boden zu liegen. © Dr. med. Thomas Schneider

Der Knick-Senkfuß ist eine manchmal krankhafte und schmerzhafte Störung des Fußlängsgewölbes.

Wer bekommt einen Knick-Senk-Fuß?

Der Knick-Senkfuß tritt in einer gutartigen Variante bei jüngeren Kindern auf. Der kindliche Knick-Senkfuß als Störung oder Verzögerung der Fußreifung wächst sich meist ohne Behandlung wieder aus. Schwerpunktmäßig behandeln wir den kindlichen Knick-Senkfuß in einem weiteren Artikel.

Bei Erwachsenen gibt es zunächst die Gruppe der Patienten, die aus der Kindheit einen Knick-Senkfuß zurückbehalten haben, der sich nicht "ausgewachsen" hat. Auch dieser Knick-Senkfuß kann im mittleren Lebensalter Beschwerden verursachen.

Bei Erwachsenen kommt aber auch eine ganz andere Ursache ins Spiel: Der Knick-Senkfuß auf Grund eines erworbenen Schadens der Tibialis posterior Sehne. Bei erwachsenen Patienten sind vor allem Frauen mittleren Alters - über fünfzig - überdurchschnittlich häufig vom Knick-Senk-Fuß betroffen.

Knick-Senkfuss Fußabdruckmessung Pedobarografie Eine Fehlstellung des Fußlängsgewölbes kann man am Fußabdruck ablesen. Der Fußabdruck in der Pedobarografie ist charakteristisch verändert: Der Druck (rote Flächen) ist gleichmässiger verteilt. Beim normalen Fußgewölbe ist lediglich der Fersen und der Fußballenbereich belastet. Das Fußlängsgewölbe ist beim Knick-Senkfuß also nicht mehr aufgerichtet, sondern eingesunken. © Dr. med. Thomas Schneider

Knick-Senk-Fuß: Begriffe und Synonyme

Plattfuß, Senkfuß, Knickfuß, Knicksenkfuß, Pes Planus, Pes Plano Valgus, Hohlfuß, Fuß-Längsgewölbe, Fehlstellung

Der Grund für das dreimal häufigere Auftreten der Knick-Senk-Füße bei Frauen ist nicht genau bekannt. Auffällig ist das häufige Auftreten des Knick-Senk-Fuß bei Diabetes- oder Bluthochdruck-Patienten. Eine weitere Häufung findet man unter den Patienten, die über längere Zeit Steroide - etwa Kortison-Medikamente - genommen haben. Über die Hälfte der Knick-Senkfuß-Patienten sind zudem stark übergewichtig.

Was ist ein Knick-Senk-Fuß?

Fehlstellung des Knick-Senk-Fuß

  • Fußsohle liegt ganz auf dem Boden auf
  • X-Stellung der Ferse und des Unterschenkels
  • Innenknöchel tritt hervor
  • Füße zeigen beim Gehen nach außen
  • Verändertes Gangbild

Der Knick-Senk-Fuß ist eine der häufigsten Fehlstellungen des Fußes.

Der Name Knick-Senkfuß bezeichnet die Anatomie dieser Fehlstellung.

Dabei bezeichnet der Knickfuß die Fehlstellung der Ferse, die nach innen wegknickt, anstatt senkrecht vom Boden nach oben zu verlaufen.

Der Senkfuß bezeichnet die Fehlstellung des Fußgewölbes: Dabei ist das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht.

Ist das Fußlängsgewölbe abgeflacht, so dass die Fußsohle flach auf dem Boden aufliegt, spricht man vom Senkfuß. In extremen Fällen des Senkfußes spricht man auch vom Plattfuß. Bedeutungsunterscheidend ist hier lediglich das Ausmaß der Fehlstellung.

Deutlich sichtbar ist auch der hervortretende Innenknöchel, der von einer Änderung der Beinachse herrührt, dem Knick-Fuß. Weil Knickfuß und Senkfuß meistens zusammen auftreten, spricht man vom Knick-Senkfuß.

Das Fußlängsgewölbe reicht vom Fersenbein bis zu den Zehenköpfchen des Mittelfußes.  Blick in die knöchernen Anteile des Fußlängsgewölbes. Das Fußlängsgewölbe reicht vom Fersenbein bis zu den Zehenköpfchen des Mittelfußes. Durch eine Knickstellung des Fersenbeines und das Absenken des Fußgewölbes im Talonavikulargelenk kann sich das Fußgewölbe absenken. Die aus dem Knick-Senkfuß entstehende Fehlstellung des Rückfußes kann auch das obere Sprunggelenk durch eine Fehlstellung des Talus (Sprungbeines) beeinträchtigen. © Viewmedica

Wichtige Unterscheidung des "kindlichen" und des "erwachsenen" Knick-Senkfußes

Bei der Senkfuß-Fehlstellung ist zunächst eine beschreibbare Fehlstellung des Fußes. Das Längsgewölbe des Fußes ist nicht mehr aufgerichtet. Liegt das Längsgewölbe flach auf dem Boden anstatt als Fußgewölbe einen Hohlraum zu bilden führt der Orthopäde das auf Defizite der intrinsischen Fußmuskulatur zurück.

Bei Kleinkindern und Kindern ist der Senkfuß ein normales Entwicklungsstadium, das sich in der Regel in einem Reifungsprozess bis zum 6. Lebensjahr auswächst.

Davon deutlich zu unterscheiden ist der nicht mehr reversible (kontrakte bzw. versteifte) Knick-Senkfuß der Erwachsenen. Der erworbene Knick-Senkfuß ist im Vergleich zur kindlichen Variante häufig schmerzhaft beeinträchtigend und behandlungsbedürftig.

Der Knicksenk-Fuss ist eine angeborene oder kulturbedingte Deformation des Fusses Das Fußlängsgewölbe ist abgeflacht, so dass die Fußsohle flach auf dem Boden aufliegt, anstatt ein Längsgewölbe auszubilden. Man spricht in diesem Fall vom Senkfuß. Deutlich sichtbar ist auch der hervortretende Innenknöchel, der von einer Änderung der Beinachse herrührt, dem Knick-Fuß. Weil Knickfuß und Senkfuß stets zusammen auftreten, spricht man vom Knick-Senk-Fuß. © Dr. Thomas Schneider

Der Knick-Senkfuß wird oft bei Kindern beobachtet. Der kindliche Knick-Senkfuß ist jedoch zumeist eine normale Entwicklungsstufe des Kindes hin zur Ausbildung normaler Beinachsen im Alter von sechs Jahren. Als Kinderkrankheit ist der Knick-Senk-Fuß gutartig und wächst sich bei normal aktiven und normalgewichtigen Kinder in der Regel ohne Behandlung aus.

Der Knick-Senkfuß bei Erwachsenen rührt jedoch von einer oft kulturbedingten Verkümmerung der Fußmuskulatur und Schwächungen der Fuß-Sehnen her.

Knick-Senkfuss Röntgenbild im Längsschnitt Die Absenkung des Fußlängsgewölbes beim Knick-Senkfuß lässt sich im seitlichen Röntgenbild des Fußes deutlich zeigen. © Dr. med. Thomas Schneider

Symptome und Beschwerden des Knick-Senk-Fuß bei Erwachsenen

Patienten mit Knick-Senk-Fuß berichten oft über Schmerzen bei Belastung des Fuß. Oft liegt die erste bewusste Wahrnehmung dieser Fuß-Beschwerden mehrere Monate zurück, bevor die Patienten sich bei Ihrem Orthopäden vorstellen. Diese Fußschmerzen treten vor allem am Fußinnenrand unter dem Innenknöchel auf. Oft ziehen diese Schmerzen bis in den Unterschenkel.

Schwellung am Innenknöchel, aber auch Schwellung am Außenknöchel gehört zu den häufig von Patienten berichteten Symptomen.

Bei manchen Patienten ist der Schmerz in der äußeren Fußkante - kurz vor dem Außenknöchel lokalisiert.

Die maximale Gehstrecke ist bei erwachsenen Knick-Senkfuß-Patienten oftmals vermindert. Die Patienten klagen über Fußschmerzen und Ermüdung. Oftmals gesellen sich Unterschenkelschmerzen bei Belastung dazu.

Die fortschreitende Fehlstellung bei Knick-Senk-Fuß spiegelt sich auch in der Abnutzung der Schuhe wieder. Vor allem am Innenrand sind die Schuhsohlen besonders stark abgenutzt. Das Fußbett ist am Innenrand oft durchgetreten, wegen der starken Belastung auf der Innenseite des Fußes.

Fußballer mit Fußfehlstellungen - Platt- und Hohlfüße im Torabschluss

Abhängig von der Beweglichkeit der Fußwurzelknochen und der Stabilität des Fußgewölbes ergeben sich verschiedene Sportmedizinisch interessante Fehlstellungen. Der Fußballer bevorzugt je nach Fußform unterschiedliche Balltechniken. Der Plattfüßler wird eher mit dem Innenriss erfolgreich sein. Der Hohlfüßler - mit hoch stehendem Fußgewölbe und nach innen abweichender Ferse - wird elegant mit seinem prominenten Außenriss den Ball ins Tor zirkeln. Beide Fehlstellungen sind meist beschwerdefrei und stehen einer Sportlerkarriere nicht im Wege, wenn sie an beiden Füßen symmetrisch ausgebildet sind. Der Hohlfüßler - wegen seines hoch stehenden Fußgewölbes - hat lediglich ein leicht erhöhtes Risiko für Außenbandverletzungen.

Lebensweise als Ursache des Knick-Senkfußes bei Erwachsenen

Die tibialis posterior Sehne liegt tief in der Muskulatur des Unterschenkels. Der Musculus Tibialis Posterior liegt tief in der Muskulatur des Unterschenkels. Seine Funktion, Trainingszustand und Gesundheit der Sehne sind wichtig für ein gut ausgebildetes Fuß-Längsgewölbe. © Grays Anatomy

Unsere Füße werden im Alltag selten wirklich gefordert. Meistens gehen wir in Schuhen auf ebenen, künstlichen Böden. Die täglichen Gehstrecken sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das ist zu wenig, um die Füße noch wirklich zu fordern. Eine gut ausgebildete Fußmuskulatur ist das beste Mittel, um dem Knick-Senkfuß zu oder anderen Fehlstellungen der Füße entgegenzuwirken.

Das Fußgewölbe des Erwachsenen ist Voraussetzung für ein normales Gangbild. Es ist nicht statisch: Vielmehr wird es erzeugt durch Knochen, Muskeln und Sehnen, die eine gesunde, ausgeglichene Muskelspannung haben. Muskeln, Sehnen und Knochen aus Fuß und Unterschenkel beteiligen sich aktiv an einem natürlichen Fußgewölbe.

Die natürliche Koordination der Fußposition aus einem aktiv durch die Fußmuskeln erzeugten Gleichgewicht der Muskeln und Sehnen an Unterschenkel und Fuß ist aber oft gestört: Jede Erkrankung oder jede Verletzung, die die Muskel und Sehnenspannung beeinträchtigen kann, wirkt sich auch auf das Fußgewölbe aus.

Welche Folgen hat der Knick-Senkfuß?

Die maximale Gehstrecke ist oft verkürzt. Der Knick-Senkfuß ermüdet schneller, als ein gesunder Fuß. Das Gangbild - das Abrollen über die Großzehe und Gewichtsverteilung - ist gestört. Bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ist der Knick-Senkfuß in den meisten Fällen noch beschwerdefrei. Patienten mit ganz durchgetretenen Füßen klagen jedoch oft über Schmerzen im Fuß. Dazu kommen bei größerer Belastung Muskelschmerzen und Krämpfe der Unterschenkelmuskulatur.

Der gesunde Fuß hat zwei Fußgewölbe, die den Fuß tragen, stützen und federn: Das Längsgewölbe und das vordere Quergewölbe des Fußes. Durch diese Gewölbe entsteht der typische Fußabdruck. Der mittlere, innere Bereich der Fußsohle ist dabei vom Boden abgehoben. Existiert dieses Längsgewölbe nicht und berührt die Fußsohle der ganzen Länge nach den Boden, spricht man von einem Senkfuß. Beim Senkfuß liegt das Längsgewölbe des Fußes also vollständig auf dem Boden auf.

Der flexible und der kontrakte Knick-Senkfuß

Für den Spezialisten ist das Hauptunterscheidungsmerkmal die Flexibilität der Knick-Senkfuß-Stellung. Steht der Patient auf die Zehenspitzen, richtet sich das Fußgewölbe beim flexiblen Knick-Senk-Fuß sofort wieder auf. Beim kindlichen Knick-Senkfuß ist das stets der Fall. Ebenso wird das Fußgewölbe beim Anheben der Groß-Zehe (Checktest) wieder ausgeglichen. Dagegen bleibt das Fußgewölbe beim erworbenen Knick-Senk-Fuß des Erwachsenen meistens flach. Wenn die Fußstellung nicht mehr willentlich korrigierbar ist, spricht man vom kontrakten Knick-Senkfuß.

Damit der Senkfuß auf dem Boden aufliegen kann, muß die Beinachse ebenfalls eine Fehlstellung erleiden: Der Orthopäde beobachtet ein Abweichen des Schienbeins nach außen. Der Innenknöchel steht dabei innen deutlich heraus. Die Ferse steht ebenfalls in einer typischen X-Stellung nach außen. In diesem Fall wird von einem Knickfuß gesprochen.

Charakteristisch ist beim Knick-Senk Fuß die Abweichung der Zehen nach außen. Weil die Fußsohle ganz am Boden aufliegt, knickt die Ferse nach außen ab. Beim Gehen weisen die Zehen ebenfalls nach außen und das natürliche Abrollverhalten des Fußes über die Großzehe ist verändert. Die Knick-Senk-Füße weisen beim Gehen charakteristisch nach außen. Die Motorik des Gehens und der natürliche Abrollvorgang ist sichtbar verändert.

Knick-Senkfüße weisen stets eine Fehlstellung der Beinachse und des Fußgewölbes auf. Weil diese beiden Phänomene oft gemeinsam auftreten, wird diese Fehlstellung als Knick-Senkfuß bezeichnet.

Der Knick-Senkfuß des Kleinkindes: Barfußlaufen statt "führenden" und "stützenden" Kinderschuhen

Fußabdruck eines Kleinkindes. Sichtbar ist das ausgefüllte Fußgewölbe des Kindes im Vergleich zur Mutter. Fußabdruck eines Kleinkindes. Sichtbar ist das ausgefüllte Fußgewölbe des Kindes im Vergleich zur Mutter. ©Wikipedia

Kleinkinder haben einen anderen Fußabdruck als Erwachsene: Ihre Fußsohle liegt vollständig auf dem Boden auf. Das Auftreten von Plattfüssen oder Senkfüssen bei Kleinkindern ist ganz normal.

Ausgeprägte kindliche Fettpolster unter der Haut der Fußsohle sind teilweise für den Fußabdruck verantwortlich. Auf jeden Fall sollten Sie Ihr Kind bei Verdacht auf Knick-Senkfuß bei einem Orthopäden vorstellen. In seltenen Fällen kann die Fehlstellung durch eine neurologische Störung (Spastik) verursacht sein. Dieser neurologisch verursachte Knick-Senkfuß muß auf jeden Fall früh durch Gymnastik und balancefördernde Einlagen behandelt werden.

Weiche sensible Kinderfüsse Weiche sensible Kinderfüße spüren Boden und Gleichgewicht. Diese motorische Erfahrung lässt den Kinderfuß reifen. © Istockphoto.com

Das Fußgewölbe bei Kleinkindern ist noch nicht vollständig entwickelt. Die Ausbildung des Fuß-Längsgewölbes ist ein aktivitätsabhängiger Reifungsprozess des Fußskeletts, Sehnen und Muskelapparates in den ersten Lebensjahren.

Das beste Training für den kindlichen Fuß ist Barfußlaufen auf den unterschiedlichen, unebenen natürlichen Oberflächen. Die natürlichen Reize und die Koordination der Füße auf Rasen, Steinen und unebenen Flächen sorgt für natürliche Trainingsreize, die die Muskel-Sehnen-Koordination und die Aufrichtung des Fußlängsgewölbes unterstützen. Im Alter von vier bis sechs Jahren ist das Fußlängsgewölbe bei Kindern normalerweise aufgerichtet.

Checkliste: Laufen lernen und die ersten Schuhe des Kleinkindes

  • Kinder lernen ohne Schuhe am besten laufen. In unserem Klima ist es jedoch nicht ratsam, die Kinderfüsse immer ohne Schutz zu lassen.
  • Wichtig für die ersten Schuhe: Sie sollten nicht zu klein sein: Einen Zentimeter länger als der Kinderfuß müssen Kinderschuhe auf jeden Fall sein. Vermeiden Sie auf jeden Fall Kinderschuhe, die "stützen" und "lenken" wollen. Die Stützung erfolgt am besten durch das Skelett und den reifenden Muskelapparat des Kindes.
  • Deshalb sollen Kinderschuhe für Kleinkinder weiche, verformbare Sohlen haben. Das gibt den Kindern Gelegenheit, Bodenunebenheiten zu spüren und aktiv auszugleichen. Das lässt das Fußgewölbe des Kindes natürlich reifen.
  • Wann immer möglich, ist das Barfußlaufen oder Gehen in weichen Noppensocken zu empfehlen.
  • Wichtig ist auch die Größenanpassung der Kinderschuhe. Die meisten Kinder tragen Kinderschuhe, die schon gar nicht mehr passen.

Die Ruhigstellung und die Abschirmung des Fußes in Schuhen gegen Außenreize, oft sogar schon durch feste Schuhe im Krabbelalter, verhindert zusammen mit einer wachsenden Bewegungsarmut heranwachsender Kinder jedoch immer öfter diesen Reifungsprozess.

Feste Schuhe vom frühsten Kindesalter an schirmen den Fuß von wichtigen Bewegungsreizen ab. Feste Schuhe behindern die Reifung des natürlichen Ganges. Kindersocken mit Laufnoppen sind in diesem Fall sehr empfehlenswert: Sie wärmen und schützen, und der Fuß empfängt und verarbeitet die Umgebungsreize direkt vom Boden. Vielfältige Bewegungserfahrungen auch mit unebenen und natürlichen Untergründen sind in dieser Entwicklungsphase besonders wichtig.

Der kindliche Knick-Senkfuß: Behandlung vorwiegend durch Bewegung und Physiotherapie

Da das sich das kindliche Fußgewölbe von alleine aufrichtet, ist eine bestimmte Behandlung in der Regel nicht erforderlich. Bei kleinen Kindern führen stützende und führende orthopädische Einlagen in Schuhen eher zu einer weiteren Schonung und Schwächung des Bewegungs- und Halteapparates. Dagegen ist uneingeschränkte kindliche Bewegung und Barfußaktivität für die Reifung des Fußgewölbes und des Muskel und Halteapparates unabdingbar. Hilfreich ist Bewegung auf weichem, unebenem Untergrund, zum Beispiel Sand. Greifübungen mit dem Zehen, die Gegenstände aufheben können, stärken die Muskeln des Fußgewölbes.

Bei sehr ausgeprägten schmerzhaften Knick-Senkfüßen können zeitweise orthopädische Einlagen mit Fersenfassung und Supinationskeil (Innenkeil, der der X-Stellung der Ferse entgegenwirkt) zur Stützung des Fußgewölbes zum Einsatz kommen.

Entwicklungstörungen durch knöcherne Fehlbildungen: Coalitio talonavicularis

Die in der Entwicklung nicht aufgelöste Verbindung zwischen dem Talus (Sprungbein) und dem Os navicularis (Kahnbein) behindert die Reifung des Fußgewölbes. Die in der Entwicklung nicht aufgelöste Verbindung zwischen dem Talus (Sprungbein) und dem Os navicularis (Kahnbein) behindert die Reifung des Fußgewölbes. Das ist eine Beispiel eines Fehlwachstums zwischen Fersenbein und Kahnbein (Coalitio calcaneocuboidale), das im Kindesalter nicht erkannt wurden und dann dem Erwachsenen Beschwerden macht. Der Pfeil zeigt auf die normalerweise nicht vorhandene knöcherne Verbindung der beiden Knochen. © Dr. Thomas Schneider

Beim kindlichen Knick-Senkfuß gibt es einen weiten Bereich, der sich durch Entwicklungsunterschiede innerhalb der Norm bewegt. Es gibt aber auch die sog. teilfixierten Knick-Füße bei Kindern: Sie entstehen durch Fehlbildung der kindlichen Fußknochen. Die wichtigste Fehlbildung ist die Coalitio talonavicularis: Bei dieser sog. "Koalition" zwischen zwei Knochen entsteht kein Gelenk. Die Knochen (hier: Sprungbein und Kahnbein) verwachsen. Es gibt auch Verwachsungen zwischen Talus und Fersenbein (Coalitio talocalcaneare) Bei diesen Fehlbildungen der kindlichen Füße ist eine Operation nicht zu vermeiden. Die Operationsaussichten sind bei Kindern noch sehr gut. Bei Erwachsenen ist der Eingriff auf Grund der dann häufig schon eingetretenen degenerativen Veränderungen (Arthrose) wesentlich schwieriger. Frühes Erkennen und therapeutisches Handeln bei teilfixierten Fehlstellungen bei Kindern (Mißbildungen der Fußknochen) ist daher sehr wichtig. →Hier Weiterlesen zu den Verwachsungen (Koalitionen) der Fußknochen.

Der erworbene Knick-Senkfuß beim Erwachsenen

Die Knick-Senkfuß bei Erwachsene wird vom Orthopäden anders bewertet, als die frühkindliche Fehlstellung. Der Knick-Senkfuß kann nur innerhalb der Wachstumsphase der Füße noch durch Übungen und Trainingsreize aufgerichtet werden. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die Knick-Senkfuß Fehlstellung nach dem Ende des Skelettwachstums nicht mehr dauerhaft mit konservativen (nichtoperativen) Mitteln therapierbar.

Ursachen des erworbenen Knick-Senk-Fuß bei Erwachsenen

Ursachen

  1. Trauma und Brüche
  2. Übergewicht
  3. Sehnenabriss
  4. Neurologische Veränderungen
  5. Schwächung der Tibialis posterior-Sehne Sehne, die vom Wadenbein auf die Innenseite des Fußes verläuft (ligamentum posterior tibialis)
  6. Steroidbedingte Sehnendegeneration
  7. Starkes Übergewicht
  8. Rheumatische Erkrankungen
  9. Diabetes
  10. Nebenwirkung bestimmter Medikamente können die Sehnen schwächen.

Das aufrechte Fußgewölbe ist nicht nur eine statische Leistung des knöchernen Anteils des Fußskeletts. Das Fußgewölbe ist auch eine aktive Leistung des Muskel- und Sehnenapparates an Unterschenkel und Fuß. Von zentraler Bedeutung ist der Musculus tibialis posterior. Er verläuft als großer, tiefliegender Muskel im Unterschenkel: Mit seiner Sehne - der Tibialis posterior Sehne übt dieser Muskel einen Zug aus, der für die Aufrechterhaltung der Spannung im Fußlängsgewölbe essentiell ist.

Der Knick-Senkfuß entwickelt sich meist als Folge der Beinträchtigung dieser Haltestrukturen. Mehrere Sehnen und Muskeln halten das Fußgewölbe im Gleichgewicht. Eine Änderung dieses Gleichgewichts kann aus vielen Gründen erfolgen: Sehnenscheidentzündungen, Rheumatismus oder Außenbandverletzungen können die Sehnenzugverhältnisse am Fuß entscheidend ändern und in der Folge das Fußgewölbe zum Knick-Senkfuß (pes planovalgus) einsinken lassen.

Anatomisches Bildes des Fussgewölbes Die Tibialis-Posterior-Sehne verläuft vom Außenknöchel über der Ferse zum Innenfuß. Beim erworbenen Knick-Senkfuß der Erwachsenen ist meist eine krankheits- oder unfallbedingte Schwächung dieser Tibialis-Posterior-Sehne für den Verfall des Fußgewölbes verantwortlich. © Grays Anatomy

Insuffizienz der Tibialis posterior Sehne als Ursache für den Knick-Senkfuß

Ursachen der Insuffizienz

  • Akuter Riss der Tibialis Posterior Sehne
  • Chronischer Riss (Degeneration) der Tibialis posterior Sehne.
  • Alterung der Sehne
  • Schädigung und Degeneration durch Cortison-Injektionen
  • Entzündliche Erkrankungen.

Die Tibialis posterior Sehne verläuft von hinten um den Innenknöchel und verzweigt sich zu verschiedenen Ansatzpunkten am Fußskelett. Der Musculus tibialis posterior spielt eine wichtige Rolle beim Gehen und beim Abstoßen des Fußes vom Boden. Diese M. tibialis posterior Sehne ist die kräftige Gegenspielerin der Peronealsehnen, die an der Fußaußenseite verlaufen.

Eine Erkrankung oder Beschädigung der Tibialis posterior Sehne hat deswegen auch immer direkte Auswirkungen auf die Gehfähigkeit, Belastbarkeit, Stabilität des Fußes und die Koordination der Fortbewegung.

Klassifikation des Tibialis posterior Syndroms

  1. Stadium: Sehne entzündet, Fußform ist noch unverändert.
  2. Stadium: Sehne ist verlängert, erworbener Knick-Senkfuß ist sichtbar.
  3. Stadium: Kontrakter Knick-Senkfuß mit degenerativen Veränderungen (Arthrose) am unteren Sprunggelenk.
  4. Stadium: Kontrakter Knick-Senkfuß, Degenerative Veränderungen treten auch am oberen Sprunggelenk auf.

Die genaue Krankheitsursache beim Tibialis posterior Sehnensyndrom ist noch immer nicht ganz geklärt. Meistens sind Frauen ab dem mittleren Lebensalter von der Insuffizienz der Tibialis posterior Sehne betroffen: Die Sehne wird schwach, der Muskel verlängert sich. Die Zugspannung der Tibialissehne, die für die Unterstützung des Fußlängsgewölbes erforderlich ist, wird nicht mehr aufrechterhalten. Eine zunehmende Abflachung des Fußgewölbes ist das deutlichste Symptom der Sehnenschwäche. Dazu kommen Druckschmerzhaftigkeit und Schwellung entlang der Tibialis Posterior Sehne. Für Patientinnen mit Tibialis posterior Sehnen Syndrom wird es zunehmend schwierig, z.B. die Treppen hoch oder auf unebenen Oberflächen zu gehen.

Wie untersucht der Orthopäde den Knick-Senkfuß?

Klinische Untersuchung

Der erfahrene Orthopäde untersucht den Knick-Senkfuß klinisch eine durch direkte körperliche Untersuchung. Das Aufliegen der Fußsohle auf dem Boden ist ebenso evident, wie die X-Stellung der Ferse. Von der Ferse aus betrachtet kann der Orthopäde beim Knick-Senkfuß-Patienten wegen der Änderung der Fußlängsachse meist drei schräg nach außen wegstehende kleine Zehen stehen, die beim fußgesunden Patienten gerade nach vorne zeigen ("too many toes sign").

Darüberhinaus wird der Orthopäde manuell den Bewegungsspielraum der Gelenke des Fußes prüfen.

Über der Tibialis posterior Sehne (Innenseite des Sprunggelenks über dem Fersenbein) kann der Fußspezialist häufig eine druckschmerzhafte, geschwollene Stelle finden: Dort ist die Tibia-Sehne entzündet und degeneriert.

Deswegen berichten alle Patienten mit Tibialis posterior Sehnendysfunktion über zwei Symptome:

  1. Unklare Schmerzen an der Innenseite des Knöchels oder Sprunggelenks.
  2. Der Innenknöchel wird bei zunehmender Knick-Senkfußstellung auch zunehmend schmerzhaft anschwellen und hervortreten.

Ein Knick-Senkfuß-Patient mit Tibia-Sehnen-Degeneration kann sich häufig nicht ohne weiteres auf einem Bein auf die Zehenspitzen stellen: Wegen der degenerierten Tibialis-Posterior Sehne am Hinterfuß kann der Patient die Ferse beim Zehenspitzenstand nicht nach oben ziehen. ("single-heel-rise-test")

Eine Ultraschalluntersuchung kann die Verdickung oder gar einen Riss der Tibialis Posteriorsehne direkt zeigen.

Mit Hilfe einer MRT-Untersuchung kann die mögliche Degeneration der Tibialis posterior Sehne als Ursache des Knick-Senkfußes nicht nur klinisch, sondern auch durch Bildgebung direkt gezeigt werden. Die MRT Information kann die Ultraschalluntersuchung bestätigen, liefert aber keine anderen Ergebnisse. In der Regel ist die MRT Untersuchung der Tibialissehne nur angezeigt, wenn man eine Operation planen will.

Fußdruckmessung mit Pedobarographie (Podometrie)

Podometrie Pedobarographie Fußdruckmessung Pedobarographie stellt die Funktion des Fußes durch Fußabdruckmessung auf einer Sensorplatte dar: Bereiche mit hohem Druck sind rot eingezeichnet, Bereiche mit niedrigem Druck sind blau. © Dr. med. Thomas Schneider

Die Podometrie misst die Druckverteilung unter den Fußsohlen beim Stehen und beim Gehen. Aus der Druckverteilung der Fußsohle kann der Arzt Fehlstellungen, Sehneninsuffizienzen und muskuläre Ungleichgewichte ablesen. Die Muskuläre Führung beeinflusst den messbaren Fußabdruck beim Gehen und Abrollen direkt. Über die statische Druckverteilung im Fuß kann der Zustand und die Funktion des Fußes und der Belastungsachse von Fuß und Bein schmerzfrei und ohne Operation ermittelt werden: Fuß-Fehlstellungen (Knick-Senkfuß, Spreizfuß, Hohlfuß), Deformitäten bis hin zu Sprunggelenkserkrankungen kann der Orthopäde mit der Podometrie (Fußabdruckmessung) erkennen.

Röntgenbild des Knicksenk-Fusses von hinten. Sichtbar ist die aus der Fehlstellung des Rückfußes resultierende Änderung der Stellung im oberen Sprunggelenk. Das Sprungbein ist leicht gekippt, so dass der wichtige Gelenkspalt im oberen Sprunggelenk im Vergleich zur Gegenseite fast aufgehoben ist. Durch fehlstellungsbedingte hohe Lastaufnahme in diesem Bereich kommt es zu einer verstärkten Abnutzung des Gelenkknorpels. Eine Arthrose des Sprunggelenks kann sich entwickeln. Röntgenbild des Knick-Senkfußes von hinten. Sichtbar ist die aus der Fehlstellung des Rückfußes resultierende Änderung der Stellung im oberen Sprunggelenk. Das Sprungbein ist leicht gekippt: Der Gelenkspalt im oberen Sprunggelenk ist im Vergleich zur Gegenseite fast aufgehoben. aufgehoben ist. Durch fehlstellungsbedingte hohe Lastaufnahme in diesem Bereich kommt es zu einer verstärkten Abnutzung des Gelenkknorpels. Eine Arthrose des Sprunggelenks kann sich entwickeln. © Dr. med. Thomas Schneider

Röntgenuntersuchung des Fußes

Röntgenbild des Knick-Senkfuss von oben. Sichtbar ist die Änderung des Fußlängsgewölbes. Der Vorfuß ist nach aussen gedreht. Das Fußgewölbe ist im Bereich der Fußwurzel eingesunken. Röntgenbild des Knick-Senkfusses von oben. Sichtbar ist die Änderung des Fußlängsgewölbes. Der Vorfuß ist nach aussen gedreht. Das Fußgewölbe ist im Bereich der Fußwurzel eingesunken. © Dr. med. Thomas Schneider

Das wichtigste bildgebende Verfahren des Orthopäden zur Diagnose von Fußfehlstellungen ist ist das Röntgenbild des Fußes unter Belastung. Mit Hilfe der Podometrie (Fußabdruckmessung) kann die Funktion und Kraftverteilung des Halteapparates am Fuß genau untersucht werden.

Am Ende seiner ausführlichen Untersuchung muss der Orthopäde den Zustand und die Funktion sämtlicher Muskeln und Sehnen am Fuß genau untersucht haben, um zu einer tragfähigen Behandlungsentscheidung zu kommen.

Der Knick-Senkfuß ist eine dreidimensionale Fehlstellung des Fußes:

  • Die Knickfuß-Komponente ist beim Blick auf dem Fuß von hinten am deutlichsten sichtbar.
  • Die Senkfußkomponente zeigt sich beim Blick von Innen in das Fußgewölbe.
  • Von oben sieht man die sog. Abduktionskomponente (das nach außen Drehen des Fußes) als Folge des Knick-Senk-Fuß Syndroms.
Röntgenbild des Knicksenk-Fuss von hinten. Sichtbar ist die Änderung des Rückfußachse. Das Fersenbein ist nach außen gedreht. Die Stellung des Rückfußes ist bis hoch zum oberen Sprunggelenk verändert. Röntgenbild des Knicksenk-Fuss von hinten. Sichtbar ist die Änderung des Rückfußachse. Das Fersenbein ist nach außen gedreht. Die Stellung des Rückfußes ist bis hoch zum oberen Sprunggelenk sichtbar verändert. © Dr. med. Thomas Schneider

Was als Knick-Senkfuß bezeichnet wird, kann interindividuell ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem wie ausgeprägt die Komponenten vorliegen.

Die genaue Analyse der Fehlstellungskomponenten, am besten durch Röntgenbilder im Stehen, also unter Gewichtsbelastung des Fußes, lässt den Rückschluss auf die daran beteiligten Sehnen und Knochen zu. Das ist sehr wichtig für die Erarbeitung eines zielgerichteten konservativen oder operativen Behandlungsplanes.

Konservative Behandlung des Knick-Senk-Fuß: Orthopädische Einlagen

Konservative Heilung des Knick-Senkfuß

  1. Physikalische Therapie (Ultraschall und Kryotherapie)
  2. Physiotherapie zur Kräftigung
  3. Orthopädische Schuhe mit Fußbett
  4. Orthopädische Einlagen

Knick-Senkfuß-Fehlstellungen bei den meisten Patienten konservativ - ohne Operation - behandelbar. Ist der Knick-Senk-Fuß beschwerdefrei, wie bei den meisten jüngeren Patienten, wird auf eine Einlagenversorgung verzichtet.

Bei Patienten mit deutlichen Beschwerden wird eine Therapie erwogen. Linderung der Beschwerden wird in den meisten Fällen durch stützende orthopädische Einlagen erreicht. Einlagen sollen vor allem das Fußlängsgewölbe unterstützen.

Vorsicht bei Kortisoninjektionen
Häufig werden bei Sehnenentzündungen noch Kortisoninjektionewn vorgenomme. Die Entzündung kann durch Kortison zwar kurzfristig deutlich zurückgehen. Dafür steigt nach Kortisonbehandlung der Tibialis posterior-Sehne die Gefahr einer Sehnenruptur deutlich an. Wir empfehlen Kortison daher nicht.
Sie müssen daher sehr stabil und fest sein. Auch die Schuhe, in denen Sie getragen werden, müssen stabil und fest sein, um ein Durchtreten des Innenrandes der Einlage und des Schuhs zu verhindern. Die Qualität der Einlagen und der Schuhe sind ganz besonders wichtig für den Erfolg dieser Therapie des Knick-Senk-Fußes.

In unserer Klinik werden daher alle Schuhe und Einlagen in enger Zusammenarbeit mit dem orthopädischen Schuhmacher gefertigt. Die Schuhe und orthopädischen Einlagen werden engmaschig überprüft. Der Erfolg der konservativen Einlagenversorgung beruht ganz direkt auf der Qualität und Festigkeit der verwendeten Schuhe und Hilfsmittel.

Therapie der Tibialis posterior Insuffizienz

Die Funktion der Tibialis posterior Sehne (gelb eingezeichnet)  ist essentiell für ein aufrechtes Fußlängsgewölbe. Die Funktion der Tibialis posterior Sehne (gelb eingezeichnet) ist unverzichtbar für ein aufrechtes Fußlängsgewölbe. Zunächst versuchen wir, die Tibialis Posterior Sehne (gelb eingezeichnet) durch Training und Physiotherapie wieder zu kräftigen. Ist diese konservative Therapie nicht mehr möglich, planen wir eine operative Therapie: Ein keilförmiges Knochenimplantat (rot eingezeichnet) wird operativ eingesetzt, um das Fußgewölbe wieder aufzurichten. © Dr. Thomas Schneider

Die Therapie der Tibialis Posterior Sehne ist zentral für die Wiederherstellung des normalen Fußlängsgewölbes. In allen Fällen hat die konservative Therapie Vorrang. Wenn noch keine starke Schwächung oder gar ein Riss der Tibialis posterior Sehne vorliegt, können diverse Therapiemaßnahmen die Sehne wieder kräftigen. Da der Sehnenschwächung häufig ein Entzündungs-Prozess zugrundeliegt, haben entzündungshemmende Therapien Vorrang:

  • Ultraschalltherapie
  • Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (Ibuprofen etc)
  • Fußbettung mit stützenden Einlagen, um die Sehne vorübergehend zu entlasten.
  • Orthesen, die Gewölbe und Seitenbänder am oberen Sprunggelenk stützen.

Wenn diese Therapien nicht ausreichend sind, um den Entzündungsvorgang der Tibialis posterior Sehne (Tendosynovialitis) zu beenden, muss die Sehnenscheidenentzündung häufig auch operativ beseitigt werden: Durch Entfernung der entzündeten Anteile der Weichteilumgebung der Sehne Auf die operativen Maßnahmen bei der Insuffizienz der Tibialis posterior Sehne werden wir weiter unten ausführlicher eingehen.

Übungen gegen Knick-Senkfuß bei Insuffizienz der Tibialis posterior Sehne

Das Fußgewölbe lässt sich durch Muskeltraining und sensorische Übungen gezielt wieder aufbauen. Wenn die Tibialis posterior-Sehne intakt ist, kann regelmäßiges Training mit den nachfolgend dargestellten Übungen die Sehneninsuffizienz therapieren und das Längsgewölbe wieder stabilisieren. Gesunde Patienten mit leichten Beschwerden können diese Übungen als Vorbeugung gegen den Knick-Senkfuß regelmäßig durchführen. Wenn Sie bereits deutliche Beschwerden oder eine akute schmerzhafte Reizung des Fußes haben, sollten Sie diese Übungen nicht ohne gründliche ärztliche Untersuchung und Beratung durchführen. Insbesondere die Stabilität und Entzündungsfreiheit Ihrer Tibialis posterior Sehne sollte gegeben sein, bevor Sie anfangen, das Fußgewölbe durch Übungen zu kräftigen.

Übung 1: "Gewölbe bauen"

Übung gegen Knick-Senkfuß Übungen gegen Knick-Senkfuß: Gewölbe bauen. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de Übungsziel: Kräftigung der kurzen Fußmuskulatur zur Verbesserung des Längsgewölbes.

Ausgangsstellung: Sitz. Der Fuß ist unbelastet, flächig auf dem Boden platziert.

Ausführung: Ziehen Sie kräftig die Zehengrundgelenke zurück in Richtung Ferse. Sie können beobachten, wie sich das Fußlängsgewölbe hebt. Achten Sie darauf, dass Sie nicht mit den Zehen krallen und dass Groß- und Kleinzehenballen einen satten Kontakt zum Boden haben.
Führen Sie 1 – 2 Minuten eine rhythmische, federnde Bewegung durch.

Übung 2: "Kräftigung der kurzen Fußmuskulatur"

Fußanker: Übung gegen Knick-Senkfuß Übungen gegen Knick-enkfuß: Fußanker © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Übungsziel: Kräftigung des Längsgewölbes

Hilfsmittel: Gymnastikband

Ausgangsstellung: Stand: Das eine Ende des Gymnastikbandes ist unter dem äußeren Drittel der Ferse platziert, das andere Ende unter dem Großzehengrundgelenk. Bringen Sie nun das Gymnastikband auf Spannung.

Ausführung: Achten Sie darauf, dass Sie besonders an den Punkten des Gymnastikbandes fest verwurzelt sind. Auch Kleinzehenballen und die Zehen sollten einen satten Kontakt zum Boden haben. Richten Sie Ihr Längsgewölbe auf, ohne die Enden des Gymnastikbandes zu verlieren.

Übung 3: "Kräftigung der tiefen Schienbeinmuskulatur"

Fußanker: Übung gegen Knick-Senkfuß Übungen gegen Knick-Senkfuß: Kräftigung des Musculus tibialis posterior © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Übungsziel: Kräftigung des Musculus tibialis posterior

Hilfsmittel: Gymnastikband

Ausgangsstellung: Sitz. Ein Gymnastikband wird seitlich auf Höhe des Fußes befestigt. Wickeln Sie das Band so um den Vorfuß, dass der Zug des Bandes von außen kommt. Der Fuß wird in Vorspannung positioniert.

Ausführung: Ziehen Sie das Band mit dem Fuß nach innen. Der Fuß sollte zu Beginn der Übung leicht ausgestreckt sein. Die Zehen können verstärkend mitaktiviert werden. Ein Einkrallen ist möglich. Überprüfung: Der markierte Bereich an der Unterschenkelinnenseite muss sich bei der Übung anspannen. Dies kann man zusätzlich tasten.

Übung 4: "Kräftigung der tiefen Wadenbeinmuskulatur"

Kräftigung des Peroneus longus: Übung gegen Knick-Senkfuß Übungen gegen Knick-Senkfuß: Kräftigung des Peroneus longus © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Übungsziel: Kräftigung des Musculus peroneus longus

Hilfsmittel: Gymnastikband

Ausgangsstellung:Sitz. Das Knie des betroffenen Fußes ist nach außen gekippt und bleibt dort während der gesamten Übung. Der Fuß ist auf den Außenrand gekippt. Schieben Sie das Ende des Gymnastikbandes unter das äußere Drittel der Ferse und ziehen Sie dann eine Schlaufe um das Großzehengrundgelenk. Führen Sie das Band nach außen und halten oder fi xieren Sie es dort.

Ausführung: Drücken Sie nun das Großzehengrundgelenk zum Boden und achten Sie darauf, dass das Knie außen bleibt und die Ferse nur außen belastet ist.

Operation des Knick-Senk-Fußes

Die operative Behandlung des Knick-Senkfußes hängt natürlich ab von Stadium der Erkrankung. Die OP-Indikation bei Knick-Senkfuß sollte sehr zurückhaltend gestellt werden. Auf Grund der dynamischen Situation im Fußgewölbe kann durch Training und Muskelkräftigung sehr viel erreicht werden. Ausnahmen sind Situationen mit chronischen Sehnenentzündungen oder gar Rupturen der Tibialis-Sehne.

Ein zweiter Problemkreis, der chirurgisch erfolgreich behandelt wird, sind kontrakte Fehlstellungen des Rückfußes mit bereits eingetretenen Arthrose-Veränderungen der Fußgelenke. Bei richtiger Indikationsstellung sind die operativen Therapien des Knick-Senkfußes sehr erfolgreich und nachhaltig. Je nach Art des Eingriffes (z.B. bei Knochenumstellungen) kann es aber relativ lange dauern, bis die vollständige Belastbarkeit wieder hergestellt ist. Wir wollen diese Eingriffe daher sorgfältig abwägen.

Operative Behandlung der Insuffizienz der Tibialis posterior Sehne

Die Operation der Tibialis posterior Sehne ist dann noch erfolgversprechend, wenn die erworbene Knick-Senkfußfehlstellung noch nicht zu Arthrose der Fußgelenke geführt hat. Wenn die Fehlstellung also noch weich ist und orthopädische Einlagen alleine keine dauerhafte Besserung bringen, kann eine Operation oder Rekonstruktion der Tibialis Posterior Sehne das Fußlängsgewölbe wieder stabilisieren.

Operation der Sehnenentzündung der Tibialis Posterior Sehne

Im Anfangsstadium der Tibialis-Posterior-Sehnen-Insuffizienz genügt häufig noch eine Entfernung des entzündeten Bindegewebes um die Sehne (Synovektomie).

Häufig ist die Sehnenhaut der Tibialis posterior-Sehne entzündlich verändert (Tenosynovialitis). Eine minimalinvasive Sehnenoperation kann die entzündeten Bereiche der Sehnenhaut in der beseitigen. Im Bedarfsfall kann die Tibialis posterior-Sehne auch an geschwächten Bereichen - leicht verkürzt und neu vernäht ("gerafft") werden. Die Entfernung der entzündeten Bereiche sollte ein weiteres Voranschreiten der Entzündungserkrankung der Tibialis-Sehne verhindern.

Ersatz der Tibialis Posterior Sehne durch ein körpereigenes Transplantat

Korrektiur des Knick-Senkfuß durch Osteotomie Links: Knick-Senkfuß-Fehlstellung. Rechts: Korrektur des Knick-Senkfußes durch eine Osteotomie (Einbau) eines Knochenkeiles (rot eingezeichnet) in den Fußwurzelknochen. Die Fußlängsachse wird dadurch wieder korrigiert, das Fußgewölbe wird wieder aufgerichtet. © Dr. med. Thomas Schneider

Bei fortgeschrittener Sehnendegeneration kann ebenfalls die Entfernung des entzündeten Gewebes vorgenommen werden. Das kann bei starker Degeneration oder Ruptur der Tibialis posterior-Sehne verbunden werden mit einer Sehnenraffung (Neuvernähen stabiler Sehnenanteile unter Entfernung besonders degenerierter Bereiche). Auch einen Sehnentransfer-Operation ist bei fortgeschrittener Degeneration der Tibialissehne häufig indiziert.

Die Tibialis posterior Sehne kann durch ein körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt werden. Voraussetzung für den Erfolg dieser Transplantation ist eine noch vorhandene Funktion des Tibialis posterior Muskels. Der Muskelbauch muss noch vorhanden sein: Wenn ein Muskel ganz zurückgebildet ist, wird der durch Fetteinlagerung ersetzt. und nicht ganz zurückgebildet sein. Das Transplantat wird ebenfalls am Fuß gewonnen: Die in der Nähe liegende lange Zehenbeugersehne (Musculus flexor digitorum longus) eignet sich sehr gut dafür. Die Einschränkung durch die Verlagerung der Sehne ist sehr gering: Die Zehenbeweglichkeit ist lediglich etwas herabgesetzt. Der geringere Muskelzug der Sehnenverlagerung führt aber häufig dazu, das die Transplantationsoperation mit zusätzlichen stützenden Eingriffen an den Knochen verbunden wird.

Knöcherne Eingriffe zur Stabilisierung einer Knick-Senkfußfehlstellung.

Schwere Insuffizienzen der Tibialis Posterior Sehne können bereits zu weit fortgeschritten und der konservativen Therapie nicht mehr zugänglich sein.

Junge Patienten bilden auch bei Fehlstellungen der Fußgelenke Knorpel und Gelenkschmiere zwischen den Fußgelenken aus. Bei älteren Patienten mit Knick-Senk-Fuß kann dagegen eine schmerzhafte Arthrose der Fußgelenke auftreten. Häufig wird diese Fehlstellung auch kontrakt: Sie ist also nicht mehr passiv rückführbar. Wenn durch lange Fehlbelastung der Füße bei älteren Patienten eine schwere und schmerzhafte Arthrose der Fußgelenke aufgetreten ist, kann häufig nur noch eine Versteifung (Arthrodese) der betroffenen Gelenke eine schmerzfreie Funktion der Fußgelenke herstellen. Es gibt verschiedene knöcherne Eingriffe, die einen kontrakten Knick-Senkfuß therapieren können.

Bei starker Sehnendegeneration in Verbindung mit einer kontrakten Fehlstellung des Rückfußes und bereits deutlicher Arthrose und Veränderung der unteren Sprunggelenke kann sogar eine Arthrodese (Versteifung) des unteren Sprunggelenkes indiziert sein - bis hin zur sog. Triple-Arthrodese. Die Triple-Arthrodese versteift alle gelenkigen Verbindungen des Sprungbeines: Nach hinten/unten zum Fersenbein, nach vorne zum Kahnbein sowie die Verbindung zwischen Fersenbein zum Würfelbein. Die Triple-Arthrodese kann die räumlichen Verhältnisse im Fußlängsgewölbe wiederherstellen. Schmerzhaft-arthrotische Gelenke werden durch die therapeutische Versteifung schmerzfrei. Dabei bleibt die Funktion des Rückfußes - Ausgleich von Bodenunebenheiten - nicht erhalten. Die Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk bleibt aber normal.

Knöcherne Eingriffe zur Normalisierung der Fuß-Stellung

 Die Achillessehne wird beim Gehen bei der Fehlstellung des Fersenbeines nicht ausreichend gedehnt: Damit kommt es zur Verkürzung der Achillessehne.  LINKS: Normalstellung des Fersenbeines. RECHTS: Fehlstellung des Fersenbeines führt zur Verkürzung der Achillessehne. Die Achillessehne wird beim Gehen bei der Fehlstellung des Fersenbeines nicht ausreichend gedehnt: Damit kommt es zur Verkürzung der Achillessehne. LINKS: Normalstellung des Fersenbeines. RECHTS: Fehlstellung des Fersenbeines führt zur Verkürzung der Achillessehne. © Dr. Thomas Schneider

Verschiebungsoperation des Fersenbeines (Mediale Displacement Osteotomie bzw. MDO:)
Die knöcherne Verschiebung oder Verlängerung des Fersenbeines ist geeignet, die Fehlstellung des Rückfußes auszugleichen und dadurch zu beheben. Durch die Verlagerung des Fersenbeines nach Innen wird auch die Zugrichtung der Achillessehne verlagert. Das trägt zur insgesamt aufrichtenden Wirkung dieses Eingriffs auf den Fuß bei. Der MDO-Eingriff (Mediale Displacement Osteotomy) ist vor allem bei der Korrektur der Knick-Komponente der Knick-Senkfußfehlstellung sinnvoll.

Die Fehlstellung des Fersenbeines verändert auch die Zugwirkung der mächtigen Achillessehne: Bei der Fehlstellung des Fersenbeines wird die Achillessehne nicht ausreichend gedehnt und verkürzt. dies Verkürzung spielt später eine Aktive Rolle beim Aurechterhalten der Knick-Senkf-Fußfehlstellung. Durch Normalisierung der Fersenstellung wird diese Verkürzung der Achillessehne verhindert.

Spreizung des Fersenbeines durch Einbringen eines Knochenkeils (Hintermann-Technik oder Evans-Osteotomie):
Ein Schnitt im äußeren Bereich des Fersenbeines ermöglicht das Einbringen eines Knochenkeiles (z.B. Beckenkammknochen) eine Stellungskorrektur des Fersenbeines. Diese stellungskorrigierende Operation wird auch als "säulenverlängernde" Operation bezeichnet. Sie bewirkt eine Stellungsveränderung des Vor- und Mittelfußes gegenüber dem Sprungbein.

Durch Operation des talonavikularen Gelenks kann das Fußlängsgewölbe wieder aufgerichtet werden. © Dr. Thomas Schneider Durch Operation des talonavikularen Gelenks kann das Fußlängsgewölbe wieder aufgerichtet werden. © Dr. Thomas Schneider Versteifung (Arthrodese) des Talonaviculargelenks zwischen Fußwurzel und Mittelfußknochen:
Im Bereich des Überganges zwischen Fußwurzel und Mittelfußknochen (Metatarsalknochen) kann durch Einbringung eines Knochenkeiles eine dauerhafte Aufrichtung des Fußlängsgewölbes erreicht werden. Die Versteifung erfolgt im vorderen inneren unteren Sprunggelenk. Diese Versteifung ist immer dann notwendig, wenn der Innenbandkomplex und die das Fußgewölbe aufrichtende Tibialis posterior Sehne nicht funktionell ersetzbar sind.

Umstellung der Fußwurzel durch Einsetzen eines Knochenkeiles am Fußgewölbe:
Wenn die Sehnen (Innenband und Tibialis Posteiorsehne) das Fußgewölbe nicht mehr stabilisieren, dann gibt es die Möglichkeit, durch Einbau eines körpereigenen Knochenkeiles das Fuß-Längsgewölbe wieder herzustellen.

Rehabilitation nach der Knick-Senk-Fuß-Operation

  • Elastische Wickelung des Fußes mit Kompressionsverband.
  • Antiobiotikaprophylaxe gegen Infektionen.
  • Hochlagerung des Beines wann immer möglich.
  • Thromboseprophylaxe (Heparinspritzen) bis zur Vollbelastung.
  • Starrer "Walker" Schuh für 6 Wochen mit Teilbelastung (20kg).
  • Röntgenkontrollen nach der 4. und der 8. Woche nach der Operation.
  • Aufbau der Vollbelastung ab der 6. Woche.
  • Sitzende Tätigkeiten ab vollendeter Wundheilung möglich.
  • Beruflich ist Stehen und Gehen unter Vollbelastung ab der 8. der Woche nach der Operation möglich.
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