Orthopädische Gelenk-Klinik

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Kreuzbandriss im Kniegelenk: Konservativ behandeln oder Kreuzbandoperation?

  1. Was ist ein Kreuzbandriss?
  2. Anatomie und Funktion des Kreuzbandes
  3. Ursachen des Kreuzbandrisses
  4. Symptome und Langzeitfolgen des Kreuzbandrisses
  5. Diagnose des Kreuzbandrisses
  6. Konservative Therapie des Kreuzbandrisses
  7. Kreuzbandrefixation: Zusammennähen des zerstörten Kreuzbandes
  8. Kreuzbandplastik durch Sehnentransplantat
  9. Rehabilitation nach Kreuzbandoperation

Die Kreuzbandverletzung oder der Kreuzbandriss ist gemeinsam mit dem Meniskusriss, die schwerste Sportverletzung im Kniegelenk. Im Leben von Fußballern wie Oliver Kahn oder Lothar Mathäus war ein Kreuzbandriss immer auch eine sportliche Krise. Auch bei operativer Rekonstruktion des gerissenen Kreuzbandes dauert es bis zu 6 Monate, bis der Patient wieder uneingeschränkt sportfähig ist. Durch ein geeignetes Präventionstraining kann der Gefahr von Kreuzbandverletzungen im Sport vorgebeugt werden. Durch den Riss (Ruptur) eines oder beider Kreuzbänder wird das Kniegelenk instabil. Die Sehnen, die sich im Kniegelenk kreuzen, verbinden Oberschenkel (Femur) und Schienbein (Tibia) miteinander. Ein Kreuzbandriss betrifft meist das vordere Kreuzband. Ursachen sind häufig Sportverletzungen, wie beispielsweise eine Verdrehung (Distorsion) des Knies beim Skifahren, oder ein Zusammenprall beim Ballsport. Ist ein Kreuzband gerissen, schwillt das Kniegelenk stark an und ein stechender Schmerz entsteht. In vielen Fällen geht der Kreuzbandriss mit einem Knack- oder Knallgeräusch einher und die Betroffenen spüren einen Ruck im Kniegelenk. Der Patient kann sein Knie nicht mehr in vollem Umfang bewegen. Um das Knie wieder zu stabilisieren und einer Kniearthrose vorzubeugen, kann das Kreuzband genäht oder durch ein Sehnentransplantat ersetzt werden.

Blick ins Kniegelenk von hinten: Deutlich sichtbar sind die kreuzförmig im Zentrum verlaufenden Kreuzbänder. Die knorpelbedeckten runden Oberschenkelrollen verlaufen in der vom Schienbeinplateau mit den schalenförmigen Menisken gebildete Gleitlager des Kniegelenk. Blick ins Kniegelenk von hinten: Deutlich sichtbar sind die kreuzförmig im Zentrum verlaufenden Kreuzbänder. Die knorpelbedeckten runden Oberschenkelrollen verlaufen in der vom Schienbeinplateau mit den schalenförmigen Menisken gebildete Gleitlager des Kniegelenk. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Was ist ein Kreuzbandriss?

Der Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Sportverletzungen im Knie. Die Kreuzbänder sind zentral im Kniegelenk verlaufende Sehnen. Sie stabilisieren Oberschenkelknochen und Schienbein und zentrieren ihre Position im Kniegelenk. Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist meist die Folge einer Sportverletzung. Der typische Unfallhergang ist der Sturz beim Skifahren. Beim Sturz dreht sich der Unterschenkel im Kniegelenk häufig nach außen. Mit dieser Distorsion (Verdrehung) reißt das vordere Kreuzband.

Auch beim Fußball, Basketball oder anderen Kontaktsportarten kann das Kreuzband durch Stürze oder Überlastung des Kniegelenks verletzt werden. Auslöser der Kreuzbandverletzung sind meist Verdrehungen im Knie.

Während des Unfalls hört der Patient häufig ein knackendes oder knallendes Geräusch: Dieses Geräusch ist typisch für das reißende Kreuzband.

Patienten können nach Kreuzbandverletzung zwar noch gehen und sind uneingeschränkt mobil, das Kniegelenk ist aber überbeweglich. Gemeinsam mit dem Kreuzbandriss entstehen oft auch Begleitverletzungen an Knochen, Knorpel und Meniskus. Häufig ist der Kreuzbandriss auch mit einem Meniskusriss oder Knochenknorpelschäden (osteochondrale Läsion) kombiniert.

Riss des hinteren Kreuzbandes

Das hintere Kreuzband reißt wesentlich seltener als das vordere Kreuzband. Hauptauslöser ist meist ist ein Verkehrsunfall. Dabei kollidieren die Knie häufig mit dem Armaturenbrett. Der Unterschenkel wird mit sehr hoher Krafteinwirkung plötzlich relativ zum Oberschenkel nach hinten gedrückt.

Ursachen des Kreuzbandrisses

Nach einer Verdrehung des Kniegelenks sind nicht nur die Kreuzbänder beschädigt: Auch Seitenbänder, die rechts und links vom Kniegelenk verlaufen, sowie Knochen und Knorpelgewebe können beschädigt sein.  Nach einer Verdrehung des Kniegelenks sind meist nicht nur die Kreuzbänder beschädigt: Auch Seitenbänder, die rechts und links des Kniegelenks verlaufen, sowie Knochen und Knorpelgewebe können beschädigt sein. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Es gibt unterschiedliche Verletzungen und Unfälle, die zu einem Kreuzbandriss führen können:

  • Plötzliche Richtungswechsel, vor allem auf sehr harten und haftenden Böden.
  • Plötzliches Abstoppen aus vollem Lauf.
  • Bremsvorgang aus dem Lauf heraus.
  • Inkorrekte Landung nach einem Sprung mit nach innen geknicktem Kniegelenk( Basketball, Volleyball).
  • Zusammenprall oder direkter Kontakt zum Gegenspieler (Kollision aus vollem Lauf) z.B. während eines Fußballspiels.
  • Ermüdung und mangelnde Regeneration erhöht die Verletzungswahrscheinlichkeit des Kreuzbandes.
    • Kreuzbandriss kommt bei Frauen häufiger vor

      Bei der Prävention von Kreuzbandriss hoilft die Stärkung der die Beinachse stabilisierenden Muskulatur durch Übungen auf dem Wackelbrett (Balance Board). Bei der Prävention des Kreuzbandrisses hilft die Stärkung der Muskulatur, welche die Beinachse stabilisiert, durch Übungen auf dem Wackelbrett (Balance Board). © Istockphoto/Philartphace

      In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass weibliche Athletinnen deutlich öfter zu Kreuzbandverletzungen neigen als männliche Sportler. Eine mögliche Erklärung könnte die unterschiedliche Beschaffenheit von Muskeln und Sehnen sein. Zudem verursachen die bei Frauen breiteren Hüften eine andere Geometrie der Extremitäten (X-Beinstellung). Ihre Kreuzbänder müssen also möglicherweise anderen Belastungen standhalten. Eine weitere Theorie mutmaßt, dass der Einfluss von Östrogen die in allen Bereichen geringere Festigkeit der Bänder verursacht.

      Funktion des Kreuzbandes

      Im Kniegelenk treffen sich drei Knochen, um dieses komplexe und leistungsfähige Gelenk zu bilden: Der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia) und die Kniescheibe (Patella). Diese Knochen sind mit den anderen Knochen des Kniegelenks durch eine oder mehrere Sehnen und Bänder verbunden. Die Kreuzbänder sorgen dafür, dass Oberschenkel und Unterschenkel im Kniegelenk auch bei hoher Krafteinwirkung zentriert bleiben und nicht nach vorne oder hinten ausweichen.

      Seitenbänder des Kniegelenks: Außenband und Innenband

      Oberschenkel und Unterschenkel sind seitlich durch Außenband und Innenband des Kniegelenks verbunden. Diese verhindern ein seitliches Aufklappen des Knies. Durch Umknicken entstehen häufig Verletzungen an diesen Bändern. Sie werden zumeist jedoch nur gedehnt und können durch Ruhigstellung und Entlastung (Orthesen-Behandlung) wieder regenerieren.

      Anatomie der Kreuzbänder: das vordere Kreuzband verläuft vom vorderen Bereich des Oberschenkels um hinteren Bereich des Schienbeinplateaus. Das hintere Kreuzband verläuft von hinten nach vorne. Die Kreuzbänder sind leicht spiralförmig gekreuzt. © Henrie @ Fotolia Anatomie der Kreuzbänder: Das vordere Kreuzband verläuft vom vorderen Bereich des Oberschenkels zum hinteren Bereich des Schienbeins. Das hintere Kreuzband verläuft vom hinteren Bereich des Oberschenkels zum vorderen Bereich des Schienbeins. Die Kreuzbänder sind leicht spiralförmig gekreuzt. © Henrie @ Fotolia

      Anatomie der Kreuzbänder

      Im Zentrum des Kniegelenks verbinden die spiralförmig umeinander verlaufenden Kreuzbänder Ober- und Unterschenkel miteinander. Ihr Name kommt daher, dass sie wie ein X gekreuzt sind.

      Funktion der Kreuzbänder

      Erfüllen die Kreuzbänder ihre Funktion nicht vollständig, ist das Kniegelenk nicht gänzlich belastbar. Die Kraftübertragung beim Springen und Laufen funktioniert bei beschädigtem Kreuzband nur mangelhaft. Das Kniegelenk wird instabil und trägt nicht mehr die volle Last.

      Vorderes Kreuzband

      Das vordere Kreuzband verläuft diagonal durch die Mitte des Kniegelenks. Es verhindert vor allem das Ausweichen der Tibia (Schienbein) gegenüber dem Oberschenkelknochen nach vorne. Das vordere Kreuzband ist also wirksam beim Treppen Abwärtsgehen oder beim Abstoppen nach einem schnellen Lauf.

      Hinteres Kreuzband

      Das hintere Kreuzband verläuft ebenfalls diagonal durch die Mitte des Kniegelenks. Es verhindert das Ausweichen des Schienbeins nach hinten. Das hintere Kreuzband ist also wirksam beim Treppen Aufwärtsgehen und zentriert das Schienbein bei der Beschleunigung im Kniegelenk.

      Welche Arten von Kreuzbandverletzungen gibt es?

      Mehr als die Hälfte aller Kreuzbandverletzungen treten gemeinsam mit Schäden anderer Strukturen im Kniegelenk auf: Knorpelschäden, Meniskusriss oder Verletzung der Außenbänder werden ebenso durch eine Umknick- oder Distorsionsverletzung (Verdrehen) verursacht, wie die Verletzung des Kreuzbandes. Der Grad der Verletzung reicht auf einer Skala von Bänderzerrungen oder Dehnungen bis hin zum vollständigen oder teilweisen Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur).

      • Grad 1 Kreuzbandverletzung: Das Kreuzband ist in seiner inneren Struktur leicht beschädigt und gedehnt. Äußerlich ist es vollständig erhalten. Trotz einer um bis zu 5 mm erhöhten Verschiebbarkeit des Unterschenkels bleibt das Kniegelenk zentriert. Die Funktion des Kreuzbandes ist weitgehend erhalten.
      • Grad 2 Kreuzbandverletzung: Bei dieser Verletzung wird das Kreuzband deutlich gedehnt und verliert seine Festigkeit. Man bezeichnet solche Verletzungen häufig auch als Teilriss des Kreuzbandes. Ein Teil der Kreuzbandfunktion bleibt erhalten. Der Unterschenkel ist bis zu 10 mm verschiebbar. Teilrisse des Kreuzbandes sind eher selten.
      • Grad 3 Kreuzbandverletzung: Ab diesem Grad der Kreuzbandverletzung spricht man von einem vollständigen Kreuzbandriss in zwei voneinander getrennte Stücke. Im Schubladentest zeigt sich das Kniegelenk instabil und der Unterschenkels lässt sich gegenüber dem Oberschenkel über 10 mm verschieben. Die überwiegende Mehrzahl aller Kreuzbandverletzung sind vollständige oder nahezu vollständige Kreuzbandrisse.

      Symptome und Folgen des Kreuzbandrisses

      • Knallgeräusch im Kniegelenk
      • deutlicher Ruck oder Schlag beim Riss des Kreuzbandes
      • Schwellung des Kniegelenks
      • stechender Schmerz des Kniegelenks
      • Verlust der vollständigen Beweglichkeit in der akuten Verletzungsphase nach Kreuzbandriss
      • Druckschmerzhaftigkeit des Kniegelenks
      • Im weiteren Verlauf Instabilität des Kniegelenks beim Treppensteigen und Bergabgehen

      Ein wichtiges Symptom bei der Verletzung des vorderen Kreuzbandes ist ein ploppendes oder knallendes Geräusch. Damit einher geht häufig das Gefühl, dass unter dem Patienten ausbricht ("giving-way"-Symptom).

      Ein Kreuzbandriss ist meist sehr schmerzhaft, in wenigen Fällen kann das Kreuzband aber fast symptomfrei reißen.

      Oft entwickelt sich nach Kreuzbandriss eine starke Schwellung am Kniegelenk. Weil das vordere Kreuzband gut durchblutet ist, tritt ein Kreuzbandriss auch stets mit einer Blutung in der Gelenkkapsel auf. (Haemarthrose). Patienten haben unmittelbar nach einem Kreuzbandriss häufig ein geschwollenes, überwärmtes Knie. Beim Bergabwärtsgehen treten Knieschmerzen und ein Gefühl der Instabilität im Kniegelenk auf.

      Spätfolgen des Kreuzbandrisses für das Kniegelenk

      Die Instabilität des Kniegelenks nach einem unbehandelten Kreuzbandriss macht sich häufig nicht im Alltag bemerkbar. Erst beim Sport merkt der Patient, dass er das Knie nicht mehr voll belasten kann. In Alltagssituationen stabilisieren Muskeln das Kniegelenk und kompensiert so die Verletzung.

      Instabilität ("giving way")

      Oft bemerken Patienten die Instabilität erst nach Monaten. So knicken sie gerade auf unebenem Boden, wenn die Koordination im Knie besonders gefordert ist, häufig um. In vielen Fällen kann der Kreuzbandriss muskulär ausgeglichen (kompensiert) werden. Die schädlichen Langzeitfolgen für das Knie werden dadurch allerdings nicht verhindert. Auch bei einem im Alltag scheinbar gut kompensierten Kreuzbandriss können Langzeitfolgen für das Kniegelenk und umliegende Bewegungsorgane auftreten.

      Knorpelverschleiß und Kniearthrose

      Die Instabilität des Kniegelenks führt zu Langzeitschäden am Gelenkknorpel: Knorpelverlust und Kniearthrose (Gonarthrose) sind daher die Folgen eines unbehandelten Kreuzbandrisses.

      Degenerative Meniskusläsion

      Meniskusrisse können gemeinsam mit der Kreuzbandverletzung auftreten und durch das gleiche Trauma verursacht werden. Der Meniskus bildet eine schalenförmige Vertiefung, die das Schienbein und die mächtigen Oberschenkelrollen (Femurkondylen) aufnimmt. Dies vergrößert die für den Oberschenkel verfügbare Gelenkfläche deutlich. Die schalenförmige Vertiefung der paarig angelegten Menisken unterstützt also die Funktion der Kreuzbänder bei der Zentrierung von Ober- und Unterschenkel im Kniegelenk. Die Menisken sorgen zudem dafür, dass Lasten besser verteilt werden und entlasten so den Gelenkknorpel. Wenn die Koordination und Kraftübertragung der Kreuzbänder verloren geht, nimmt die Belastung auf Knorpelflächen und Menisken deutlich zu. Degeneration und Verschleiß der Menisken sind eine häufig beobachtete Folge.

      Wiederholte Knieverletzungen wegen Instabilität

      Umknickereignisse nach Kreuzbandriss führen immer wieder erneut zu Schwellungen und Schmerzen im Knie. Auch wenn die Schmerzen wenige Tage nach der Verletzung nachlassen, kann ein Patient mit Kreuzbandriss nicht von einem normal belastbaren Knie ausgehen. Erst wenn der Strukturschaden durch die Wiederherstellung des Kreuzbandes behoben wurde, ist das Knie wieder voll funktionsfähig.

      Diagnose des Kreuzbandrisses nach einer Knieverletzung

      Der Orthopäde vermutet eine Kreuzbandverletzung, wenn der Unfallhergang mit einem Schlag auf das Kniegelenk oder einer Verdrehung des Kniegelenks verbunden war. Daneben beachtet er vor allem, ob das Knie geschwollen und schmerzhaft ist. Dies sind die typischen Zeichen einer Verletzung im Kniegelenk.

      Klinische Untersuchung: Der Schubladentest und der Pivot-Shift Test

      Der Schubladentest kann einen Kreuzbandriss aufdecken. Wenn das Schienbein bei fixiertem Knie nach vorne heraus gezogen werden kann, spricht das für eine Ruptur (Riss) der Kreuzbänder.

      Bildgebende Untersuchung des Kreuzbandrisses: Röntgen, Ultraschall und MRT

      bei der Bildgebenden Untersuchng werden nicht Symptome, sondern mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren der Radiologie Strukturen des Kniegelenks direkt untersucht. Dabei liefern unterschiedliche Verfahren der Bildgebung jeweils andere Erkenntnisse.

      Röntgen

      Im Röntgenbild können Bänder und Sehnen meist nicht direkt beurteilt werden. Allerdings sind funktionelle Untersuchungen im Röntgenbild möglich: Stellungsänderungen der Knochen im Gelenk unter Belastung zeigen häufig Probleme mit der Kraftübertragung. Außerdem ist das Röntgenbild wichtig, um Begleitverletzungen an den Knochen zu erkennen oder auszuschließen. Das Röntgenbild ist also wichtig für die Differentialdiagnose (Verdachtsdiagnose), wenn sich ein Patient nach einem Unfall mit einem geschwollenen, schmerzenden Kniegelenk vorstellt.

      Ultraschall

      Die Ultraschalluntersuchung eignet sich sehr gut, um die Struktur und Funktion von Sehnen und Bändern direkt zu beurteilen. Sie kann auch unter Bewegung des Kniegelenks durchgeführt werden. Dies bietet einen Vorteil gegenüber der MRT-Untersuchung, bei der das Kniegelenk stillgehalten werden muss.

      MRT - Magnetresonanztomographie

      Die MRT-Untersuchung des Kniegelenks ist der Goldstandard für die Darstellung von Sehnenverletzungen. Das MRT zeigt einen Kreuzbandriss in hoher Auflösung. Bevor wir einen Kreuzbandriss operieren, ist eine MRT Untersuchung daher unverzichtbar. Doch auch die MRT-Untersuchung hat ihre Grenzen: In vielen Fällen ist die innere Struktur des Kreuzbandes zerstört. Das bildgebende Verfahren stellt das Kreuzband aber in seinem gesamten Verlauf als intakt oder teilweise intakt dar. Das MRT kann also falsch negative Befunde ergeben, die nur mithilfe einer vorangegangenen klinischen Untersuchung der Kreuzbandfunktion (Schubladentest) und möglicherweise einer Kniearthroskopie vollständig interpretiert werden können.

      Intraoperativer Test der Kreuzbandstabilität durch Tasthaken bei der Arthroskopie

      Ein direkter Befund kann oft erst nach einer Arthroskopie des Kniegelenks erbracht werden. Dabei wird eine Kamerasonde durch einen winzig kleinen Schnitt ins Kniegelenksinnere eingeführt. Während der Arthroskopie kann die Festigkeit des Kreuzbandes mit einem Testhaken überprüft werden.

      Konservative Therapie des Kreuzbandrisses

      Bei der Therapie der Kreuzbandverletzung gibt es drei wichtige Therapieziele:

      • Die Schmerzlinderung nach der akuten Verletzung.
      • Die Stabilisierung des Kniegelenks durch Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion.
      • Die Wiederherstellung der Kraftentfaltung und Koordination des Kniegelenks.

      Die Behandlungsstrategie eines Kreuzbandrisses hängt häufig von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab: Seine Bewegungsbedürfnisse sind meist altersabhängig, aber auch aufgrund unterschiedlicher Lebensweisen recht unterschiedlich. Ein älterer Patient hat häufig andere Bedürfnisse als ein junger, aktiver Athlet. So benötigt der ältere Patient in vielen Fällen lediglich eine gewisse Stabilität für einen eher ruhigen Alltag. Der junge Athlet will möglichst schnell wieder zu seinem Sport zurückkehren, ohne dabei Kraft und Koordinationsfähigkeiten zu verlieren.

      Akutbehandlung: Hochlegen, Ruhigstellen, Kühlen und Entzündungshemmer

      Die Verletzungsfolgen eines gerissenen Kreuzbandes heilen oft auch ohne operative Therapie. Die verletzungsbedingte Schwellung und Entzündung gehen von alleine zurück. Wir unterstützen das häufig durch die Gabe nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac.

      Knieorthesen

      Während der Heilungsphase kann das Knie durch eine Orthese beruhigt und entlastet werden. Unterarmgehstützen dosieren die Belastung auf dem verletzten Knie optimal.

      Physiotherapie

      Physiotherapie und Muskelkräftigung können die Heilung im verletzten Knie fördern. Durch bestimmte Übungen können die Koordination und die Funktion des Kniegelenks verbessert werden. Vor allem eine Kräftigung der Muskeln kann helfen, das Kniegelenk im Alltag wieder zu stabilisieren und die Knochen im Gelenk zu zentrieren.

      Grenzen der konservativen Therapie

      Bei starker Kraftentfaltung und hohen athletischen Belastungen reicht die muskuläre Kompensation nicht aus, um den alten Leistungsstand mit intakter Kreuzbandfunktion wiederherzustellen.

      Wann wird das gerissene Kreuzband eher nicht operiert?

      • Bei Patienten, die keine hohe, athletische Belastbarkeit des Kniegelenks benötigen.
      • Bei Patienten, die ihre Sportkarriere nicht auf dem bisherigen Niveau fortsetzen möchten.
      • Wenn der Alltag des Patienten nicht durch hohe körperliche Belastung geprägt ist.
      • Nach einer Teilruptur, wenn ein hoher Anteil der Kreuzbandes erhalten ist.
      • Bei Kindern, wenn die Wachstumsfugen am Ende der Knochen noch offen sind.

      Operative Therapie des Kreuzbandrisses: Wann wird zur Operation geraten?

      Vor allem bei jungen und sportlichen Patienten, aber auch bei älteren, sehr aktiven Patienten schädigt das Fehlen der Kreuzbandfunktion die Gelenkflächen und Menisken. Die Muskelkraft kompensiert die Überbeweglichkeit des Kniegelenks bei hohem Aktivitätsniveau nur unzureichend.

      Rekonstruktion des Kreuzbandes: Kreuzbandplastik

      Der Riss des vorderen Kreuzbandes kann nicht muskulär kompensiert werden. Gerade bei aktiven Patienten ist daher die operative Wiederherstellung des Kreuzbandes die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit, um das Knie langfristig zu bewahren. Als kausale und nachhaltige Therapie (Therapie, in der die Ursache behoben wird) des vorderen Kreuzbandrisses hat sich daher nur die Kreuzbandplastik oder Kreuzbandersatzoperation bewährt. Dieser Eingriff wird minimalinvasiv (arthroskopisch) durchgeführt. Eventuelle Meniskusverletzungen können dabei gleichzeitig gesichtet und behandelt werden.

      Die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes gilt mit einer Erfolgsrate von weit über 90 % als sehr zuverlässiger Eingriff. Sogar Leistungssportler können ihre uneingeschränkte Sportfähigkeit wiedererlangen.

      Grundlage der Kreuzbandplastik ist ein aus dem Körper des Patienten gewonnenes Sehnentransplantat – meist aus der Kniescheibensehne oder aus dem hinteren Oberschenkel. Dieses Transplantat wird ein einem aufwändigen Verfahren gereinigt, gewickelt und verstärkt. Die Zugfestigkeit des Kreuzbandtransplantates beträgt ein Vielfaches der Zugfestigkeit des natürlichen Kreuzbandes.

      Kriterien für eine erfolgreiche Kreuzbandersatzoperation

      • Das Transplantat wird genau an den Ansatzstellen des natürlichen Kreuzbandes im Oberschenkel und Schienbeinknochen platziert.
      • Die Stabilität und die Verankerung des Kreuzbandtransplantates muss sehr fest sein.
      • Das körpereigene Transplantat muss gut vorbereitet und während der Operation durch maximale Dehnung gut vorbereitet sein, um tatsächlich unmittelbar nach der Operation eine Stabilisierung des Kniegelenks zu erzielen.

      Die Stabilität und die Verankerung des Kreuzbandtransplantates muss sehr fest sein. Man kann für die Fixierung den körpereigenen Knochen, bioresorbierbare Schrauben, bei weicheren Knochen auch Titanschrauben verwenden. Das sogenannte Press-Fit-Kreuzbandersatzverfahrenführt die Verankerung des Kreuzbandes mit körpereigenen Knochendübeln aus.Das körpereigene Transplantat muss gut vorbereitet und während der Operation durch maximale Dehnung gut vorbereitet sein, um tatsächlich unmittelbar nach der Operation eine Stabilisierung des Kniegelenks zu erzielen.

      Physiologischer Umbau des Kreuzbandtransplantates nach der Operation durch den Körper

      Nach der Kreuzbandersatzoperation ist das Knie in der Regel wieder gut belastbar. Der eigentliche Heilungsprozess beginnt aber erst später. Der Körper erkennt das körpereigene Sehnenmaterial und startet sofort nach der Operation den Heilungsprozess, der sich über 6 - 9 Monate hinzieht. Dabei geschieht im Knie Folgendes: Zunächst wachsen Blutgefäße in das Transplantat ein. Es wird dadurch ernährt und zu einer Sehne umgebaut, die alle Eigenschaften des natürlichen Kreuzbandes aufweist. Nach einigen Monaten ist kein Unterschied zu erkennen, wenn die oben geschilderten Kriterien eingehalten wurden.

      Nebenwirkungen der Kreuzbandplastik

      Bei der Kreuzbandtransplantation werden körpereigene Sehnen teilweise entfernt, verarbeitet und anstelle des gerissenen Kreuzbandes eingesetzt. Dabei verwendet man vor allem die vordere Patellasehne oder die an der Rückseite des Kniegelenks verlaufende Hamstringsehne (Semitendinosussehne). Folgende Nebenwirkungen können bei jedem Patienten in unterschiedlichem Ausmaß beobachtet werden:

      • Bei Entnahme der Patellasehne postoperative Schmerzen hinter der Kniescheibe oder beim Hinknien.
      • Eingeschränkte Beweglichkeit des Kniegelenks für einen bestimmten Zeitraum.

      Um den manchmal gravierenden Folgen nach der Entnahme eines Teils der Patellasehne zu entgehen, bevorzugen viele Kniespezialisten die Entnahme der Hamstringsehne (Semitendinosussehne).

      Kreuzbandrefixation: Zusammennähen des zerstörten Kreuzbandes

      Es gibt inzwischen moderne OP-Techniken, die das gerissene Kreuzband erhalten können. Dabei wird ein bestimmtes OP-System verwendet (Ligamys®), das seit Anfang 2014 sehr erfolgreich getestet wurde. Dabei stabilisiert man das gerissene Kreuzband zunächst durch ein Implantat. Diese Operation ist allerdings nur möglich, wenn die gerissenen Stümpfe des Kreuzbandes vorhanden sind. Diese heilen während der Regenerationsphase in den nächsten Monaten wieder zusammen. Gegenüber dem autologen (körpereigenen) Sehnentransplantat ist die Kreuzbandrefixation frei von Entnahmepathologien, also Komplikationen, die durch die Entnahme körpereigenen Materials entstehen.

      Zudem bleiben die natürlichen, propriozeptiven Eigenschaften des Kreuzbandes erhalten: Die Nervenfasern senden wichtige Stellungs- und Belastungsinformationen über das Kreuzband an das Nervensystem. Dadurch unterstützen sie die motorische Koordination des Kniegelenks. Auch ein körpereigenes Kreuzbandtransplantat kann diese Funktion mangels Nervenversorgung nicht vollständig übernehmen.

      Rehabilitation nach Kreuzbandoperation

      Es dauert einige Monate, bis aus einem Kreuzbandtransplantat ein voll funktionsfähiges und gut durchblutetes Kreuzband geworden ist. Diese Nachbehandlungszeit erzwingt eine besondere Sorgfalt im Umgang mit dem Kreuzband.

      Sportfähigkeit des Knies nach Kreuzbandoperation

      Wenn der Patient nicht körperlich arbeitet, ist er ca. 10 - 14 Tage nach der Kreuzbandersatzoperation (Kreuzbandplastik) wieder arbeitsfähig. In dieser Zeit belastet er das Kreuzband mit Unterarmgehstützen nur teilweise. Der Bewegungsradius kann durch feste Schienen (Orthesen) eingeschränkt werden.

      Nach Abschluss der Wundheilung kann der Patient Ausdauersportarten ohne Sehnenbelastung (Radfahren, Joggen, Schwimmen) tätigen. Kontaktsportarten wie Abfahrtsski können nach ca. 6 Monaten wieder ausgeübt werden. Weiche Orthesen des Kniegelenks unterstützen die Rückkehr in den Sport und die Wiederaufnahme des Trainings.

      Die Rehabilitation von Patienten nach Kreuzband OP kann in der frühen Phase durch feste, Bewegungseinschränkende Orthesen des Kniegelenks unterstützt werden. die konkrete Rückkehr in den Sport, und Die Wiederaufnahme des Trainings, kann durch weiche Orthesen des Kniegelenks unterstützt werden.

      Bereits nach einer Woche Ruhigstellung ist bis zu 50 % der Muskelkraft im ruhiggestellten Bein abgebaut Dieser Abbau gleicht sich meist erst nach 1,5 Jahren wieder aus. Daher finden gerade Sportler einen Vorteil darin, natürliche Alltagsbewegungen in die Rehabilitation zu integrieren. Eine möglichst frühe physiotherapeutische Rehabilitation ist daher wichtig, um den unvermeidlichen Muskelabbau zu begrenzen. So vermeidet man langdauernde motorische Einseitigkeit in der Kraftentwicklung.

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