Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

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Vergleich: Sprunggelenksprothese oder Arthrodese (Versteifung)?

  1. Übersicht Sprunggelenksprothese
  2. Was ist eine Sprunggelenksprothese?
  3. Warum muss ein Sprunggelenk durch eine Prothese ersetzt werden?
  4. Sprunggelenksprothese oder Versteifung?
  5. Kann die Versteifungsperation später zu einer Sprunggelenksprothese "revidiert" werden?
  6. Planung, Vorbereitung und Operation der Sprunggelenksprothese
  7. Rehabilitation, Sport und Alltag mit dem künstlichen Sprunggelenk
  8. Revision (Ersatz) des künstlichen Sprunggelenks

Sprunggelenksprothese im Vergleich zur therapeutischen Versteifung (Arthrodese)

In Deutschland und in der Schweiz werden jährlich inzwischen mehr als 1900 Sprunggelenksprothesen (Arthroplastiken) operiert. Wie bei jeder anderen Prothese besteht auch bei der Sprunggelenksprothese die Gefahr von Lockerung, Verschleiß oder durch Infektionen. Die Erfahrung des operierenden Arztes bei der Auswahl der Patienten und der Behandlung der Gesamtsituation des Sprunggelenks - Belastungsachse und Bandapparat - hat einen großen Einfluß auf die langfristige Stabilität der Prothese.

Die knochensparende Operationstechnik moderner Sprunggelenksprothesen konserviert die sichere Rückzugsmöglichkeit auf die therapeutische Versteifung: Die Arthrodese (Versteifung) des Sprunggelenks hat zwar kein sehr gutes, aber ein zuverlässig "ausreichendes" Ergebnis.

In Reihenuntersuchungen nach Operation waren 81% der befragten Patienten 2 Jahre nach der Operation mit dem Ergebnis der Sprunggelenksprothese sehr zufrieden. Schmerzfreie, natürliche Beweglichkeit haben die meisten Patienten mit Sprunggelenksprothese erreicht. Starke Schmerzen hatte keiner der Patienten.

Jeder der Patienten erlebte durch die Sprunggelenksprothese einen vollständigen oder sehr deutlichen Rückgang der Schmerzen im Sprunggelenk. 75% der Patienten konnten sogar völlige Schmerzfreiheit geniessen.

Prothesen in anderen Gelenken werden schon Jahrzehnte beobachtet. Langfristige Daten zu Sprunggelenksprothesen müssen jedoch in den nächsten Jahren weiterhin erhoben werden. Die Prothetik und Forschung im Bereich des Sprunggelenks befindet sich in rascher Entwicklung.

Bei strenger Indikationsstellung und guter Auswahl der Patienten kann durch Sprunggelenksprothesen zuverlässig eine normale Beweglichkeit unter Beteiligung des natürlichen Bandapparates erzielt werden. Vor allem auch bei jüngeren Patienten wurde eine sehr gute Gelenksfunktion hergestellt und über Jahre beobachtet.

Sprunggelenksprothese oder Versteifung?

Arthrodese des Sprunggelenks Der natürliche Bewegungsablauf wurde bei Versteifung des Sprunggelenks unwiederbringlich geopfert. Arthrodesen sind künstlich herbeigeführte knöcherne Verwachsung zwischen Unterschenkelknochen und Fuß. © Gelenk-doktor.de, Dr. Thomas Schneider

Wegen unzulänglicher Prothesenkonstruktionen erreichte die Versorgung mit Sprunggelenk-Prothesen daher bis vor etwa 20 Jahren noch nicht die Qualität, die bei Hüftprothesen oder dem künstlichen Kniegelenk (Knieprothese) schon lange Standard ist.

Damit ist die Endoprothetik des Sprunggelenks noch eine relativ junge Disziplin.

Aller Fortschritte in der Prothesenentwicklung zum Trotz war bei geschädigten Sprunggelenken noch vor kurzem die therapeutische Versteifung des Sprunggelenks (Arthrodese) als Therapie die erste Wahl: Der natürliche Bewegungsablauf wurde bei Versteifung des Sprunggelenks geändert. Arthrodesen sind künstlich herbeigeführte knöcherne Verwachsung zwischen Unterschenkelknochen und Fuß.

Arthrodesen können das Sprunggelenk mit Arthrose zwar von Instablität und Schmerzen befreien. Sie sind aber nicht ohne Nachteile: Langfristig führen Arthrodesen wegen des geänderten Bewegungsablaufes, oft schon innerhalb von 10 Jahren, zu Begleitarthrosen, vor allem in den Fußgelenken. Die Fußwurzelgelenke und das Chopartgelenk übernehmen einen Teil der im OSG verlorenen vertikalen Beweglichkeit nach der Versteifung, um normales Abrollen des Fußes beim Gehen zu ermöglichen.

Eine Versteifung des Sprunggelenks kann später wieder zur Prothese revidiert werden

Aber auch nach einer Versteifung kann nachträglich wieder eine Prothese eingebaut werden, um das normale Gangbild wieder herzustellen. Voraussetzung dafür ist, dass bei der Versteifung weichteilschonend vorgegangen wird, und die Sehnen und Bänder rund um das Sprunggelenks noch intakt sind. Diese periartikulären Bänder um das Sprunggelenks sind erforderlich, um der Prothese Stabilität zu geben. Aus diesem Grunde ist eine weichteilschonende, minimalinvasive OP-Technik bei der operativen Sprunggelenksarthrodese (Versteifung) besonders wichtig: Nur so können wir unseren Patienten diese therapeutischen Möglichkeiten auch in der Zukunft nicht verbauen.

Das Ziel einer Prothese des Sprunggelenks besteht in der Wiederherstellung eines schmerzfreien, aber auch natürlichen Bewegungsablaufs nach Sprunggelenksarthrose oder nach einer therapeutischen Versteifung.

Erhalt des Gangbildes ist ein Vorteil für alle Fußgelenke

Vorteile der OSG-Prothese gegenüber Versteifung in folgenden Situationen:
  • Bergaufgehen
  • Bergabgehen
  • Treppen steigen
  • Treppen abwärts gehen
  • Unebener Untergrund

Von allen Gelenken des Beines aber ist das Sprunggelenk am schwersten durch eine Endoprothese zu ersetzen. Die Belastung beim Laufen, Springen oder bei Drehbewegungen - bis zum siebenfachen des Körpergewichts - auf dieser relativ kleinen, verletzungsanfälligen zwölf Quadratzentimeter großen Gelenkfläche ist sehr hoch. Das schafft einzigartige Herausforderungen für die Konstruktion der Prothese.

Die Bewegungsmöglichkeiten des Sprunggelenks sind hochkomplex: Im oberen Sprunggelenk kann das Sprunggelenk angezogen und gestreckt werden. Das obere Sprunggelenk (OSG) ist also für den natürlichen Abrollvorgang beim Gehen zuständig. Das untere Sprunggelenk kann den Fuß also seitlich drehen. Das untere Sprunggelenk kippt im natürlichen Gangzyklus daher leicht nach innen oder außen.

Bei einer Versteifung des oberen Sprunggelenks wird ein Teil der verloren gegangenen Beweglichkeit durch Gelenke am Fuß übernommen. Dazu gehören das untere Sprunggelenk und die Fußwurzelgelenke. Durch die resultierende Belastungssteigerung werden Arthrosen der benachbarten Gelenke im Fuß (sog. Begleitarthrosen) wesentlich wahrscheinlicher.

Das untere Sprunggelenk zwischen Talus und Fersenbein sowie die Fußwurzelgelenke (siehe Pfeile) übernehmen nach einer Arthrodese die verlorengegangene Beweglichkeit des Oberen Sprunggelenks. Dafür werden sie auch stärker belastet.  Eine gangbilderhaltende Prothese vemeidet diese Überlastung der benachbarten Gelenke. Nach der Versteifung des oberen Sprunggelenks kompensieren das untere Sprunggelenk (zwischen Talus und Fersenbein) sowie die Fußwurzelgelenke (siehe Pfeile) einen Teil die verloren gegangene Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks. Dafür werden sie auch stärker belastet. Eine dadurch begünstigte Arthrose dieser Fußgelenke, die durch Versteifung des oberen Sprunggelenks begünstigt wird, wird als Begleitarthrose bezeichnet. Eine gangbilderhaltende Prothese vemeidet diese Überlastung der benachbarten Gelenke. Begleitarthrosen treten infolge der Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk also nicht auf. © Dr. Thomas Schneider

Diese Bewegungsmöglichkeiten des Sprunggelenks werden feingesteuert durch den - auch im Vergleich zu Hüfte oder Knie - sehr komplizierten Muskel- und Bandapparat. Bänder und Bindegewebe am Innenknöchel und am Außenknöchel erhalten durch ihre korrekte Spannung und ungestörte Funktion die Statik im Sprunggelenk.

Nicht nur das Sprunggelenk, auch die Sprunggelenksprothese wird in ihrer Funktion durch diesen Bandapparat unterstützt. Bei einer Arthrodese ist es ebenfalls wichtig, diese stützenden Weichteilstrukturen zu erhalten: Sind die Bänder intakt, ist es später leichter möglich, eine Arthrodese wieder in eine bewegliche Sprunggelenksprothese zu überführen.

Begleiteingriffe zur Sprunggelenksprothese wirken gelenkerhaltend

Ist nur eines der Außenbänder nach Bänderriss gestört, kann die veränderte Belastungslinie leicht zu einem gefährlichen Hohlfuß führen. Bei diesem verletzungsbedingten Hohlfuß knickt das Sprungbein nach außen.

Ist ein Innenband verletzt, kann das Sprungbein nach Innen knicken: ein Knickfuß tritt auf.

Jede unkorrigierte Fehlstellung des Sprunggelenks kann langfristig zu einer Sprunggelenksarthrose führen.

Oft können wir durch Wiederherstellung der natürlichen Belastungslinien an Außenbändern und Innenbändern die Lebensdauer des natürlichen Gelenks spürbar erhöhen und den Patienten ohne Gelenkersatz in die schmerzfreie Belastbarleit zurückbringen.

Bänder und Sehnen am Fuß stabilisieren Sprunggelenksprothese

Aber auch der stabile Einsatz einer Sprunggelenk-Prothese setzt einen gut regulierten Bandapparat voraus. Die natürliche Statik des Sprunggelenks erfordert den Einsatz eines hochspezialiserten Fuß- und Sprunggelenks-Chirurgen. Aber auch eine Versteifung des oberen Sprunggelenks führt nur dann zu guten Ergebnissen, wenn auch die Fehlstellungen des Sprunggelenks korrigiert wurden. Unterbleibt diese Korrektur der Belastungslinie, kann das versteifte Sprunggelenk z.B. zu sehr im Spitzfuß stehen und die Nachbargelenke verschleißen schnell.

Bei Einsatz einer Prothese des Sprunggelenks muss diese natürliche Beweglichkeit und das Gelenkgefühl im Sprunggelenk erhalten bleiben. Das ist die große Chance für die Lebensqualität des Patienten; aber auch die Herausforderung für den spezialisierten Orthopäden: Die Sprunggelenk-Prothese muss diesem natürlichen Bewegungsablauf des Sprunggelenks möglichst nahekommen.

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