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Achillessehnenriss: Achillessehnenruptur nähen oder ruhigstellen?

Was ist ein Achillessehnenriss?

Der Achillessehnenriss durch Überlastung oder durch äußere Einwirkung (Unfall) stört die Kraftübertragung zwischen Wadenmuskulatur und Fersenbein. Beim Achillessehnenriss ist oft ein lauter Knall zu hören. Das Aufrichten des Fußes auf den Zehenballen ist nach Ruptur der Achillessehne nicht mehr möglich. © Dr. Thomas Schneider Der Achillessehnenriss durch Überlastung oder durch äußere Einwirkung (Unfall) stört die Kraftübertragung zwischen Wadenmuskulatur und Fersenbein. Beim Achillessehnenriss ist oft ein lauter Knall zu hören. Das Aufrichten des Fußes auf den Zehenballen ist nach Ruptur der Achillessehne nicht mehr möglich. © Dr. Thomas Schneider

Der Achillessehnenriss bzw. die Achillessehnenruptur ist der überlastungsbedingte Riss der Achillessehne. Durch den Riss der Achillessehne wird die Kraftübertragung von der Wadenmuskulatur zum Fersenbein sofort unterbrochen.

Direkte Ursache der Ruptur ist entweder eine äußere Einwirkung (Unfall) oder eine Anspannung der Wadenmuskulatur beim Laufen oder Springen.

Die meisten Patienten mit Achillessehnenruptur sind im mittleren Alter.

Dem eigentlichen Achillessehnenriss ist meist eine Periode der entzündlichen Degeneration der Achillessehne (Achillodynie oder Achillessehnenentzündung) vorangegangen

Die Therapie des Achillessehnenrisses ist meist operativ: Der Riss kann minimalinvasiv genäht werden.

Manchmal ist die Achillessehne nach chronischer Achillessehnenentzündung und vielen kleinen Teilrissen sehr ausgefranst, und deshalb nicht mehr zu nähen. Dann haben wir auch die Möglichkeit, durch den Transfer der Großzehenbeugersehne (Transfer der Flexor hallucis longus-Sehne bzw. FHL-Transfer) die Funktion der Achillessehne wieder herzustellen.

Für einige Patienten ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine konservative Behandlung durch Ruhigstellung hinreichend.

Nach einer Operation eines Achillessehnenrisses dauert es ca. 3-6 Monate unter Teilruhigstellung mit Hilfe einer Kunststoffschiene, bis die normale sportliche Belastung wieder aufgenommen werden kann.

Wie ereignet sich ein Achillessehnenriss?

Dem Achillessehnenriss ist meist eine schmerzhafte Periode der entzündlichen Degeneration der Achillessehne (Achillodynie oder Achillessehnenentzündung) vorangegangen. Bei der Achillodynie treten vor allem zu Beginn der Belastung stechende Schmerzen auf, die im weiteren Verlauf des Trainings wieder verschwinden. Durch die Entzündung verliert die Achillessehne die Fähigkeit, die bei starken Belastungen auftretenden Kräfte auf das Fersenbein zu übertragen.

Ursachen der Achillessehnenruptur

Direkte Ursache der Achillessehnenruptur ist stets eine Anspannung der Wadenmuskulatur beim Laufen oder Springen. Die Patienten mit Achillessehnenruptur sind meist über 40 oder 50 Jahre alt.

Dabei sind häufig Menschen betroffen, die nicht gut trainiert sind und sich plötzlich ungewohnten Belastungen aussetzen. Diese ungewohnten Belastungen sind meistens mit starken Beschleunigungen oder Sprüngen verbunden, also z.B. beim Badminton, Basketball oder beim Fußballspielen.

Bei diesen Start-Stoppbewegungen oder Sprungbelastungen kann die Achillessehne teilweise oder komplett reissen.

Symptome der Achillessehnenruptur

Der Riss der stärksten Sehne im menschlichen Körper ist meistens von einem lauten Knall begleitet. Der Achillessehnenriss ist also als peitschenartiges Geräusch deutlich hörbar.

Durch den Riss der Achillessehne ändert sich die Kraftübertragung. Patienten schildern das Ereignis, als ob ihnen "jemand von hinten in die Ferse tritt" oder als ob ihre "Achillessehne durchtrennt" wird.

Bei visueller Inspektion sieht man meist zwei Zentimeter über dem Fersenbein eine Lücke in der Achillessehne, wo der Sehnenstrang dünner wird und eine Delle bekommen hat. Diese Delle in der Achillessehne ist tastbar.

Der Achillessehnenriss ist schmerzhaft. Das Sprunggelenks fühlt sich steif an. Die Beweglichkeit nimmt ab. Der Patient kann sich nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen: Dafür wäre die Kraftübertragung der Achillessehne erforderlich. Stattdessen stellt sich eine Gefühl der Schwäche ein.

Der Schmerz nach der Ruptur lässt meist schnell wieder nach. Stattdessen tritt nach und nach eine Schwellung und Entzündung der Achillessehne auf.

In den meisten Fällen ist die Achillessehne komplett durchgerissen. Der komplette Riss ist häufiger, als eine Teilruptur der Achillessehne.

Bei Verdacht auf einen teilweisen oder vollständigen Riss der Achillessehne sollten Sie so schnell es geht ärztliche Behandlung aufsuchen. Je schneller sie mit der Behandlung beginnen, um so eher werden Sie eine vollständige Wiederherstellung der Funktion der Achillessehne erleben.

Diagnose der Achillessehnenruptur

Die Diagnose der Achillessehnenruptur erfolgt meist auf der Grundlage der Patientenbefragung (Anamnese) sowie einer direkten körperlichen Untersuchung des Patienten. Ein Röntgenbild ist meist nicht erforderlich.

In den meisten Fällen sind die Patienten nicht mehr in der Lage, mit einem Fuß in den Zehenspitzenstand zu gehen (single heel rise-Test).

Wenn das Ergebnis durch Bildgebung bestätigt werden muss, bietet sich eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT-Untersuchung an. In beiden Untersuchungen kann man den Zustand von Sehnen, wie der Achillessehne, genau abbilden.

Bei der Untersuchung ist es wichtig, die Ruptur der Achillessehne nicht mit einer Achillodynie (Achillessehnenentzündung) zu verwechseln. In diesen Fällen schaffen die bildgebenden Untersuchungen die diagnostische Sicherheit.

Therapie der Achillessehnenruptur

Mit der Ruptur oder Teilruptur der Achillessehne verliert die Achillessehne ihre Funktion der Kraftübertragung von Wadenmuskel auf das Fersenbein und den Fuß.

Das Behandlungsziel besteht also darin, diese Kraft durch eine intakte Achillessehne wieder zu übertragen. Diese Kraftübertragung funktioniert aber nur, wenn auch die ursprüngliche Länge der Achillessehne wieder hergestellt wird. Wenn die Achillessehne länger oder kürzer ist, dann funktioniert auf Grund der ungenügenden Sehnenspannung die Kraftentwicklung der Wadenmuskeln nicht mehr optimal.

Ruhigstellung der Achillessehne in einer Gehschiene

Sowohl bei einer konservativen Ausheilung der Achillessehnenruptur als auch nach einer operativen Naht ist eine mehrwöchige Ruhigstellung der Achillessehne in einem Gehgips oder einer bewegungslimitierenden Orthese erforderlich.

Bei der konservativen Therapie durch Ruhigstellung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Patient nicht mehr zur früheren Kraftentfaltung der Wadenmuskulatur zurückfindet. Häufig ist eine Verlängerung der Achillessehne die Ursache: Durch die Verlängerung der Sehne ist die Kraftübertragung des Muskels nicht mehr optimal.

Wir empfehlen eher älteren Patienten mit Achillessehnenruptur, die zudem durch Grunderkrankungen oder Begleitmedikation eine höhere Komplikationswahrscheinlichkeit nach Operationen aufweisen, eine konservative Therapie der Achillessehnenruptur.

Operation: Minimalinvasive Naht der Achillessehnenruptur

Bei einer Naht werden die beiden Enden der Achillessehne wieder aneinander genäht.

Nach einer minimalinvasiven Naht ist die Wahrscheinlichkeit einer Re-Ruptur im Vergleich zur konservativen Behandlung durch Ruhigstellung deutlich geringer.

Nach der Naht ist auch die Rückkehr zu einer Kraftentwicklung wie vor der Ruptur wahrscheinlicher. Der Kraftaufbau der operierten Achillessehne ist schneller. Nach Naht ist zu erwartende Trainingsrückstand geringer, als nach der konservativen Therapie. Es ist langwieriger, die Achillessehne durch bloße Ruhigstellung auszuheilen, und das Ergebnis ist weniger gesichert: Häufig leidet die Kraftentwicklung.

Deswegen wird Athleten und sportlich veranlagten Patienten meist zu einer Naht der gerissenen Achillessehne geraten.

Auch bei Patienten mit einer Re-Ruptur der Achillessehne nach vorangegangener konservativer Therapie, raten wir eher zu einer Naht der Achillessehne, um den Heilungsvorgang abzusichern.

Spezielle Verfahren: Operative Naht bei chronischen Achillessehnenrupturen

Die Sehne des Musculus hallucis longus (gelb) verläuft unterhalb der Wadenmuskulatur und unterhalb der Achillessehne (Grau) aus der Wade in den Großzehen hinein. © Dr. Thomas Schneider Die Sehne des Musculus hallucis longus (gelb) verläuft unterhalb der Wadenmuskulatur und unterhalb der Achillessehne (Grau) aus der Wade in den Großzehen hinein. © Dr. Thomas Schneider

Häufig werden partielle oder vollständige Achillessehnenrupturen übersehen. Sie entwickeln sich dann zu vernarbten, degenerativ verlängerten und chronisch schwachen Achillessehnenfragmenten. Es ist häufig schwer, aus der vorhanden Substanz eine stabile Achillessehne zu rekonstrurieren. Für diese Fälle gibt es zwei Operationsstrategien, die diese Umstände kompensieren können.

Rekonstruktion der Achillessehne aus der Muskelhaut der Wadenmuskulatur

Mit der Gewinnung der Haut (Aponeurose) der Wadenmuskulatur könne wir Defekte der Achillessehne bis zu 5 cm Länge überbrücken. Die Nachbehandlung erfolgt danach wieder ganz normal mit einem Vacoped-Schuh, der die Achillessehne entlastet.

Sehnentransfer der Flexor Hallucis longus Sehne (FHL-Transfer)

Große Defekte der Achillessehne (> 5 cm) können wir durch den Transfer der Großzehenbeugersehne (Flexor hallucis longus) operieren. Diese Sehne eignet sich aus zwei Gründen besonders für den Ersatz der Achillessehne. Sie ist sehr kräftig und lang. Damit können also auch recht lange Sehnendefekte überbrückt werden. Sie ist gut durchblutet und kann nach einer Übertragung an einen neuen Insertionsort gut einheilen und wird gut mit Blutgefäßen versorgt. Das AKtivitätsmuster und die Aktivitätsrichtung des FHL-Muskels entspricht neurologisch genau dem Wadenmuskel (m. triceps surae), der die Achilllessehne steuert.

Hierbei wird die FHL-Sehne abgelöst und mit der Achillessehne vernäht, um die schadhaften Strecken zu überbrücken. Die Großzehenbeugung wird vom Kleinzehenbeuger mitübernommen. Die FHL-Sehne wird in die Achillessehne eingeschlagen und trägt so zu einer Rekonstruktion der Achillessehne bei. Nach dieser Rekonstruktion ist eine Nachbehandlung durch Ruhigstellung (Gips) über 4 Wochen erforderlich. Dann kann zu einer Vacoped-Orthese übergegangen werden: Das ist ein Schuh, bei dem der Fuß belastet wird, der aber den Zug auf der Achillessehne einschränkt.

Im Ergebnis ist die Kraftentwicklung etwas eingeschränkt. Bei Patienten außerhalb der Gruppe der Leistungssportler spielt diese Einschränkung im Alltag aber keine Rolle.

Rehabilitation nach Operation des Achillessehnenrisses Achillessehnenruptur

Ausgangsposition: Stand auf Zehenballen der Treppenstufe zugewandt. © Gelenk-doktor.de Ausgangsposition: Stand auf Zehenballen der Treppenstufe zugewandt. © Gelenk-doktor.de Die Ferse senkt sich langsam ab in die maximale Dehnung. Diese Dehnung wird aktiv gehalten. © Gelenk-doktor.de Die Ferse senkt sich langsam ab in die maximale Dehnung. Diese Dehnung wird aktiv gehalten. © Gelenk-doktor.de

Eine physiotherapeutische Nachbehandlung nach Operation der Achillessehnenruptur ist sehr empfehlenswert. Dabei geht es um die wichtige Einstellung der optimalen länge der Achillessehne. Nur bei optimaler Länge der Sehne ist die Kraftentwicklung und die Kraftübetragung zufriedenstellend. Abweichungen gehen mit einem Verlust von Kraft und koordinativen Fähigkeiten einher. Durch bestimmte Übungen (sog. exzentrisches Training) kann der Bewegungsspielraum und die optimale Kraftübertragung der Achillessehne trainiert werden.

Es gibt einige Hinweise, die helfen, einer Achillessehnenruptur vorzubeugen oder nach Ausheilen des Risses einer Re-Ruptur vorzubeugen:

  • Bewahren sie ein kontinuierliches Belastungsniveau. Plötzliche Steigerungen oder gelegentliche Höchstleistungen sind nicht gut für die Gesundheit der Achillessehne.
  • Dehnen Sie sich immer vor dem Sport. Wärmen Sie sich vor der Belastung langsam auf.
  • Machen sie regelmäßig exzentrische Dehnungsübungen Ihrer Wadenmuskulatur, um die Länge der Sehne zu trainieren und Überlastungen zu vermeiden.

Prognose eines Achillessehnenrisses: Wiederherstellung nach 3-6 Monate Rehabilitation

Etwa sechs Wochen nach dem Beginn der Behandlung kann der Patient wieder auf dem betroffenen Fuß gehen. Die Belastung beginnt meist unter Bewegungseinschränkung mit Fersengang.

Eine Wiederaufnahme des sportlichen Lauf-Trainings ist etwa vier bis sechs Monate nach Beginn der Behandlung der Achillessehnenruptur möglich.

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