Orthopädische Gelenk-Klinik

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"Schnellender Finger" - eine Sehnengleitstörung der Hand

  1. Was ist der "schnellende Finger"?
  2. Wer leidet unter dem "schnellenden Finger"?
  3. Woran erkennt der Orthopäde den "schnellenden Finger"?
  4. Wie behandelt der Orthopäde den "schnellenden Finger"?
  5. Ringbandspaltung: Die Operation des Springfingers

Literatur

1. Was ist der "schnellende Finger"?

schnellender Finger Anatomie Die wie ein Fingerring um die Fingergelenke verlaufenden Ringbänder führen die Sehnen nahe an den Gelenken: So werden sie nicht wie eine Bogensehne aufgespannt. Das Syndrom des schnellenden Fingers oder Springfingers beruht auf knotigen Verdickungen in den Sehnen der Finger: Diese Verdickung bleibt an den quer zur Sehne verlaufenden Ringbändern der Fingergelenke hängen. Wenn sich diese Blockade bei Streckung des Fingers mit einem Ruck löst und die Verdickung durch das Ringband gleitet, kommt es zu dem Symptom des schnellenden Fingers © anka friedrichs @ wikimedia

Der "schnellende Finger" - auch "Springfinger" genannt - ist meistens eine verschleißbedingte Erkrankung der Fingersehne am ersten Fingergelenk. Es tritt meist an den Handinnenfläche auf. Durch die Verdickung der Sehne gleitet die Fingersehne nicht mehr durch die Sehnenscheiden des Fingers und wird blockiert.

Die Betroffenen müssen dann hohe Kräfte aufwenden, um die Fingersehne aus der Blockade zu befreien. Häufig müssen sie dfür sogar die andere Hand zu Hilfe nehmen, um die nötige Kraft aufzubringen. Ist der Widerstand des Knötchens am Ringband endlich überwunden, schnellt der Finger mit großer Kraft aus der Blockade in die Streckung. Der feinmotorische Gebrauch der Hand ist unter diesen Umständen nicht mehr ohne Weiteres gegeben. Der Leidensdruck der betroffenen Patienten ist hoch. Mit einer ambulant durchführbaren Operation, der sog. Ringbandspaltung, kann die Gleitfähigkeit der Fingerbeugesehne und damit die normale Fingerbeweglichkeit wieder hergestellt werden.

Wichtige Begriffe und Synonyme

Digitus saltans = Schnellender Finger

Tendovaginitis stenosans = Sehnenscheidenentzündung der Fingerbeugesehnen

Ligamentum anulare = Ringband des Fingers

Was führt zur Entstehung des schnellenden Fingers?

Die Fingerbeugesehnen werden von kräftigen Muskeln des Unterams gesteuert. Von leichten, feinmotorischen Aufgaben bis zum kräftigen Zupacken reicht ihr Aufgabenspektrum. Diese Fingersehnen gleiten durch Sehnenscheiden, die zur Ernährung und Fixierung der Sehnen beitragen. In der Nähe der Fingergelenke sind die Sehnenscheiden besonders fest und zäh, um auch bei hoher Kraft präzise Bewegungen der Finger zu ermöglichen.

Wenn wir einen Turner anschauen, können wir uns vorstellen, welchen Aufgaben unsere Finger und Hände gewachsen sind. Bei Reckübungen halten die Finger in größter Präzision häufig ein Vielfaches des beschleunigten Körpergewichts, und ermöglichen Griffe und Übungen in hoher Präzision.

Teil dieser Fingerbeugesehnen sind die kräftigen Ringbänder. An jedem Finger verlaufen um die Finger die wichtigen Ringbänder, die jeweils 1-3 cm Durchmesser haben: Die Ringbänder verhindern auch bei hoher Kraftanwendung, dass die Sehnen sich an der Beugeseite der Hohlhand bei hoher Kraftwirkung aus der Fingerbeuge lösen und wie die Sehne eines Bogens herausstehen ("Bogensehnen-Effekt").

Bei der Tendovaginitis stenosans ist fast immer das 1. von 4 Ringbändern betroffen (sog. A1-Ringband): Durch eine Sehnenscheidenentzündung der Beugesehnen werden die Sehnenscheiden immer enger. Durch die Enge steigt die Reibung der Strecksehne in den Sehnenscheiden. Vor allem im Bereich der A1-Ringbänder, des 1. Ringbandes des Fingers, ist die Enge und Reibung besonders groß. Die Strecksehnen reagieren auf diese Reibung durch Knötchenbildung. Wegen des starken Drucks ist die Wahrscheinlichkeit der Knötchenbildung in Höhe des A1 Ringbandes besonders hoch. Die geordnete Faserstruktur im Inneren der Beugesehnen verändert sich also. Diese Knötchen können sich beim Gleiten der Beugesehnen durch die Ringbänder verhaken und die Bewegung blockieren.

Die Knötchen an den Sehnen lassen sich nicht direkt therapieren: Es ist daher zunächst immer empfehlenswert, zunächst die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) zu heilen, um die Enge der Beugesehnen zu beseitigen. Wenn sich schon knötchenartige Verdickungen gebildet haben, entwickelt die Springfingererkrankung aber eine Eigendynamik: Durch die Blockade und die Reibung der Knötchen steigt die Reibung an den Sehnenscheiden abermals an.

Wer leidet unter dem schnellenden Finger?

Den "schnellenden Finger" findet man sehr viel häufiger bei Frauen als bei Männern. In den meisten Fällen wird der schnellende Finger erst nach dem 60 Geburtstag erstmals diagnostiziert.

Oft wird der "schnellende Finger" zusammen mit einem "Karpaltunnelsyndrom" beobachtet: Auch beim Karpaltunnelsyndrom kann eine verschleißbedingte Größenzunahme der Sehne bzw. Einengung der Sehnenscheide durch Entzünung Druck auf die Nerven (Nervus Medianus) ausüben.

Ebenso, wie das Karpaltunnelsyndrom, kommt der "schnellende Finger" häufig in Kombination mit Diabetes (Zuckerkrankheit) vor.

Ein weiterer Faktor, der häufig das Vorkommen der Tendovaginitis stenosans beeinflusst: Die Arthrose der Fingergelenke (Bouchardarthrose oder Heberdenarthrose). Die Fingerarthrose ist nicht ursächlich für den Springfinger, tritt aber recht häufig als Begleiterkrankung auf. So ist es wahrscheinlich, dass einige der Faktoren, die die Fingerarthrose begünstigen, auch die Entstehung der Tendovaginitis stenosans wahrscheinlicher machen.

Im Extremfall kann der "schnellende Finger" die Streckbewegung des Fingers auch ganz blockieren, so daß der Finger nicht mehr ohne die Hilfe der anderen Hand aus der Beugung gelöst werden kann.

3. Woran erkennt der Orthopäde den "schnellenden Finger"?

Das wichtigste Symptom des "schnellenden Fingers" ist namensgebend: Die ruckartige Bewegung des Fingers, die dann eintritt, wenn sich die Blockade der Sehnenverdickung am Ringband des Fingergelenks beim Strecken oder Beugen des Fingers ruckartig löst.

Diese Blockade kann auch schmerzhaft sein.

Am Morgen nach der Nachtruhe ist die Blockade am schmerzhaftesten.

Wenn der Extremfall eintritt - ein vollständig blockierter Finger - spricht man vom "gefangenen Finger".

Der Orthopäde muß bei der Untersuchung Fingerarthrose (Polyarthrose) ausschließen. Das geschieht über eine Röntgenuntersuchung der Hand.

Wie behandelt der Orthopäde den "schnellenden Finger" ?

Im Frühstadium kann der Orthopäde durch eine Injektion entzündungshemmender Mittel in der Nähe der Schwellung die Verdickung Sehne zum Abschwellen bringen. Diese Spritze ist jedoch nicht risikofrei. Es besteht die Gefahr des Sehnenrisses, wenn die Spritze die Sehne erreicht. Der Erfolg ist meist nur vorübergehend.

Auch nicht steroidale Rheumatika (NSAR) wie Voltaren oder Ibuprofen könne das Abschwellen vorübergehend unterstützen

Auch Bewegungstherapie und Bewegungsübungen können die Symptome der Tendovaginitis stenosans lindern.

Operation des Springfingers: Ringbandspaltung

schnellender Finger: Ringbandspaltung Nach der Ringbandspaltung heilt das Ringband innerhalb von 3 Wochen wieder zusammen, hat aber einen größeren Durchmesser. © anka friedrichs @ wikimedia

Mit konservativen Therapiemethoden ist in der Regel keine dauerhafte Besserung zu erzielen, lediglich Symptome werden gemildert. Vor allem wenn die Beugesehne bereits das typische, am Ringband A1 blockierende Knötchen gebildet hat, ist eine ambulante Operation meist unvemeidbar. Der erhöhte Druck des Knötchens am Ringband verstärkt die Sehnenscheidenentzündung - die Erkrankung verstärkt sich also selbst immer weiter. Daher ist die ambulante Operation, ambulant durchführbarer, mikrochirurgischer Eingriff, unvermeidlich.

Bei der Operation des Springfingers wird das Ringband und die krankhaft veränderte Sehnenscheide über dem Knötchen gespalten. Das Ringband ist Teil der Sehnenscheiden. Es ist zudem an den Fingerknochen befestigt. Nach der Ringbandspaltung entsteht also nur eine kleine Öffnung, das Band selbst bleibt in der Position. Nach c.a. 3 Wochen heilt das operativ geweitete Ringband wieder zusammen, ist an der Stelle der Spaltung deutlich geweitet. Das führt dazu, das der Druck auf Beugesehne und Sehnenscheide abnimmt. Auch die Beugesehne mit Knötchen kann wieder ohne Widerstand durch die Ringbänder gleiten. Die etwas reduzierte Funktion des Ringbandes A1 wird meist von dem besonders breiten Ringband A2 übernommen. Im Ergebniss führt Operation zur Ringbandspaltung also zu einer Ringbandweitung. Im Anschluss ist dann eine freie Beweglichkeit wieder möglich.

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