Orthopädische Gelenk-Klinik

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Hallux valgus: Symptome, Diagnose und Folgeerkrankungen

Hallux valgus ist lateinisch für Schiefzehe. Es ist eine der haeufigsten Fehlstellungen des Vorderfußes.Abb. 1: Fuß mit Hallux Valgus. Der stark hervortretende Zehenballen ist entzündet und schmerzhaft. Der benachbarte Zehne zeigt durch den Druck des einwärts gerichteten Großzehen eine deutliche Hammerzehen-Fehlstellung. © Dr. Thomas Schneider

Der Hallux Valgus ist mit einer Häufigkeit von bis zu 23% die häufigste Fehlstellung des Vorfußes. Bei den über 65-jährigen haben sogar 35% der Untersuchten einen Hallux valgus. In vielen Fällen ist der Hallux noch beschwerdefrei. Beschwerden sind in vielen Fällen nicht einmal anhängig vom Grad der Fehlstellung. So ist der Hallux valgus gerade für Frauen in vielen Fällen zunächst ein rein kosmetisches Problem. Das erste Problem entsteht in der Regel durch die Fußballen-Exostose - der Schwellung am Fußinnenrand. Das Tragen passender Schuhe wird dadurch erschwert. Viele Patienten weichen auf größere Schuhgrößen aus, um dem Überbein mehr Raum zu geben und die Reibung im Schuh zu vermindern. Die Beschwerden sind nicht abhängig vom Ausmaß der Hallux Fehlstellung: Bereits kleine Hallux valgus Abweichungen können bei manchem Patienten sehr schmerzhaft sein.

Wie erkennt der Fußspezialist einen Hallux valgus?

Hallux valgus Symptome

  • Drehung der Großzehe zum Fußaußenrand
  • Drehung der Großzehe um sich selbst.
  • Vorstehendes Zehenköpfchen am Fußinnenrand.
  • Zehengrundgelenk ist innen Hornhaut überzogen.
  • Oft entzündete, gerötete Haut
  • Schleimbeutelschwellung und Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Hammerzeh- und Krallenzeh-Deformität benachbarter Zehen.
  • Spreizfuß.

Ein Hallux valgus kann vom Fußspezialisten wegen der charakteristischen Fehlstellung schon durch den Augenschein diagnostiziert werden. Es genügt die Fußinspektion des barfuß stehenden Patienten. Ein Hallux valgus liegt vor, wenn der Winkel an Großzehengrundgelenk im Fußinnenrand mehr als 20° beträgt. Bei einem schweren Hallux valgus beträgt dieser Winkel sogar 45° oder mehr. Oft findet der Orthopäde bei Hallux Fehlstellung eine Rötung oder Entzündung des hervorstehenden Zehenköpfchens des Großzehens. Dieses Überbein am Zehengrundgelenk entsteht durch die Einwärtsdrehung (Valgus-Stellung) des Großzehens.

Bursitis (Schleimbeutelenzündung) am Zehenballen

Zusätzlich verdickt sich bei Hallux valgus oft der Schleimbeutel (Bursa) im Zehenballenbereich. Das ist eine Folge der Reibung des Knochens gegen das Material des Schuhs. Das kann zu weiteren schmerzhaften Schwellungen beitragen. Entzündet sich der Schleimbeutel noch (siehe: bakterielle oder nichtbakterielle Bursitis), steigt der mit Hallux Valgus verbundene Leidensdruck durch den Entzündungsschmerz weiter an.

Hallux valgus: Mittelfußschmerzen durch geringe Trageleistung des Großzehens

Viele Patienten, die sich mit Hallux valgus vorstellen, haben auch Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie). Woher kommt das?

Beim Gehen hier besonders beim Abrollen trägt der Vorfuß kurzzeitig das gesamte Körpergewicht, verteilt auf die Mittelfußknochen.

Die Hallux valgus Fehlstellung führt oft zu einer Überlastung der benachbarten Kleinzehen am Vorfuß. Die Hallux valgus Fehlstellung führt durch mangelnde Funktion der Großzehe (Insuffizienz) beim Gehen oft zu einer Überlastung der benachbarten Kleinzehen. Oben: Gesunden Zeh. Die kleinen Sesambeine liegen normalerweise symmetrisch über dem Großzehenstrahl. Unten: Hallux valgus. Die Sesambeinschlinge, liegt seitlich neben dem Großzehenstrahl und wird daher ineffizient. Die den Großzehen umgebenden Weichteile (gelb) sind ebenfalls verschoben. Die rot markierten Stellen sind bei Transfermetatarsalgie besonders belastet. Hier findet häufig Schwielenbildung statt. © Dr. Thomas Schneider

Die Mittelfußschmerzen bei Hallux valgus hängen im wesentlichen mit der sog. Insuffizienz des ersten Zehenstrahles zusammen. Mit Insuffizienz meint man die geringere Trageleistung. Der erste Mittelfußknochen (die Großzehe) trägt also beim Abrollen durch seine veränderte Stellung nicht mehr die Belastung eines normalen Fußes.

Alternative Ursachen für Mittelfußschmerzen

Trägt die Großzehe nur noch 50% der Belastung beim Gehen, müssen die benachbarten Mittelfußknochen der Kleinzehen die Belastung übernehmen. Natürlich ist der direkt benachbart liegende Knochen derjenige, der die Belastung größtenteils übernimmt.

Die benachbarten Mittelfußknochen sind nicht dafür gebaut, die Aufgabe der Großzehe beim Gehen zu übernehmen. Ihre Gelenkkapseln, Bändern, Sehnen und Muskeln sind für andere Belastungen ausgelegt.

Podometrie Pedobarographie FussdruckmessungPodometrie zeigt eine typische Transfermetatarsalgie. Die Großzehe ist auf der rechten Seite nicht mehr belastet.

Hallux Valgus und Fußabdruckmessung (Pedobarografie oder Podometrie)

Die Podometrie misst die Druckverteilung unter den Fußsohlen sowohl beim Stehen als auch dynamisch, beim Abrollen. Im Bild deutlich sichtbar ist die ungleiche Druckverteilung der beiden Füße. Daraus kann der Arzt allgemeine Fuß-Fehlstellungen oder muskuläre Ungleichgewichte ablesen. Über die Messung der statischen Druckverteilung des Fußes kann Funktion des Fußes und der Belastungsachse von Fuß und Bein ermittelt werden. Auch bei Hallux valgus ist die Podometrie eine wichtige Diagnosemethode

Weiterlesen zu Fußabdruckmessung und Podometrie...

Daher kommt es gerade beim Hallux valgus mit Schwächung der Großzehenfunktion zu Mittelfußschmerzen. Man spricht daher von einer Transfermetatarsalgie: Metatarsalgie ist Mittelfußschmerz. Dieser Mittelfußschmerz entsteht durch Überlastung der Zehenstrahlen der Kleinzehen wegen des Gewichtsübertrages von der weniger aktiven Großzehe. Das Paradoxe an der Transfermetatarsalgie: Der erste Zehenstrahl (Großzehe) bleibt dabei häufig schmerzfrei, weil er beim Abrollen durch eine Ausweichbewegung entlastet wird. Nur die benachbarten, überlasteten Zehenstrahlen der Kleinzehen schmerzen. Dennoch ist das ein Problem des ersten Zehenstrahls, also der Großzehe.

Diese Übertragung der Last (Transfermetatarsalgie) als Folge des Hallux valgus wird häufig nicht angemessen diagnostiziert.

Es werden zahlreiche andere Schmerzquellen in Betracht gezogen. Die Diagnose ist nicht einfach, weil sich tatsächlich auf der Grundlage des Spreizfußes und der Hallux valgus Fehlstellung mehrere Ursachen vom Mittelfußschmerzen überlagern können.

In einem fortgeschrittenen Stadium der Transfermetatarsalgie erkennt man die Gewichtsverlagerung an der verstärkten Schwielenbildung unter den Kleinzehenköpfchen.

Auch weitere Fehlstellungen der Kleinzehen (Hammerzehen und Schneiderballen) sind im Rahmen des Spreizfußes zu erwarten.

Konkrete Folgen der Überlastung der Kleinzehen bei Hallux valgus (Transfermetatarsalgie)

  1. Schmerzen unter der Fußsohle:

    Durch die Übernahme der Last beim Abrollen von dem fehlgestellten Schiefzehe (Hallux valgus) durch die kleinen Zehen, entsteht ein Schmerz unter der Fußsohle. Auch beim Stehen übernehmen die Kleinzehen mehr Last. Besonders wenn der Mittelfußknochen 2 besonders lang ist, sind Patienten von dem Schmerz unter der Fußsohle als Folge der Transfermetatarsalgie betroffen.

  2. Schmerzen der Zehengrundgelenke der Kleinzehen:

    Hier stehen permanente Verletzungen der Kapselgewebe der Zehengrundgelenke durch Überlastung im Vordergrund. Das führt zu Mehrbeweglichkeiten (Instabilität) der Kleinzehengelenke. Auch ein schmerzhafter permanenter Erguss und eine entzündliche Reizung des Zehengrundgelenks kann daraus entstehen.

  3. Schädigung der "plantaren Platte":

    Durch die Schwächung der Gelenkkapsel werden auch die Zehengrundgelenke umgebenden Sehnen und Bindegewebe (die "plantare Platte") dauerhaft geschwächt. Das betrifft insbesondere die Unterlage der Fußköpfchen (Zehengrundgelenke) an der Fußsohle, die den Kapselbandstrukturen der Zehen beim Gehen einen stabilen Halt geben.

  4. Sehnendysfunktion und Muskelungleichgewichte am Vorfuß:

    Die Knochen des Fusses sind durch zahlreiche kleine Muskeln miteinander verbunden. Diese sog. intrinsischen Muskeln sorgen für die Stabilität der Fußform und der Fußgewölbe. Durch die Transfermetatarsalgie verlieren sie in noch stärkerem Masse ihre Funktion, der Spreizfuß verstärkt sich. Damit ist, ausgehend von der Hallux valgus Erkrankung ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der den Fußverfall stark beschleunigt.

Beweglicher und Kontrakter Hallux valgus

Der Hallux valgus ist anfangs noch passiv ausgleichbar (beweglich). So kann er etwa durch Schuh-Einlagen oder nächtlich getragene Hallux-Orthesen zeitweise wieder begradigt werden. Der fortgeschrittene Hallux valgus versteift jedoch endgültig in der Fehlstellung und wird zum kontrakten Hallux valgus. Die kontrakte Hallux Fehlstellung kann dann auch nicht mehr passiv ausgeglichen werden.

Klinische Untersuchung

Aspekte der Untersuchung

  • Beweglichkeit bzw. Kontraktheit
  • Hornhaut und Schwielenbildung
  • Rötung
  • Schwellung
  • Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks (Arthrose)
  • Entzündung und Bursitis
  • Schmerzhaftigkeit
  • Gangbild
  • Vorfußbreite (Spreizfuß)
  • Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) durch Überlastung der Kleinzehen bei Hallux valgus

Die klinische Untersuchung ist unabdingbar, denn ohne diese kann man bei Hallux valgus keine zuverlässige Therapieentscheidung treffen.

Der Fußspezialist beachtet die Kontraktheit der Hallux valgus Fehlstellung: Je straffer (kontrakter der Hallux valgus um so schwieriger wird eine Korrektur durch Schienen und konservativen Übungstherapie (Fußschule).

Die geänderte Stellung der Großzehe ist ebenfalls wichtig: Die Innendrehung weist auf die Drehung der Sesambeinschlinge hin. Das ist eine charakteristische Fehlstellung der Weichteile um den Mittelfußkopf.

Überstehenden Knochen am inneren Fußrand weisen auf die Verschiebung des Mittelfußknochens (Metatarsale) nach innen hin.

Die Beurteilung der Vorfußbreite ist zentral für die Einschätzung des Hallux valgus.

Die Hornhautbildung ("Beschwielung") unter den Mittelfußknochen bzw. den Zehen zeigt langfristige Änderungen der Druckverhältnisse beim Abrollen des Fußes an.

Eine kleine Schwiele unter dem 2. Mittelfußkopf zeigt klinisch eine Transfermatatarsalgie (Schmerzen in den Zehenstrahlen der kleinen Zehen durch Übertragung der Last, die normalerweise die Großzehe trägt).

Die Beweglichkeitsprüfung des Großzehengrundgelenkes ist ein wichtiger Teil der Untersuchung. Diese gibt Aufschluss über die bereits vorhandenen Schäden im Gelenk: Der Verschleiß des Großzehengrundgelenks erschwert die die gesamte Therapie und schränkt die Therapieperspektive ein.

Diagnose des Hallux valgus durch Bildgebung

Hallux Valgus vor der OperationRöntgenbild: Füsse mit beidseitigem Hallux valgus, Schiefzehe (von oben) Deutlich sichtbar ist das für Hallux valgus typische Abknicken der großen Zehen nach Innen im Großzehengrundgelenk. © Wikipedia

Bei der Röntgen-Untersuchung werden die Bilder einer Vorfußaufnahme bewertet. Wichtig: Die Röntgenbilder müssen im Stehen. also unter Gewichtsbelastung aufgenommen werden. Nur so kann die Funktion des Fußes auf dem Röntgenbild gezeigt werden.

Die Untersuchung findet in mindestens 3 Ebenen statt: Die Aufnahmen müssen belastet durchgeführt werden. Das Röntgen ist bei Hallux valgus lediglich eine Absicherung der Diagnose und gibt Anhaltspunkte für eine Therapieempfehlung.

Das Messen von Fehlstellungs-Winkeln im Röntgenbild unterstützt die klinische Untersuchung, ist aber nicht wirklich verlässlich. Auch die Funktion, wie Stabilität und Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks sind im Röntgen nicht nachzuweisen.

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